
Am Hof Salomos begann man zurückzublicken auf die Vergangenheit. Israel lebte im relativen Frieden und relativen Reichtum, sodass man es sich leisten konnte, dass Menschen nicht landwirtschaftlich oder handwerklich arbeiten mussten, sondern sich als Leser, Schreiber, Sammler von altem betätigen konnten. So sammelte man alles, was man an mündlichen Überlieferungen über die Aussagen der Väter gefunden hat.
Man entdeckte die Berichte von Abraham, von dem überliefert wurde, dass Gott ihn aus einem fernen Land gerufen hat, damit er in einem ihm unbekannten Land ein großes Volk gründe. In Abrahams Leben wurden viele Spuren Gottes entdeckt: Gott lässt Abraham seinen Willen auf vielfältige Art deutlich werden: indem er mit ihm spricht, durch Boten, durch Engel, er weist Abraham seinen Weg und führt ihn auch zu ganz neuen „Gedanken“, so den „Gedanken“, dass man keine Menschen opfern solle – wie es sonst Brauch war.
Man entdeckte Spuren der Gotteserfahrung auch im Leben von Abrahams Sohn Isaak, von Abrahams Enkel Jakob. Gott begleitete sie auch dann noch, wenn sie vielfach versagt haben. Gott tröstete sie, aber er forderte sie auch heraus. Wesentlich ist: Gott geht seinen Weg mit dem Volk Israel – auch wenn die Menschen ihre eigenen Ziele verfolgen.
Und das wird besonders intensiv dargestellt an dem Leben des Joseph. Joseph war ein Sohn Jakobs. Er war arrogant und stellte sich über seine Brüder. Das gefiel diesen nicht – und so verkauften sie Joseph an Sklavenhändler. Diese brachten ihn nach Ägypten. Dort wurde er Sklave eines angesehenen Mannes – doch die Frau dieses Mannes begehrte Joseph. Joseph gab ihren Forderungen nicht nach. Er wurde ins Gefängnis geworfen, weil die Frau ihn aus Rache zu Unrecht beschuldigt hatte, dass er sie verführen wollte. Joseph hatte von Gott die Gabe bekommen, Träume auszulegen. Und so hatte der Pharao Träume, wusste nicht, was sie bedeuten – Joseph wurde aus dem Gefängnis geholt und konnte sie deuten. Er wurde zum „Landwirtschaftsminister“ ernannt und bewahrte dadurch sehr viele Menschen vor dem Hungertod – auch seine Brüder. Sie zogen nach Ägypten, weil auch in Israel Hungersnot herrschte. Und Joseph vergab ihnen ihre Schuld. Eine sehr wichtige Aussage in diesem Text ist sinngemäß: Ihr dachtet es böse zu machen, Brüder. Aber Gott machte daraus Gutes. Die Brüder wollten Joseph loswerden – aber Gott plante damit die Bewahrung vor dem Hungertod. Die Geschichten über Joseph zeigen: Gottes Spuren sind erst im Rückblick zu sehen.
Lange Zeit, nachdem Joseph gestorben war, wurde das Volk Israel von Ägyptern versklavt. Sie schrien zu Gott um Hilfe und Gott berief Mose, als dieser gerade seine Herde hüten wollte. Und nach langem Hin und Her gab der Pharao die Israeliten endlich frei und sie zogen durch die Wüste in das Gelobte Land. Aber auch das ging nicht ab ohne viel Hin und Her. Während des Zuges durch die Wüste erkannte Israel immer wieder, dass Gott es großartig bewahrt und beschützt. Israel erkannte aber auch, dass es wenig Vertrauen in Gott hatte, wenn Not groß war. Gott gab darüber hinaus dem Volk seine Gebote – damit die Menschen menschlicher miteinander umgehen.
Israel erkannte also, dass Gott sein Volk bewahrt – in den chaotischen privaten und geschichtlichen Situationen.
Nachdem man das aufgeschrieben hatte, ergänzte man durch die Jahrhunderte hindurch die Erfahrungen, die man mit Gott gemacht hat.
Darüber hinaus dachte man viel nach: Woher kommt eigentlich die Welt? Warum gibt es Menschen und Tiere? Wie kommt es, dass die Menschen so besonders sind? Und so begann man Gottes Spuren nicht nur im geschichtlichen Handeln an Menschen und dem Volk zu erkennen, sondern auch in der Natur: alles war Schöpfung – alles ist Gottes Spur. Man muss sie nur wahrnehmen lernen – und dazu möchten diese Geschichten helfen.
(aus: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/gott/spuren-gottes/)
Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutzerklaerung/ Und: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/christologie-die-bedeutung-jesu/
