Gewalt gegen Frauen – Femizid

Auf einer sehr bekannten Blogging-Plattform habe ich brutale und widerliche Bilder gefunden, in denen Gewalt gegen Frauen dargestellt wird.

Im Blick steht heute Femizid, das heißt, es werden Frauen ermordet, weil sie Frauen sind, darauf wird hier und da der Fokus gelegt. Und das ist auch notwendig. (Vgl. http://www.onebillionrising.de/femizid-opfer-meldungen-2021/) Und es ist dringend – ein wichtiger Beitrag: https://www.n-tv.de/panorama/Frauen-werden-getoetet-weil-sie-Frauen-sind-article22407767.html

Ich stelle im Folgenden nur das dar, was ich denke, ohne mich intensiver damit beschäftigt zu haben. Ich verwende allerdings das Wort Femizid nicht. Mir ist bewusst, dass es wichtig ist, ein Schlagwort zu verwenden, damit Menschen aufgerüttelt werden, das Problem bewusst gemacht wird. Mit Femizid würde ich an eine strukturelle Vernichtung der Frauen denken, und ich weiß nicht, ob ich das schon erkennen kann.

Gewalt gegen Frauen beginnt nicht erst mit der Ermordung einer Frau, mit dem schlagen einer Frau. Es beginnt mit der Vorstellung, eine Frau zu erniedrigen – bis hin zur langsamen körperlichen und seelischen Zerstörung. Sie kann auch verbal und visuell geschehen und vermittelt werden.

Ich hatte das Thema Gewalt gegen Frauen schon häufiger angesprochen. Einmal, als ich die SadoMaso-Szene im Blick hatte, wurde mir geschrieben, dass solche Clips und Bilder geschauspielert seien. Ich denke schon, dass man unterscheiden kann, ob eine Frau in einem Film gebrandmarkt wird (wie man Tiere und Sklaven gebrandmarkt hat) – oder in irgendeinem Hinterzimmer auf dem Boden liegend. Um nur ein eher harmloses Beispiel zu nennen – „harmlos“ im Vergleich zu dem was es sonst noch alles zu sehen und zu hören gibt. (Ich schildere die Brutalitäten nicht, weil mein Blog auch für Kinder und Jugendliche einsehbar ist.)

Heute ist ja die Aussage beliebt: Wenn es freiwillig geschieht, darf man alles mit sich machen lassen bzw. darf man alles mit dem anderen machen.

Wenn die körperliche Zerstörung – geschauspielert oder nicht – freiwillig geschieht, kann man doch auch nicht einfach darüber hinweggehen, sondern muss fragen: Warum lässt eine Frau so etwas mit sich machen? Was ging in ihrem Leben voran? Zudem muss man fragen: Warum lässt sie es nicht nur in privatem Rahmen mit sich machen, sondern stellt ihre Zerstörung auch öffentlich aus? Die Antworten werden sehr vielfältig sein. Sie liegen vielfach wohl mit Erlebnissen in der Kindheit zusammen, damit zusammen, wie und mit wem sie ihre ersten sexuellen Kontakte erlebte. Abrutschen in Szenen werden Auslöser sein wie auch Drogen. Warum lässt sie es zu, Todesängste auszustehen, zum Beispiel dadurch, dass ihr Kopf unter Wasser gedrückt wird? Sie hat ja keine Möglichkeiten, sich wirklich zu wehren, sie liefert sich aus.

Man sollte nicht allein die Frau im Blick haben, sondern auch die Männer (manchmal auch Frauen), die Frauen so etwas antun. Auch hier: Wenn geschauspielert wird: Warum? Warum entehren sie sich selbst so sehr? In den Clips fallen nicht selten Männergruppen über Frauen her bzw. über Frauen, die sich nicht wehren können. Was sind das für Männer, die an dieser Stelle mitspielen? Was zeigen sie damit denen, die sich das ansehen? Wenn nicht geschauspielert wird, stellen sich dieselben Fragen und auch: Was herrschen für gesellschaftliche Verhältnisse, in denen sich Männer zusammentun können, ohne dass sie fürchten müssen, dafür belangt zu werden? Wie kaputt sind solche Gesellschaften? Welche Strategien lassen sich entwickeln, um diese Barbareien zu bekämpfen?

Man sollte nicht allein die Frauen und Männer im Blick haben, die als Akteurinnen und Akteure tätig sind bzw. missbraucht werden, sondern auch diejenigen, die sich solche Dinge ansehen und auch noch widerwärtig kommentieren. Diese scheinen das nicht mehr als geschauspielert anzusehen, sondern als reale Erniedrigung – was ist mit ihrer Seele passiert, dass sie in einem solchen Erniedrigungsrausch irgendwas noch Erniedrigenderes hinschreiben? Und es sind 10.000e die manchmal solche Bilder liken usw., sie wieder in ihrem Blog aufnehmen – und damit dem Schneeballprinzip gleich Brutalitäten weitergeben. Ob nun geschauspielert oder nicht: Es wird als real wahrgenommen. Und hier muss man meines Erachtens als Gesellschaft ansetzen. Nicht in der Verteidigung solcher Clips und Bilder.

