Der verlorene Vater

Eines Tages ruft der Vater seine fünf Kinder und sagt: „Kids, ich werde kurz weggehen.“ Und er ging. Und die Kinder versuchten nun allein zurecht zukommen und es klappte immer besser. Irgendwann dachte sich der Vater: Ich möchte meine Kinder mal wieder gerne sehen. Und so machte er sich auf und ging nach Hause. Das eine Kind lief ihm aus Liebe entgegen, fiel ihm um den Hals und war glücklich, das andere auch, hatte aber immer Angst, der Vater würde es wieder im Stich lassen. Das dritte Kind sagte: „Kannst wieder gehen! Wir sind auch ohne dich zurecht gekommen.“ Das vierte Kind fragte: „Wer bist du?“ Das fünfte Kind sagte: „Du bist für uns gestorben!“ Manche fragten sich: „Warum ist er bloß weg gegangen?“ Das erste Kind fragte: „War er denn weg?“

Der Vater antwortete: ….

Und er ließ sich einen Steinwurf weit nieder.

*

Sagte der Vater vielleicht: „Warum? Ich bin in euch, ihr seid meine Kinder?“ Oder sagte er: „Ich bin so frei, damit ihr frei seid?“ Oder sagte er: „Ich …“.

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Das ist das Problem der Theodizee, dass Menschen denken, der Vater ist abgehauen. Und was sagt der Vater seinen Kindern, der weiß wie es um jeden dieser bestellt ist? Würde jede Antwort, die wir Gott in den Mund legen, nicht bedeuten, etwas zu tun, wozu wir nicht in der Lage sind: Gott zu rechtfertigen – uns zu entschulden – individuell richtige Fragen verallgemeinern, dadurch verfälschen?

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Es ist kein Zufall, dass Jesus die Geschichte so erzählt: Ein Sohn ging fort… – nicht der Vater geht weg, wie die Menschen denken, die Kids entfernen sich: Lukasevangelium 15.

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Jesus selbst erzählt Gleichnisse, die die Nähe Gottes betonen. Wir finden aber auch Gleichnisse, in denen der Herr weggeht und seine Diener mit Aufgaben betraut, denen sie gerecht werden müssen. Im Gleichnis von den Weinbergpächtern ist der Besitzer weit weg und die Pächter werden in ihrem Tun Gott nicht gerecht, im Gegenteil: sie verhalten sich gegen Gott. In allen Gleichnissen werden Menschen aufgefordert, sich in der Gottesferne zu bewähren.

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Die Ferne Gottes hat Jesus am Kreuz erfahren, wie das Wort erkennen lässt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Aber auch die Ferne ist von Gott geprägt (z.B. durch die Auferweckung Jesu – die Ferne erweist sich als Gottes konzentrierte Nähe).

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Der Blog wird in der nächsten Woche unregelmäßig weiter geführt werden. 

 

3 Replies to “Der verlorene Vater”

  1. Die All-Aussagen über Gott müssen von Gott her interpretiert werden – nicht von dem, was wir allgemein darunter verstehen. Der Mensch hat mit All-Aussagen etwas Übergroßes schaffen wollen, denken wollen. Er hat für dieses Undenkbare Formulierungen gefunden. Christen haben diese Formulierungen für Gott übernommen – aber die Worte müssen von Gott her interpretiert werden. So ist zum Beispiel das Wort Allmacht mit der Selbsterniedrigung Gottes bis zum Kreuz zusammenzudenken. Das ist wie mit dem Wort „Person“ für Gott. Gott ist keine „Person“ im ursprünglichen Sinn (Maske bei Schauspiel), noch „Person“ im modernen Sinn (begrenzter aber eigenständiger Mensch): >Person – wenn Gott damit gemeint ist – ist ein Beziehungsbegriff: Gott kommuniziert mit den Menschen, er hat eine Beziehung zu seiner Schöpfung. Es geht nicht um die Kennzeichnung seines Wesens, seines Seins, es geht um sein Handeln. Damit wird die alte griechische Intention (Frage nach dem Sein Gottes), die jahrhundertelang dominant war, von der jüdisch/biblischen (Frage nach dem Handeln Gottes) abgelöst. Das heißt letztlich auch: Wie Person mit Blick auf Gott definiert wird, hängt von Gott ab. Gott als Person bedeutet nicht, dass er als eine Art Mensch mit langem Bart auf einer Wolke herumsitzt und Schiffe-Versenken oder ähnliches spielt: Er ist wirksam, er ist ansprechbares „Du“. Er spricht Menschen an. Menschen erfahren ihn als Kraft, als Auftraggeber, als Trost, … < (Hiermit zitiere ich mich selbst.) * Was die letzten Worte Jesu am Kreuz betrifft: Die Evangelien widersprechen sich. Aber man kann begründen, warum sie sich widersprechen. Von daher halte ich die des Markusevangeliums für authentisch. Kurz gesagt: Das passt nicht in die damalige Zeit, dass ein bedeutender Mensch solche Worte spricht. An dieser Stelle widersprechen Lukas und Johannes nicht dem Markus in dem Sinn, dass sie sagen: Was Markus sagt, das ist falsch usw. – sie sehen seinen Tod aus einer anderen Perspektive. Das ist für uns heute sonderbar. Aber in der Antike war es nicht wichtig, ob einer, dem ein Wort in den Mund gelegt wurde, das auch so gesagt hat, sondern ob es ihm (aus ihrer Perspektive) gerecht wird. Aus diesem Grund wurden dann – so sehe ich es – Jesu letzte Worte in einem anderen Licht gesehen. Wir müssen einfach erkennen lernen, dass unsere Interpretation von Welt und Mensch usw. nur eine der vielfältigen Möglichkeiten ist. Zum Wort Jesu: Ich gestehe zudem, dass ich das im Augenblick denke und anderen Argumenten gegenüber offen bin. * Sie versuchen die Botschaft von der Auferstehung auf Ihre Weise rationalistisch zu erklären. Es gibt viele Versuche – aber alle stoßen an ihre rationalen Grenzen. Wie eben der Glaube an die Auferstehung Jesu auch an die Grenzen stößt. * Gott ist eindeutig – ich bin begrenzt. Ich mache mir Gedanken über Gott – in meiner menschlichen Begrenztheit. Fehldeutungen von Gottes Wort sprechen nicht gegen Gott, sondern für ihn, weil er uns Menschen die Freiheit lässt, uns über ihn Gedanken zu machen, die Freiheit lässt, auch falsches Zeugnis über Gott abzulegen. Gott ist eben kein Gehirnwäscher. Er lässt Freiheiten – auch die Freiheit zu irren, falsche Wege zu gehen, sich falsch ihm gegenüber zu positionieren… (siehe Gleichnis vom verlorenen Sohn). Ohne diese Freiheiten würden wir keine Verantwortung tragen.

