Sarah Flower Adams (1805-1848)

Der Blog wird in den nächsten Wochen nur auf Sparflamme weiter geführt.

Sarah Flower Adams ist am 14.08.1848 gestorben. Und weil ich mich gerade mit ihr beschäftigt habe, stelle ich das in Erinnerung an ihren Todestag in den Blog.

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Sarah Flower Adams hat nur ganz wenige Gedichte und ein lyrisches Drama in fünf Akten „Vivia Perpetua“ geschrieben – zumindest sind nur wenige Gedichte bekannt geworden. Aber dennoch ist sie eine Berühmtheit. Aus ihrer Feder stammt nämlich: Nearer My God to Thee.

Sie wurde im Februar 1805 in Großbritannien (Essex) geboren und starb am 14.8.1848. Ihre Mutter starb, als Sarah 5 Jahre alt war. Von ihrem Vater, der vor ihrer Geburt eine liberale Zeitung herausgegeben hatte (er saß wegen eines Beitrages im Gefängnis) und für andere Publikationen Beiträge schrieb, wurden sie und ihre Schwester streng aber liberal religiös aufgezogen. Er nahm sie als Geschäftsreisender mit auf Reisen und Bildung für sie stand hoch im Kurs. Sie selbst empfand Spannungen in ihrem Glauben. Das wird durch eine Korrespondenz mit dem Geistlichen William Johnson Fox deutlich, der einem rationalistischen christlichen Glauben anhing und der es ihm sozusagen auch erlaubte, seine Frau und Kinder zu verlassen. Sarah brach, als ihr Vater 1829 starb, zusammen, sodass sie einige Jahre kaum mehr etwas schrieb. Fox, der ein Freund des Vaters war,  wurde ihr und ihrer Schwester Vormund. Der Vater und Fox waren Unitarier, das heißt, sie wollten den ursprünglichen christlichen Glauben erneuern, so wie sie ihn sahen, und das bedeutete, dass Jesus ein guter Mensch war, aber er war nicht Gott. Sarah fand nach ein paar Jahren nach dem Tod des Vaters zum Schreiben zurück – und auch der Glaube bekam starke Bedeutung: Gott ist kein Gott der Ferne, sondern der Nähe – das erkannte sie im Zusammenhang eines Beitrages über Luxemburger Galerien und Gärten, den sie schreiben sollte. Ihre ältere Schwester Eliza Flower komponierte Melodien sowohl zu politischen als auch zu christlichen Liedern – so auch zu Texten ihrer Schwester. Sie trugen damit zum Gottesdienst der von Fox gegründeten Gemeinde bei. 1834 heiratete Sarah den Ingenieur und Publizisten William Bridges Adams, spielte durch seinen Einfluss kurz im Theater – was nicht fortgeführt wurde, weil sie danach durch eine jahrelange Depression geplagt wurde. 1840/41 schrieb sie Vivia Perpetua (in diesem Werk greift sie die frühchristliche Auseinandersetzung auf, in der die christliche Frau – Perpetua – unabhängig vom heidnischen Mann ein selbständiges Leben führen möchte). Ihre Schwester trug Lieder für ein Gesangbuch zusammen, mit 13 Liedern von Sarah – darunter auch: Nearer My God to Thee (1841). 1845 veröffentlichte sie einen Katechismus für Kinder. 1846 starb die kranke Schwester, die von Sarah gepflegt wurde und 1848 starb Sarah selbst. Zu ihrer Beerdigung wurde ihr Lied: „He Sendeth Sun“ gesungen. Gott sendet Sonne, er sendet Regen, beides benötigt die Blume (Flower), um zu leben. Gott sendet also helle und dunkle Tage, immer will sie singen – das besingt sie in drei Strophen, alle enden mit: Vater, dein Wille, nicht meiner möge geschehen – in Aufnahme des Gethsemanegebetes Jesu. Das Lied „Nearer My God to Thee“ – deren fünf ersten Strophen von Sarah stammen – war das Lieblingslied von Königin Victoria. Es wurde von dem US-Menschenrechtsaktivisten und Theologen James Freeman Clarke in seinem Liederbuch aufgenommen und wurde so auch zu einem Lieblingslied des US-Präsidenten William McKinley. Später wurde es mit der veränderten Melodie von Schiffbrüchigen der SS Valencia (1906) gesungen und zur Ermutigung der Menschen gespielt, die 1912 die Titanic-Katastrophe erleiden mussten. Der Prediger John Harper bat die Band auf dem Schiff, das Lied zu spielen. Seine Tochter wurde gerettet, er starb. Bei der Beerdigung von Harper wurde es dann ebenfalls gespielt. Das Lied greift die alttestamentliche Geschichte auf, in der Jakob von der Himmelsleiter träumt. Engel steigen auf ihr hinauf und herab – was Jakob erkennen ließ, dass er auf einem heiligen Platz schläft. Das Lied betont die Kraft, die der Mensch trotz aller Traurigkeit durch die Nähe Gottes erlebt.

