
Die Auslegung Luthers zu Psalm 82 zeigt den heftigen politischen Luther: https://jochenteuffel.com/2020/03/17/martin-luthers-auslegung-des-82-psalms-vollstaendiger-text-wo-keine-obrigkeit-ist-oder-wo-sie-ohne-ehre-ist-da-kann-auch-kein-friede-sein-wo-kein-friede-ist-da-bleibt-auch-keine-nahrung-und-k/
Daraus:
Wollt Gott, daß lauter treue Leute wären, die solch Amt innehaben und dasselbe treulich und lauter aus. richten. Aber leider mißbrauchen sie es so schändlich und schädlich. Doch Mißbrauch zerstört das Amt nicht; das Amt ist doch recht, gleichwie die weltliche Obrigkeit ein recht gut Amt bleibt, obgleich es ein Bube innehat und mißbraucht.
Merk aber, daß ein solcher Prediger, durch welchen Gott die Götter (sc. Götter sind die Menschen, die man vergöttert – hier im Wesentlichen die Obrigkeit) straft, in der Gemeine stehen soll. Stehen soll er d.h. fest und getrost sein und auf. richtig und redlich wider sie handeln. Und in der Gemeine (soll er stehen) d.h. öffentlich frei vor Gott und den Menschen. Damit werden zwei Laster angegriffen. Das erste heißt Untreue. Denn es sind jetzt gar viele Bischöfe und Prediger im Predigtamt, die aber nicht stehen und Gott nicht treulich dienen, sondern lügen oder sonst ihren Scherz damit treiben. Das sind die faulen und unnützen Prediger, die den Fürsten und Herren ihre Laster nicht sagen. Etliche, weil sie es gar nicht achten; solche lügen und schnarchen in ihrem Amt, tun nichts, das zu ihrem Amt gehört, nur daß sie wie die Säue den Raum füllen, an dem sonst gute Prediger stehen sollten. Das ist der große Haufe. Etliche aber heucheln und schmeicheln und stärken die bösen Götter in ihrem Mutwillen, wüten und toben wider das [472] Evangelium, hetzen und reizen ihre Fürsten und Herren, zu lästern und zu morden. Etliche fürchten auch für ihre Haut und sind in Sorge, sie müßten Leib und Gut drüber verlieren. Diese alle stehen nicht und sind Christus nicht treu.
Dann wendet er sich gegen diejenigen, die nur hintenrum reden:
Das andre Laster heißt Afterreden. Solcher Prediger und Laien ist alle Welt und sind alle Winkel voll, die ihren Göttern d.h. ihren Fürsten und Herren hin und wieder übel nachreden, ihnen fluchen und sie schelten, jedoch nicht frei öffentlich, sondern in Winkeln und bei ihren Rotten. Aber damit ist nichts ausgerichtet, sondern nur das Übel ärger gemacht, es dient auch zu nichts als dazu, ein heimlich Feuer anzulegen und die Leute zu Ungehorsam Aufruhr Unfriede und Verachtung der Obrigkeit zu reizen. Aber bist du im Amt und willst du deine Götter nicht öffentlich und unter Augen strafen, wie dein Amt fordert, so laß auch dein heimlich Afterreden Schelten Richten und Klagen oder du sollst kein gut Jahr haben. Bist du nicht im Amt, so laß das Richten sowohl öffentlich wie heimlich, oder der Teufel ist schon dein Abt und brauchte nicht erst werden. Denn Gott hat heimlich Richten oder Richten ohne Amt verboten Mt. 7(,1) und will von denen, die im Amt und dazu berufen sind, haben, daß sie frei öffentlich ihre Götter strafen und richten sollen.
