Kunst-Assoziationen

Im christlichen Kulturbereich (natürlich nicht nur) entstanden wunderschöne Bilder. Sakrale Kunst forderte die Künstlerinnen und Künstler heraus. Das Heilige adäquat darstellen – das war die Aufgabe, die jede Generation neu bewältigen musste.

Und dann hat man erkannt: Nicht das sakrale Motiv allein spricht den Menschen an. Es sind die Farben, die Kompositionen des Bildes. So löste man die Kunst von sakralen Inhalten und wandte sich immer intensiver dem Weltlichen zu, der weltlichen Schönheit, der Schönheit der Schöpfung.

Immer ausgefeilter wurden die Methoden, immer vertiefter die Erkenntnis darüber, was den Menschen emotional ergreift, ihn anspricht. Das wurde dann dem Bereich der eigentlichen Kunst entnommen und mit Blick auf Gegenstände ausgedehnt – um sie besser zu verkaufen.

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Soweit ich das beurteilen kann, stand in der westlichen Antike der Mensch im Vordergrund. Der Mensch in seiner Schönheit – in seiner vergöttlichten Schönheit. Im asiatischen Bereich muss man wohl differenzieren: in Indien stand der Mensch mit seinen Handlungen im Vordergrund, in China/Japan als Zeichnungen die Natur und Menschen. Ich lasse mich sehr gerne korrigieren, es sind grobe Eindrücke, die ich hier aus der Erinnerung wiedergebe und von zufälligen Beobachtungen geprägt sind.

In der sakralen Kunst des Westens wurde auch der Mensch in den Vordergrund gerückt – aber der Mensch so, wie Gott ihn gewollt hat: in Jesus Christus, in Maria, in Aposteln und Heiligen – und im gefallenen Menschen als Gegenüber, als Kontrast, als einer, der so nicht sein soll bzw. der hilfsbedürftige Mensch. (In Asien wurde das „Transzendente“ in der Buddha-Skulptur eingefangen.)

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Kunst, die Natur/Schöpfung wiedergibt – sie bannt das Gefährliche: Stürme erstarren durch Künstlerhand in einem Bild. Stürme, die verängstigen, aber trostvoll erstarrend. Frühling und Sommer in ihrer Vergänglichkeit – festgehalten im Bild, im Gemälde – sie bleiben im abweisenden Winter eine Hoffnung. Blumen – Stilgemälde – Blumen verwelken in kurzer Zeit, Schönheit vergeht. Doch nicht die Schönheit des Bildes, es macht Blumen „ewig“. Wie Geschichte vergeht – berühmte Schlachten gehören bald der Vergangenheit an – auf Bildern gebannt, erstarren sie zu ewigem Ruhm. Schon im Altertum.

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Nicht zu vergessen ist die Ornamentik, die überall vorhanden ist, auch im christlichen Mittelalter. Ornamentik – Ordnung in Verworrenheit. Im Zentrum dieser: das Heilshandeln Gottes.

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Schönes wird wiedergegeben – Schönes soll dominieren, auch wenn das Leben hart ist, schwer, tödlich, krank.

Doch nicht nur das Schöne zählt. Der leidende Christus – in seiner ganzen Schrecklichkeit. Wirklich nicht schön. Kunst gibt dieses harte Leben wieder, der Leidende Christus, mein Leiden, er leidet mit, der Mensch kann nicht nur Schönes zeichnen/malen, er kann auch das Leiden wahrnehmen. Ich kann mich identifizieren mit seinem Leiden. Mit dem angefochtenen Heiligen identifiziere ich mich: Wie ihm, geht es mir. Und: ich lerne auch mitzuleiden. Soweit die sakrale Kunst. Und dann wird das Leiden dem Sakralen entnommen. Der leidende Mensch wird dargestellt. Die Bedeutung ist eine andere als bei Christus. Hier geht es – was nicht unwichtig ist – darum: Mitleid wahrzunehmen und hervorzurufen.

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