8. Mai – Tag der Befreiung

Ist der 8. Mai ein Tag der Befreiung oder der totalen Niederlage?

Die Menschen, die ihn damals erlebt haben, haben ihn naturgemäß ganz unterschiedlich interpretiert, wenn man Briefe von damals liest, oder Erinnerungen hört. Viele konnten nicht glauben, dass die Durchhalteparolen bloße Lüge waren, auch wenn sie nicht mit dem Regime einverstanden waren, wollten sie doch einen Sieg, manche wollten nicht wahrhaben, dass sie sich Menschen verachtenden Hoffnungen hingegeben hatten… Andere sehnten den Tag herbei, an dem das Hitler-Regime endlich fällt, das unendliche Leiden über Menschen gebracht hat. Das Leiden des Durchschnittsbürgers begann ja nicht erst am 8. Mai. Der Luftkrieg hinterließ schon lange seine Spuren – und dann: endlich kein Alarm mehr. Manche erinnern sich an die erste Schokolade… Endlich konnte man wieder rausgehen, ohne Angst vor Tieffliegern… Sehr, sehr viele wurden – wenn man das noch steigern kann – auf grausamste Art vergewaltigt. Wenn man die Erinnerungen liest, dann stockt einem der Atem, oder wurden vertrieben – und was sie während der Vertreibung alles erlebt haben – geht über das, was man Menschen zu verkraften zumuten möchte. Auch das Leiden sollte man nicht vergessen, das die Vertriebenen von ihren eigenen Landsleuten an den jeweiligen Zielorten erfahren haben. Wird von den Nicht-Vertriebenen gerne ignoriert.

Die Frage zum 8. Mai lautet daher nicht: Wie haben Menschen den Tag damals empfunden. Wenn sie es überhaupt mitbekommen haben, dann mit den unterschiedlichsten Gefühlen.

Die Frage lautet: Als was empfinden wir diesen Tag in der jeweiligen Gegenwart. Und wenn man die nationalsozialistische barbarische Ideologie im Blick hat, die entmachtet wurde, dann kann man den 8. Mai nur als Tag der Befreiung interpretieren. Wer den Nationalsozialismus als furchtbar entmenschlichte Ideologie noch nicht wahrgenommen hat, sollte sich vielleicht einmal Biographien antun – von den vielen, vielen Opfern, aber auch die von Tätern, die Briefe der Inhaftierten und dann Hingerichteten…. Auch die Erinnerungen, die in den verschiedensten Büchern des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge gesammelt wurden, helfen die grausamen Ereignisse vor allem im Osten wahrzunehmen. Man kann diesen Tag nicht nur aus einer Perspektive sehen, wenn man die Menschen der damaligen Zeit wahrnimmt. Aber:

Der 8. Mai muss als Grundlage der Befreiung angesehen werden, als Voraussetzung für die Entfaltung von Freiheit und Würde, von Recht und Menschlichkeit. Der wir uns weiterhin verpflichten wollen.

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