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Was kann man dagegen machen? ich denke mir:

  1. Menschen in einem sozial gefestigten Umfeld aufwachsen lassen.
  2. Menschen auf Gefahren im Leben aufmerksam machen: Menschen, die man meiden sollte, Situationen, die man meiden sollte, Drogen muss man meiden, denn sie machen wehrlos und tragen dazu bei, sich auszuliefern. Pass auf, wenn Du es mit Menschen zu tun bekommst, vor denen Du ein komisches Gefühl hast. Misstrauisch sein und nicht vertrauensselig.
  3. Menschen lehren „Nein“ zu sagen – und zwar nicht lachend, sondern ernsthaft, abweisend.
  4. Menschen lehren, dass man sich das, was man nicht möchte, nicht argumentativ aufschwatzen lässt bzw. sich nicht mit Hilfe von Bestechungen erweichen lässt.
  5. Menschen auch beizubringen, dass Flucht wichtig sein kann – und dass man sich ein Umfeld aufbauen sollte, in dem man Zuflucht findet.
  6. Menschen beizubringen, dass sie nicht jeden Quatsch mitmachen müssen, dass sie nicht nach Anerkennung heischen, und darum zu vielem bereit sind.
  7. Auch wenn man stolz ist auf seine körperlichen Reize, diese nicht an irgendwen verscherbeln. Und sie werden verscherbelt, wenn sie mit Filmchen, mit Bildern ins Netz gestellt werden. Die meisten wissen das wahrscheinlich gar nicht, wo sie alles sichtbar sind.
  8. Menschen beibringen, dass man sich aus unguten Verhältnissen befreien muss – und dass es auch Beratung dazu gibt. Der Staat (als Institution der Bürgerinnen und Bürger für Bürgerinnen und Bürger) müsste in dieser Hinsicht viel hellhöriger werden und auch finanziell Menschen unterstützen, die helfen.
  9. Ich vermute, dass es sich vielfach auch um ein langsames Abgleiten in immer schlimmere Verhältnisse handeln kann. Vor solchen Möglichkeiten muss auch gewarnt werden. Ärgerlich finde ich es, wenn in wichtigen (Online-)Medien die Prostitution harmlos dargestellt wird. Das mag für manche Prostituierte aktuell so sein – in kurzer Zeit, so wird es dargestellt, viel leicht verdientes Geld. Aber wer kennt ihre Zukunft? Wohin werden sie abrutschen? Nicht alle sicherlich – aber gibt es dazu Studien? Das ist wahrscheinlich wie mit den Influencern: Jedes Kid will Influencer werden, weil man damit schnell reich wird. Aber. Wie viele werden damit wirklich reich? Wie viele scheitern und sitzen dann, weil sie es nicht für nötig erachteten, einen Beruf zu lernen, dann auf der Straße?
  10. Menschen dazu bringen, ihre Gesinnung, ihre Sexualität zu hinterfragen, sie bewusst zu leben und sich nicht an die eigenen finsteren und brutalen Seiten auszuliefern.
  11. Die Sucht, sich selbst zu zerstören und andere zu zerstören, gesellschaftlich intensiver zu thematisieren.
  12. Es wird auch gesagt: Die machen es, um Geld zu verdienen. Abgesehen davon, dass sie wohl (mit ein paar Ausnahmen) kaum welche viel Geld damit verdienen, muss man fragen: Welche gesellschaftliche Stellung hat das Geldverdienen – dass ich mich dermaßen zerstören lasse? Wie kann man Menschen helfen, die sich finanziell nicht übers Wasser halten können? Da gibt es zumindest in unserem Land eine Menge an Hilfestellungen. Setze ich mir selbst grenzen, wozu ich bereit bin?
  13. Man kann Menschen nicht immer vor schlimmen Erniedrigungen bewahren. Deshalb geht es auch darum, Hilfen anzubieten, mit Erniedrigungen umzugehen.
  14. Facebook lässt ja keine sexualisierten Bilder zu, so habe ich mal gehört. Und darüber echauffierten sich manche. Ich fand es auch mal lustig, dass ein harmloses Bild von mir wahrscheinlich von einer Maschine aussortiert wurde. Aber ich denke mir: Es ist besser, hier extremer zu agieren, als letztlich sexuelle Erniedrigungen von Menschen zuzulassen.

Es werden Konferenzen abgehalten noch und nöcher zum Thema Reduktion von diesem und jenem, um das Klima zu schützen. Soll man es tun – nur: Warum werden mit internationaler Aufmerksamkeit keine Konferenzen veranstaltet, die Regeln vorgeben, was auf Plattformen an Erniedrigungen von Menschen wiedergegeben werden darf? Eben: um Menschen zu schützen. Man kann sich ja – wie es sowieso beliebt ist – auf die kleinsten gemeinsamen Nenner einlassen – und die wären sicher noch brutal genug. Aber vielleicht gibt es Möglichkeiten eben offiziell festzuhalten: Das ist mit Einwilligung aller Personen filmisch gestaltet usw. – darum darf es veröffentlich werden.

Wenn man solche brutalen Bilder und Clips verteidigt (Schauspielerei, Geld verdienen, auch soll es Kunst sein [auch die japanischen Fesselungen von Frauen halte ich zwar für handwerklich kunstvolles Knotenknüpfen, ohne Körper zu zerstören – wenn es denn gelingt – aber nicht für Kunst. Sie dienen nur dazu, und das ist schon strukturell – Frauen still zu legen, sie unbeweglich zu machen]), dann vernebelt man den Verstand und verhindert, dass sich Menschen gegen Menschenverachtung einsetzen.

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