Benedikt XVI. und Traum von Kirche + Fixierung

Benedikt XVI. hat Recht, wenn er seinen Traum von Kirche darlegt
https://www.kath.net/news/67603 .

Es ist der Traum von Kirche seit 2000 Jahren: Menschen leben in der Beziehung und aus der Beziehung zu Gott. Darum verändern sie die Welt, indem sie Gottes Willen tun. Dieser Traum ist auch mein Traum. Dieser Traum war auch der Traum des Paulus. Und er musste sehen: Die Menschen träumen nicht alle diesen Traum. Manche Menschen der Gemeinde sind sogar gar nicht daran interessiert, diesen Traum zu verwirklichen. Sie haben nicht den Geist Gottes, aus dem heraus sie leben. Heftig bekämpft er diese Menschen, die Kirche zerstören. Im Matthäus und Johannesevangelium finden wir diesen Traum. Johannes 15 betet Jesus für die Einheit der Jünger , an der Einheit, an der man Gottes Handeln erkennen kann – aber das Gebet dafür zeigt an, dass es ein Traum, ein Wunsch ist. In der Bergpredigt heißt es: Seid vollkommen, wie auch euer himmlischer Vater vollkommen ist – gleichzeitig sollen die Seinen beten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben denen, die an uns schuldig geworden sind. Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Samen, die Forderung, den Balken im eigenen Auge zu erkennen, bevor man den Splitter aus dem des anderen zieht… – all das zeigt, dass Jesus und die frühe Gemeinde nicht naiv waren. Dann kamen der Verrat durch Judas, die Verleugnung durch Petrus – dass dieser Traum Ziel bleibt, ist klar, aber der Mensch ist in seiner Versuchbarkeit und auch als Versucher immer wieder auf Abwegen. Das Ziel muss aber immer wieder vor Augen stehen – auch wenn man weiß: Der Mensch kann ganz schnell auf Abwege geraten, das sowohl als Individuum als auch in der Institution, die er bildet.

Das Buch von Graham Greene: Die Kraft und die Herrlichkeit ist für mich ein sehr wichtiges Buch geworden. In äußerster Knappheit wiedergegeben: In der Zeit, in der in Mexiko Christen verfolgt wurden, viele Christen auch mitmachten, um nicht selbst zerstört zu werden, hält ein Priester durch: einer, der gegen seine Alkoholsucht kämpft und darum selbst zweifel daran hat, ob er ein richtiger Priester sei. Aber er hält durch.

Dieser oben genannte Traum ist das Ziel des Weges. Aber es sind Menschen, die auf diesem Weg sind. Kirche besteht nicht aus denen, wie sie Christen selbst und Atheisten fordern, aus vollkommenen Menschen, damit man an ihnen Gott als Gottesbeweis erkennen kann – das bleibt der Traum, die Bitte, der Wunsch – aber auf dem Weg dahin sind sehr viele. Alle leben aus der Vergebung und der Gnade Gottes. Wir sind auf dem Weg dahin: In all unserer Vielfalt, mit all unseren Irrgedanken und üblen Taten, unserem Stolpern, Verzagen, Verzweifeln an anderen und an uns selbst, Glücksgefühlen, Lieblosigkeit und Liebe. Es ist der Traum der Kirche, der uns prägt und uns auch so verhalten lässt, wie es dem Traum entspricht. Manchmal. Und dann müssen wir einander auf helfen, ermutigen, begleiten.

Vom Ziel aus gesehen müssen wir aber auch sagen, was ein furchtbarer Irrweg ist. Wenn Christen die Beziehung zu Gott unwesentlich wird oder die Institution Kirche sich am Zeitgeist orientiert, statt an dem Geist Gottes, dann gerät sie notgedrungen auf Irrwege. Die 2000 jährige Geschichte zeigt es zuhauf – und das sind ja auch die Punkte, die heute von Kirchenkritikern angegriffen werden: An diesen Stellen hat Kirche als Institution den von Jesus Christus gewiesenen Weg verlassen. Das muss man auf dem Weg zum Ziel besprechen und manchmal auch Konsequenzen ziehen. Von daher gibt es nicht nur den einen Weg auf das Ziel hin, es gibt auch viele Irrwege, Seitenpfade, Abstürze.

Jesus Christus selbst greift immer wieder korrigierend ein, sonst gäbe es keine Kirche mehr auf dem Weg zum Ziel. Aber es gibt keinen Automatismus. Glaubende sind verantwortlich dafür, dass der Weg auf dem Weg zum Ziel hin eingehalten wird. In einigen Jahrzehnten werden diejenigen von Kirchenkritikern kritisiert, die sich heute angepasst haben. Allerdings weisen dann Kirchenkritiker wieder alle Schuld den Christen/Kirchen zu. Aber so ist es nun einmal, das muss man tragen und ertragen, auf dem Weg zum Ziel.

Benedikt XVI. formuliert das Ziel. Und es ist gut, dass er es formuliert. Manche seiner Kritiker sprechen über den Weg. Und es ist auch gut, dass sie über den Weg sprechen. Manche Kritiker sprechen allerdings auch von ihren Irrwegen aus. Man muss sie hören, aber das Ziel – Jesus Christus – bestimmt das Miteinander. Das bestimmen nicht diejenigen, die von Irrwegen aus rufen.

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Was dieser Beitrag
https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/benedikt-xvi-und-seine-kruden-thesen-zum-kindesmissbrauch-in-der-kirche-a-1262598.html wieder macht: Er löst das Verhalten der Kirche von dem gesamtgesellschaftlichen Verhalten ab und fokussiert dann nur noch auf Kirche. Und was hier von den 68er Grünen gesagt wird, das stimmt so auch nicht. Es war die gesellschaftspolitische Avantgarde, diejenige, die sich dafür hielt, die eine andere Sexualität unter anderem auch Pädophilie förderte und forderte. Der normale Mensch war noch bodenständig. Was aber mussten diejenigen aushalten, die sich öffentlich gegen diese elitären Strömungen der Zeit damals wandten! Ich erinnere an Christ Meves. Man darf nun nicht die bodenständigen Leute als Beispiel heranziehen, sondern muss diejenigen nennen, die ganz vorne dran die neue Zeit der sexuellen Freiheit durchsetzen wollten. Zudem arbeitet der Beitrag wieder mit Unterstellungen und Ahistorisch – das ist nicht weiter zu kommentieren. Wie heißt es hier
https://www.kath.net/news/67623 :

Diejenigen, die jetzt empört auf Papst Benedikt reagieren, sind vielleicht eine besonders eindringliche Bestätigung seiner Wortmeldung.

Das kann man nicht, wie oben dargelegt, von allen sagen. Aber auf manche dürfte es zutreffen.

(Nachtrag 14.4.: Kardinal Müller mit Blick auf die Kritiker:
http://kath.net/news/67624 )

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Zur Auseinandersetzung zwischen Verteidigern von Papst Franziskus und Mosebach:
https://www.kath.net/news/67619

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