Martin Johnson Heade (1819-1904): Einfach zu genießen: die Pflanzen- und phantasievolle tropische Vogelwelt (erstarrte Bewegung: Kolibris [1]), die Landschaften, die in verschiedenste Lichter getaucht werden, die Stilleben mit ihrem Licht- und Schattenspiel. Es liegt eine große Ruhe in den Bildern – sie bieten gleichsam eine große Kulisse für so manche Sinne. Die Ruhe ist aber keine Stille, wenn man die Kolibris schwirren hört oder in Landschaften das Donnergrollen in der Ferne zu hören ist, das Meeresrauschen. Eine Dramatik zum Teil in Ruhe und Schönheit. Welche Tropenlandschaft ist denkbar ohne die Zikaden und die vielen weiteren Geräusche? Die Salzwiesen: spürt, schmeckt man die Feuchtigkeit der Luft? Können dort Wasservögel gehört werden? Der Wind in den Gräsern? Und der schwere Duft in der Wärme der Tropen, die die Orchideen, die aussehen wie duftende Tänzerinnen, verbreiten. Die Rosen und viele andere Blüten sind eher Teil der jeweiligen Stilleben und duften vermutlich auch – haben aber eine besondere Wirkung im Zusammenhang der Farben der Tücher, auf denen die Vasen stehen. Samtene, seidene, strahlende Tücher, die manchmal den Blüten ein wenig die Show stehlen. Manchmal heben die Tücher auch die Leuchtkraft der Blüten hervor. Mit dem Wort Show denke ich, ein treffendes Wort gefunden zu haben: Die einzelnen Blüten, Stängel mit mehreren Blüten stehen und liegen im Grunde auf einer Bühne, angestrahlt vom Licht und zeigen sich von ihrer Schönheit, begleitet vom edlen Tuch.
(1) Heade wollte seine Kolibri-Bilder unter dem Titel Juwelen (The Gems of South Brazil“) herausbringen. Damit überspringt er das Gemalte und hebt die Tiere in eine andere Dimension: sie sind keine Tiere, sondern Juwelen. Ich führe das im Folgenden ein wenig extravagant fort.
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