
Geschichte ist immer von Menschen gemachte Geschichte. Unser Wort Geschichte beinhaltet beides: history (das Geschehene) und story (das Berichtete). Historie meint im Grunde das, was der Mensch im Lauf der Zeit gemacht hat – auch im Detail untersucht: der Prozess des sozialen Miteinanders, des Krieges, der Wissenschaft, der Kunst usw. Dann bezeichnet dieses Wort auch das, was sich ereignet hat ohne Zutun des Menschen, zum Beispiel: Natur-, Erdgeschichte, Evolution usw.
Per definitionem gibt es keine vom Menschen losgelöste Geschichte, insofern der Mensch sie macht. Darum handelt Gott durch den Menschen – und somit kann man aus säkularer Sicht nicht erkennen, dass Gott handelt, weil er durch Menschen handelt. Selbst wenn der glaubende Mensch sein Handeln an Gottes Willen ausrichtet, sagt der säkulare Mensch, da es aus seiner Sicht keinen Gott gibt, ist auch im Handeln des Glaubenden Gott nicht erkennbar. Auch wenn der Glaubende Gottes Handeln in Jesus Christus als ein Handeln in der Geschichte versteht, die die Geschichte geprägt und verändert hat, sagt der säkulare Mensch: Das hat nichts mit Gott zu tun – denn Gott gibt’s ja nicht – sondern nur mit Menschen, die meinen, dass Gott in die Geschichte eingegriffen habe.
Die Frage ist also jedoch letztlich, um den Anfang der Überlegung aufzugreifen: Ist die von Menschen gemachte Geschichte nicht auch eine, die sich durch Gottes Handeln ereignet? Sind gemachte und ereignete Geschichte so voneinander zu trennen, wie Menschen es gerne hätten? Einmal: Allein schon durch die Evolutionslehre sind wir eingebunden in die sich ereignende Geschichte; dass der Mensch von sich ereignender Erdgeschichte losgelöst ist, kann auch nicht behauptet werden. Dennoch: Wir konstruieren kausale Zusammenhänge: Weil Person A so gehandelt hat, hat dann Person B darauf so reagiert – und so geschieht Geschichte als eine komplizierte Verflechtung menschlichen Handelns. Aber nur, weil wir Geschichte nicht ohne menschlich aktive Kausalität denken können?
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