Maler 83: Alexi Zaitsev

Ein moderner klassischer Maler

Er fängt Augenblicke des alltäglichen Lebens ein – aber eben eines geträumten Alltags, eines Sonntagnachmittag-Alltags. Nostalgie im Licht. Als Kind empfand ich es manchmal, dass an Sonntagnachmittagen die Zeit stillsteht. Und diesen Eindruck habe ich hier auch. Die Zeit wird eingefangen, sie steht still, sie berührt mit ihrem Licht. Oder anders gesagt: Wenn ich als Kind durchs Dorf gestromert bin, an einem SommertagNachmittag, dann atmete das Dorf eine ganz bestimmte Stimmung aus. Hitze, Flirren, Grillen, summende Insekten, ein bestimmter Geruch von den Feldern, Korn, die Pflanzen verströmten ihren Duft – und diese Stimmung fängt Zaitsev sehr schön ein. Die Welt atmet, lebt durch das Licht und die in dem Licht lebenden Menschen. Es ist im Grunde eine visuelle poetische Erinnerung. Was nicht heißen soll, dass es in Russland nicht auch noch solche Orte heute gibt. Ausgeklammert wird, das Bösartige, Dunkle, Hinterlistige, das, was Ängste auslöst. Es ist eher das Bild unbeschwerter Kinderaugen. Eine Welt, die auch wahr ist. Kann es sein, dass in vielen der frohen Bilder eine gewisse Melancholie liegt? Kunst als Heilmittel für die zerrissene Moderne?

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