Versagen

Satz 1:

Du bist groß – also fühl dich auch so…!

Satz 2:

Wir predigen heute den Menschen groß: Gott liebt dich – also kannst du dich auch lieben.

Überlegung:

Satz 2 ist richtig. Das ist der große Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Satz.

Der erste Satz kaschiert die Verzweiflung des Menschen und sagt: Spring über den Graben negativer Selbsterfahrung und sei ein ganz anderer!

Der christliche Glaube geht einen anderen Weg: Er lässt das Versagen erkennen, es annehmen – und dann von Gottes Liebe tragen. Ich werde frei.

Ohne die Akzeptanz dessen, dass ich versage, plustere ich mich nur auf, werde selbstgerecht, überheblich, intolerant und großmäulig… – oder resigniere, verbittere, werde gleichgültig… – und erkenne irgendwann hoffentlich mein abgrundtiefes Wesen als verloren.

Das ist der Moment, in dem man Heimweh hat nach Gott: Wie der verlorene Sohn, der bei den Schweinen hockte, hinter sich das Leben als Scherbenhaufen und nun mit seinem Leben nichts mehr anzufangen wusste.

Das ist der Augenblick, in dem man Gottes Liebe spürt, die neuen Anfang schenkt – wenn man nicht im arroganten Versagen stecken bleiben will.

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