Biographische Infos aus: https://www.encyclopedia.com/women/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/adams-sarah-flower-1805-1848 und https://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Flower_Adams und https://en.wikipedia.org/wiki/Sarah_Fuller_Flower_Adams und: https://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%A4her,_mein_Gott,_zu_dir und einige Texte: „The Poetry Of Sarah Fuller Flower Adams, Portable Poetry 2014 weitere Texte: https://hymnary.org/person/Adams_Sarah

Im Gedicht „O Liebe! du machst alle Dinge gleich“ wird gesagt, dass Gott den Menschen aus Staub geschaffen hat – und wenn der Mensch in das Grab schaut, den zerfallenen Menschen schaut, sieht er die Unsterblichkeit! – also den durch Gott neu geschaffenen Menschen. Oder ist es Gott, der in das Grab schaut und dann Unsterblichkeit sieht? Auch in dem Text: „Die Trauernden kamen bei Tagesanbruch“ geht es um das Trauern, um den Tod. Trauernde kamen, um den toten Jesus zu beweinen, aber ein Engel sitzt neben dem (leeren) Grab. Die Erde trauert im Winter – es kommt der Frühling – ein Engel sitzt neben dem Grab. Die dritte Strophe zieht das Resümee: Selbst wenn wir trauernd kommen, sollen wir nicht klagen, denn der glückliche Geist hat den Menschen zu einem endlosem Tag (bei Gott) verlassen – denn: Ein Engel sitzt neben dem Grab. Das Schema finden wir auch in dem Lied: „O Hallowed Memories of the Past„. Die geheiligten Erinnerungen, die alten biblischen Texte, werfen Licht auf uns und sind Melodien. Wir Menschen verleugnen deren Macht, aber auch die Sterne verkünden Liebe, Hoffnung, Frieden. (Hier wird die Tradition aufgegriffen, dass wir zwei „Bibeln“ haben: einmal die Texte der Bibel, dann die Natur.) Und die Herzen, die das Schöne fühlen, lassen ein neues Lied zu Gott erklingen – das seit die Welt erschaffen wurde erklingt. Und kein Wunder auf der Erde übertrifft das liebende Herz eines Menschen. In der dritten Strophe wendet sie sich wieder dem Thema Tod zu und dem Glauben, dass durch die Dunkelheit hindurch Liebe und Hoffnung glänzen. Die Natur und der Glaube werden eng miteinander verflochten. Blumen (Flower), die sich der Sonne öffnen, wie die Sterne bringen die Sängerin dazu, Gott zu preisen: „O I Would Sing a Song of Praise„. Das Herz des Menschen hat ein ewiges Lied in sich, das, was auch immer der Mensch auf der Erde erlebt, erklingt – und zwar immer dann, wenn die goldene Kette der Liebe das Herz mit dem Himmel verbindet: „O Menschenherz! Du hast ein Lied.“ Auch Christus kommt in den Liedern vor. Zwei Gedichte lässt sie mit „Part in peace“ beginnen. In dem einen ist Christus der Friede, so lasst uns das Leben in ihm leben, in ihm sterben. Das andere „Part in peace“-Lied besingt das Singen wegen der Fürsorge Gottes, das Singen in der Gegenwart Gottes. Singen erhebt menschliche Herzen zur himmlischen Ruhe. Dass die himmlische Ruhe kein Gaukelspiel ist, sagt sie in „The world may change from old to new“ – die alte Welt kann sich in eine neue Welt verwandeln, kann sich aber auch vom Neuen zum Alten verändern – wie auch immer: die himmlische Hoffnung ist im Herzen. Die Hoffnung auf ein besseres Leben ist kein Köder, auch keine Phantasie, sie ist begründet in dem Versprechen Gottes, die im Innern des Menschen spricht. Gesegnete Tränen bringen uns dem Himmel näher: „Gently Fall the Dews of Eve„.

Es wird deutlich: Die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod prägten ihre Texte – wohl auch begründet in der frühen Erfahrung des Sterbens ihrer Mutter. Die Texte sind alle durchdrungen von der Überwindung des Todes durch Christus, durch Gott.

Deutsche Beiträge zu Sarah Flower Adams bringen auch immer Kritik an. Ich denke, die kann man vergessen. Wie gegenwärtig ist immer zu fragen: Wer sagt was warum? Und die Mitteilung, dass irgendeiner, irgendwas über irgendwen gesagt hat, ist irrelevant. Sie mag keine große Dichterin gewesen sein – aber ein Lied hat sie sozusagen unsterblich gemacht. Was aber wesentlicher ist: Ihre Lieder sind Glaubenslieder aus ihrer Zeit heraus. Die Natur, die in diesen eine Rolle spielt, auch als Gleichnis, weisen auch auf einen zwei Jahre älteren Zeitgenossen hin: Ralph Waldo Emerson. Viele christliche Lieder haben eine immense Naturbezogenheit – das Lob des Schöpfers. Emerson ist einer, der jedoch in unserer modernen Naturbezogenheit nicht vergessen werden darf (es geht darum, im Einklang mit der Natur zu leben – das Göttliche ist im Menschen, somit kann der Mensch seine Welt errichten). Er hat auch viele Gedichte geschrieben – allerdings, obgleich Theologe, ohne Glaubensbezug. Er hatte, nachdem seine Frau gestorben war, seinen Pfarrberuf aufgegeben und wandte sich der Philosophie und der Natur zu. Den Naturbezug verbunden mit dem Glauben finden wir aber bei Sarah Flower Adams. Die Antwort auf das Sterben war somit bei ihr eine andere als bei Emerson.