    1. Die All-Aussagen über Gott müssen von Gott her interpretiert werden – nicht von dem, was wir allgemein darunter verstehen.

      Da Ihr Gott nicht greifbar ist, trifft Ihre Forderung ins Leere. Auch gibt es eine „allgemeine Vorstellung von Gott“ nicht. JEDER, der an ein solch imaginäres Wesen glaubt, hat eine ganz persönliche Vorstellung davon. Es gibt wohl annähernd so viele Gottesbilder, wie es Gläubige gibt und ab einer gewissen gemeinsamen Schnittmenge findet man sich dann in einer der vielen religiösen Sekten wieder. Das trifft praktisch für jede Religion zu.

      Das grundsätzliche Problem in Ihren Ausführungen besteht darin, dass jeder Satz, der ein „Gott ist…“, „Gott hat …“, „Gott will …“ enthält, zu 100% spekulativ und aller Wahrscheinlichkeit nach eine Nicht-Aussage ist, da sie sich auf eine Non-Entität bezieht.
      Ersetzen Sie „Gott“ durch „das rosarote unsichtbare Einhorn*“ und Ihre Aussage ist ebenso gehaltvoll.

      Gott ist eben kein Gehirnwäscher. Er lässt Freiheiten

      Ich habe bereits mehrfach gezeigt, dass das nicht stimmt, denn Ihr Gott lässt keine Wahl darüber, ob man an ihn glaubt oder nicht: „glaube nicht an mich und du landest in der Hölle!“ (Mk 16,16; Joh 3,18; Joh 3, 36; Joh 5, 24).

      auch die Freiheit zu irren, falsche Wege zu gehen, sich falsch ihm gegenüber zu positionieren…

      Auch das ist dummes Zeug, da die Christen – wie bereits mehrfach gesagt – KEINE verlässlichen Kriterien dafür entwickeln konnten und können, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Wäre das möglich, gäbe es nicht zig-Tausende von christlichen Sekten! 🙂
      Wie erklären Sie sich denn, dass es für jedes ethische Problem auf jeweils beiden Seiten Christen gibt, die aus Glaubensüberzeugung heraus für ihre Sicht der Dinge „argumentieren“?
      Wäre das Christentum NICHT eine Religion der Beliebigkeit, gäbe es z. B. in Bezug auf die Todesstrafe nur EINE eindeutige Position, die ALLE Christen vertreten würden.
      So aber kann jeder Christ, der bereits eine Meinung zu diesem Thema hat, sich aus der Bibel „Argumente“, die seine Einstellung zu untermauern scheinen, herauspicken. Dies wird besonders in den USA deutlich, wo insbesondere in den „christlichsten“ Staaten („bible belt“) die Todesstrafe vom Gesetz her vollstreckbar ist. Befürworter wie Gegner beziehen sich jeweils auf die Bibel.

      Und in der Tat, gibt es für KEINE gesellschaftliche Streitfrage von Belang, in der Christen eindeutig Stellung beziehen könnten, weil sie Christen wären. Wie A. Edmüller schon vor geraumer Zeit festgestellt hat, ist „christliche Moral“ eine reine Legende. So etwas gibt es in Wirklichkeit nicht!

      Ohne diese Freiheiten würden wir keine Verantwortung tragen.

