Te Deum Laudamus (EG 191; 331)

Mit dem Lied haben so manche ihre Schwierigkeit gehabt, so in der Zeit der Aufklärung (1), ebenso haben Deutsche Christen und andere es weltanschaulich, ideologisch verändert und situativ ergänzt lieber gehabt: https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Gott,_wir_loben_dich :

In Militärgesangbüchern stand es als Danklied. Im Feldgesangbuch der evangelischen und katholischen Militärseelsorge von 1939 lautete die Schlussstrophe „Dort, wo unsre Fahnen wehn, seis zu Lande, seis zu Meere, laß die Treue Schildwach stehn, sei uns selber Waff’n und Wehre! Losungswort sei allzugleich: ‚Treu zu Führer, Volk und Reich.‘“

Das Gesangbuch der Deutschen Christen von 1941 wurde nach diesem Lied „Großer Gott wir loben dich“ benannt und enthielt eine von „jüdischen Elementen“ gereinigte Version, indem die Zeile „Heilig, Herr Gott Zebaoth“ durch „Heilig, heilig, Herre Gott“, in den Liederbüchern der Wehrmacht dagegen durch „Heilig, Herr, allmächtʼger Gott“ ersetzt wurde.

Aus pazifistischer Sicht war es auch nicht ganz so beliebt. So finden wir auch in Wikipedia den Hinweis auf die Version von : Karl von Greyerz. Mit Blick auf das Klima wurde es auch bearbeitet.

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Das Lied wurde, wie an den Texten, die Kurt Ihlenfeld (Preußischer Choral) wiedergibt, häufig nach siegreichen Kriegshandlungen gesungen (17. Jahrhundert wohl die lutherische Version). Es war sozusagen ein Erleichterungsgesang, da das singende Heer Gott lobte, weil es vor dem Tod bewahrt worden war. Es ist gut, dass es aus diesem Kriegs-Kontext herausgewachsen ist.

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Denn in diesem Lied geht es um Lob Gottes – Gott wird nicht wegen etwas gedankt, sondern Gott wird gelobt, weil er Gott ist. Am Schluss kommen Bitten vor – aber diese Bitten bedeuten, dass Gott geehrt wird, wenn die Seinen dem Willen Gottes entsprechend leben.

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(1) Vermutlich liebte man es in der Zeit der Aufklärung nicht, weil Gottes Überlegenheit besungen wurde und dass der Mensch sich Gott unterordnet. In diesem Lied ordnet sich der Glaubende zudem in die alte Tradition seit dem 4. Jahrhundert ein – denn das Te Deum ist aus dieser Zeit und wurde ständig rezipiert ( https://www.vaticannews.va/de/gebete/te-deum.html / https://www.ekd.de/eg-331-grosser-gott-wir-loben-dich-87752.htm ). Es ist im Grunde ein Text, der der Christenheit seit Jahrtausenden ans Herz gewachsen ist – und sowas mag natürlich keiner, der seine glorreiche Zeit als Anfang und Ende ansieht. Freilich spielt dabei auch die Ablehnung der Kirche als Institution und Autorität eine Rolle. Ebenso spielt die Vernunft in dem Lied keine große Rolle, ohne Argumentation im engeren Sinn wird der Dreieinige Gott gelobt (ist also Bekenntnis und keine philosophisch begründete Abhandlung) – und die Moral ist anders begründet, als sie es sich als aufgeklärte Menschen so dachten. Durch die Melodie wurde der Mensch ergriffen – der Verstand soll nicht religiös ergriffen werden, sondern sachlich, nüchtern – ich würde sagen: – trunken werden vom Zeitgeist.

Aber das Lied hat bislang all diese Versuche überlebt – und wird es auch.

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