Kierkegaard: Allmacht

Ein Aspekt zum Thema Allmacht, das immer wieder einmal Thema im Blog war:

„Das Höchste, das überhaupt für ein Wesen getan werden kann, höher als alles, wozu es einer machen kann, ist es, frei zu machen. Eben dazu gehört Allmacht, um das tun zu können. Das scheint sonderbar, da gerade die Allmacht abhängig machen sollte. Aber wenn man die Allmacht denken will, wird man sehen, daß gerade in ihr die Bestimmung liegen muß, sich selber so wieder zurücknehmen zu können in der Äußerung der Allmacht, daß gerade deshalb das durch die Allmacht Gewordene unabhängig sein kann. Darum geschieht es, daß der eine Mensch einen andern nicht ganz frei machen kann, (weil der, welcher Macht hat, selbst darin gefangen ist, dass er sie hat und deshalb ständig doch ein verkehrtes Verhältnis zu dem bekommt, den er frei machen will. Dazu kommt, dass in aller endlichen Macht, Begabung usw.) eine endliche Eigenliebe ist. Nur die Allmacht kann sich selber zurücknehmen, während sie hingibt, und dieses Verhältnis ist gerade die Unabhängigkeit des Empfängers. Gottes Allmacht ist darum seine Güte. Denn Güte ist, ganz hinzugeben, aber so, daß man dadurch, daß man allmählich sich zurücknimmt, den Empfänger unabhängig macht. Alle endliche Macht macht abhängig, nur die Allmacht kann unabhängig machen, aus nichts hervorbringen, was Bestand hat in sich dadurch, daß die Allmacht beständig sich selber zurücknimmt(, den Empfänger unabhängig macht). Dieses ist das Unbegreifliche, daß die Allmacht nicht bloß das Imposanteste von allem hervorzubringen vermag: ein gegenüber der Allmacht unabhängiges Wesen. Daß also die Allmacht, die mit ihrer gewaltigen Hand so schwer auf der Welt
liegen kann, zugleich so leicht sich machen kann, daß das Gewordene Unabhängigkeit erhält… Nur die Allmacht vermag es in Wahrheit.“ (Kierkegaard, Tagebücher 1846/1949,216f. – In Klammern finden sich Ergänzungen aus dem Text von Kierkegaard, die von folgender Seite nicht übernommen worden waren: http://www.theologie-systematisch.de/gotteslehre/12allmacht/texte-allmacht.htm

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2 Antworten auf „Kierkegaard: Allmacht“

  1. Im Prinzip gibt auch Kierkegaard zu, dass er das alles nicht versteht:
    Dieses ist das Unbegreifliche, daß …
    Deshalb flüchtet er sich in Setzungen, apodiktische Behauptungen, die nichts weiter sind als Schein-Lösungen.

    Auch er kommt der Lösung des Grundproblems, der Frage nach der Theodizee nicht einen Schritt näher.

    Dabei ist die Lösung doch so einfach: den von den Christen postulierten Gott gibt es nicht nur nicht, es KANN ihn aus rein logischen Gründen auch nicht geben.

    Wer also meint, mit logischen Argumenten für einen solchen Gott punkten zu können, unterliegt einer Selbsttäuschung.

    Heute kam es in den Nachrichten: Im letzten Jahr sind ca. 700.000 durch Naturkatastrophen ums Leben gekommen.
    Eine Welt, in der so etwas möglich ist, könnte nur von einem böswilligen Gott oder einem Gott, dessen Macht beschränkt ist, geschaffen worden sein. Oder sie hat eben eine Ursache, die von einem Gott völlig unabhängig ist.

    1. Mögen Ihre einfachen Antworten Sie befriedigen und glücklich machen. Aber Gott lässt uns nicht los. Auch Sie nicht. Das sehen wir ja an unseren Diskussionen. Manche sagen im Kontext der Lebensrätsel: Gott, dich gibt es nicht. Andere sagen: Es gibt keinen Gott. Wieder andere sagen: Gott, ich verstehe Dich nicht, weiß aber, dass ich mich und die Menschen in Dir bergen kann. Nicht die Lebensrätsel entscheiden darüber, ob es Gott gibt oder nicht. Auch nicht die Zweifel. Ich kann dann natürlich sagen: Für mich gibt es Gott nicht, oder: ich wende mich von Gott ab (sozusagen, um Gott zu bestrafen) – aber all das sagt nichts aus über die Existenz Gottes, die Glaubende intensivst erfahren. Man kann natürlich versuchen, ihnen ihre Weltdeutung auszureden. Aber die Erfahrungen, die sie als Selbstoffenbarung Gottes verstehen und die ihnen Alles geworden ist, ist stärker. Morgen habe ich übrigens ein Wort von Pascal.
      *
      Logisch kann man Gott nicht beweisen. Diese Aussage mache ich schon seit Beginn unserer einjährigen Diskussion. Man kann versuchen, sich Gott logisch anzunähern – aber das mündet letztlich immer in ein Bekenntnis.
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      Thema Leiden: Diese Frage nach dem Leiden – auch mit Blick auf die Natur, durchzieht das gesamte Alte Testament. Es gibt Antworten darauf. Das Neue Testament gibt als Antwort darauf: Gott handelt in Jesus Christus zum Wohl der Menschen – und fordert Nachfolger auf, entsprechend zu handeln – Gott in Jesus Christus leidet am Kreuz, stirbt, Gott schenkt Auferstehung.
      Uns mag diese Antwort Gottes nicht gefallen, wir mögen gegen sie ankämpfen, sie verspotten, vor allem: daran leiden. Manche führt aber gerade das zu Gott, den sie im leidenden Jesus Christus sehen, in dem sie sich selbst spiegeln – oder der sie spiegelt.

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