      Verantwortlich handeln können wir nur als empathische Wesen, denen ihre Mitmenschen nicht egal sind, aber nicht, weil wir den ethisch verwerflichen Befehlen eines hypothetischen Monsters namens JHWH folgen oder den ebenso zweifelhaften, weil unbelegbaren Sprüchen seines hypothetischen Sohnes.

      An dieser Stelle widersprechen Lukas und Johannes nicht dem Markus in dem Sinn, dass sie sagen: Was Markus sagt, das ist falsch usw. – sie sehen seinen Tod aus einer anderen Perspektive.

      Schön, dass Sie zugestehen, dass die Evangelien nichts mehr sind, als die private Meinung ihrer Autoren. Damit sind wir doch schon ein großes Stück weiter. 🙂

      Fehldeutungen von Gottes Wort sprechen nicht gegen Gott, sondern für ihn

      Nein, nein und abermals nein! „Fehldeutungen“ (wobei Christen eindeutig NICHT zwischen „richtig“ und „falsch“ unterscheiden können. Was Sie als „falsch“ bezeichnen mögen, kann für andere Christen durchaus die einzig mögliche Sicht auf deren Gott sein) sind der Beleg dafür, dass Ihr Gott unfähig war, sich klar auszudrücken oder der Beweis, dass es ihn gar nicht gibt, er nur ein Hirngespinst von Menschen ist, die auch nicht so genau wussten, wie man sich einen Gott am besten vorstellt.

      Hätte Ihr Gott gewollt, dass man ihn erkennt und akzeptiert, hätte er sehr, sehr viel bessere Möglichkeiten gehabt, sich erkennen zu geben. Dass er es nicht getan hat, spricht sehr dafür, dass er nicht existiert.

      Wenn vor mehr als 2000 Jahren ein paar ungebildete Schafhirten in Nahen Osten einen bestimmten, absurden Aberglauben entwickelten, ist es für einen gebildeten Menschen des 21. Jhdts. beschämend, diesen ungeprüft zu übernehmen.

      Mit Kant möchte man hier sagen: Sapere aude! Benutze deinen Verstand und schalte ihn nicht ab, nur weil ein paar rückwärts gewandte Zeitgenossen ihren Honig daraus saugen wollen.

      *)Interessant ist, dass man die Existenz des unsichtbaren rosaroten Einhorns beweisen kann: Das rosarote unsichtbare Einhorn MUSS existieren, denn man kann es nicht sehen, weil es ja unsichtbar ist. 🙂

  2. Das ist das Problem der Theodizee, dass Menschen denken, der Vater ist abgehauen.

    Nein, das ist NICHT das Problem der Theodizee. Das Problem der Theodizee besteht darin, dass die Realität der Welt, ja des Universums, nicht mit der Vorstellung eines Gottes, der gleichzeitig allmächtig, allwissend und allgütig ist, in Einklang gebracht werden kann.
    Will man also die Allgütigkeit bewahren, muss man wohl oder übel mit Schiwy „Abschied von der Allmacht Gottes“ nehmen!

    Die Ferne Gottes hat Jesus am Kreuz erfahren, wie das Wort erkennen lässt:

    Auch das ist eine kühne, aber kaum haltbare These: Niemand kann verlässlich sagen, was denn Jesu „letzte“ Worte am Kreuz gewesen sein könnten, zumal sich die Evangelien (nicht nur) in diesem Punkt heftig widersprechen.

    Aber auch die Ferne ist von Gott geprägt (z.B. durch die Auferweckung Jesu – die Ferne erweist sich als Gottes konzentrierte Nähe

    Nettes Wortspiel. Theologie vom Feinsten: Man wirft mit Begriffen um sich, die sich eindeutig widersprechen und konstruiert daraus eine Scheinrealität, die wie eine Seifenblase bei der geringsten Berührung wieder zerplatzt.
    Für die „Auferweckung“ Jesu gibt es – ganz abgesehen von der physiologischen Unmöglichkeit, derer man sich vor rund 2000 Jahren allerdings nicht bewusst war – nicht den geringsten belastbaren Beleg.
    Jesu Hinrichtung kam für seine Anhänger unerwartet, deshalb wollten und konnten sie sich nicht damit abfinden und haben die Legende von der Auferstehung gestrickt. Für einen Menschen von heute, ist es unwürdig, diesen Unfug für bare Münze zu nehmen.

    Würde jede Antwort, die wir Gott in den Mund legen,

    Warum muss man Ihrem Gott überhaupt etwas in den Mund legen? Dafür gibt es m. E. nur zwei nachvollziehbare Erklärungen:
    Entweder existiert er nicht und hat infolgedessen auch nie etwas gesagt, oder er ist unfähig, sich so auszudrücken, dass man ihm nichts in den Mund legen kann, weil seine Worte eindeutig sind, ist also weder allmächtig noch allwissend (sonst hätte er ja vorausgesehen, dass „sein Wort“ immer wieder fehlgedeutet werden würde und hätte entsprechend Vorsorge treffen können).

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