Maler: Hinabgestiegen in das Reich des Todes

Hieronymus Bosch: https://www.metmuseum.org/de/art/collection/search/435725 :

Dürer: https://www.meisterdrucke.de/kunstdrucke/Albrecht-D%C3%BCrer/92340/Die-H%C3%B6llenfahrt-Christi%2C-1512.html

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Hinabgestiegen in das Reich des Todes: Diese Aussage kann mit dem Weltzustand beschrieben werden: Der Tod herrscht, die Kultur des Todes, Krieg, Gewalt, Erniedrigung, Verachtung, Zerstörung von Unschuldigen, Zerstörung von Städten, Verrat, Denunziation. Christus kam in diese Welt der Kultur des Todes. In diese Welt kam er, um die Menschen zu erlösen, um einen Weg der Befreiung zu zeigen.

Hinabgestiegen in das Reich des Todes: Diese Aussage des Glaubensbekenntnisses geht aber weiter. In der Antike wurden Totengötter von den anderen Göttern vielfach getrennt. Die Totenwelt ist Tabu für die Götter der Oberwelt (Mesopotamien), oder die Totenwelt ist von der Welt der Lebenden getrennt, wird aber von Re durchstreift (Ägypten) – das musste so sein, da ja sonst Re/die Sonne nicht immer im Westen untergehen und im osten aufgehen konnte. Im Alten Testament / der Hebräischen Bibel erkennen manche Fromme, dass der eine Gott nicht nur ein Gott der Lebenden, sondern auch der Toten ist. Gott, der Schöpfer, ist auch Gott des Bereiches, den andere als Herrschaftsbereich des Todes ansehen. Gott hat seine gesamte Schöpfung im Blick – das betrifft diese Welt der Lebenden und die Welt der Toten.

In Jesus Christus steigt Gott hinab in diese Welt und in die Welt der Toten, um seine Herrschaft zu demonstrieren. In der Alten Kirche konnten – ausgehend von 1. Petrusbrief 3,19 und Aussagen der Apokalypse des Johannes – Stimmen laut werden, die mit dem Bekenntnis auch etwas Weitergehendes verbinden: Den Menschen, die vor dem Kommen von Jesus Christus gestorben sind, haben auch die Möglichkeit, den wahren Gott anzuerkennen. Die alten vorchristlichen Menschen, die schon die Wahrheit lebten, pars pro toto Philosophen, Sokrates, Platon, die alttestamentlichen Gerechten haben nun die Chance, die Herrlichkeit Gottes zu erfahren, hinausgeführt aus dem Reich der Toten. (Ich würde zum Beispiel auch Matthäus 25 dazu zählen: Auferstehen werden die Menschen, die sich sozial verhalten haben).

Insgesamt ist der Glaube an die Auferstehung der Toten einer, der davon ausgeht, wie Paulus sagt, dass Christus Herr ist über Tote und Lebende. Die Trennung zwischen dem Bereich der Toten und dem Bereich der Lebenden gilt nicht für Gott. Allerdings legt der Apostel den Fokus auf die Auferstehung der Glaubenden, denn das ist Thema der ersten Gemeinden.