Gutes oder Böses

Was hat in der Welt Vorrang?

Wir sehen den Vorrang des Guten oder Bösen in Abhängigkeit von der Situation in der wir leben.

Doch nicht nur.

Auch wenn wir in einer guten Situation leben, können wir nur Übles sehen. Oder seltener: Wenn wir im Übel leben, können wir Gutes sehen.

Was lehrt uns die Schöpfungsgeschichte? Als sie entstand, lebte das Volk in einer schlimmen Zeit (Exil – Babylonische Gefangenschaft). Doch zeigt der Text: Auch wenn es jetzt schlimm ist, die Basis ist gut. Gott hat alles erschaffen, es ist gut. Der Mensch hat dann Freiheit bekommen, hat sie aber verantwortungslos missbraucht. Aber; Das Gute ist der Grundton, die Basis.

Und nun?

Nicht zuletzt Jesus zeigt uns: Handelt in diesem Sinn, dass das Gute Vorrang vor dem Bösen hat. Leiden vermeiden hat Vorrang vor Leiden zufügen, Miteinander hat Vorrang vor dem Gegeneinander. Handelt von der Basis aus, die Gott gelegt hat – tut das Gute, das, was Gott will: Schalom, das heißt: Heilung, Wohlergehen, Frieden, Freiheit, Hoffnung, …

Und nun?

Weil das Gute Vorrang hat, gilt es zu überlegen: Fördere ich es? Manchmal ist schwer zu entscheiden, was das Gute ist. Ich bin egoistisch, meine Gruppe ist egoistisch. Man kann Gutes wollen und Übles kommt dabei heraus. Wir Menschen sind auch zerrissen in der Frage: Was ist gut – was ist schlecht – in dem jeweils konkreten Fall. Manches Leiden lässt sich nicht vermeiden – wie ist damit umzugehen?

Und nun?

Vergebung hat Vorrang vor Bindung an Schuld, Kommunikation hat Vorrang vor Zwang, sich auf einer Ebene mit anderen sehen hat Vorrang vor Arroganz, trösten hat Vorrang vor Kälte. Miteinander zum Guten hat Vorrang vor kleinlichen Abgrenzungen.

https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutz.html und www.blumenwieserich.tumblr.com Der Blog wird in den nächsten Wochen nur sehr unregelmäßig bestückt werden können.

7 Antworten auf „Gutes oder Böses“

  1. Es ist schon interessant zu sehen, wie verfestigt eine Interpretation ist: Es ist ein Mythos! Mythos heißt: Die Welt wird erklärt. Was die Freiheit betrifft: Menschen damals haben sich überlegt: Warum ist der Mensch so „schlecht“? Dass dem so ist, kann man nicht leugnen, auch wenn es einem selbst oder den meisten Menschen seiner Zeit im Land (zumindest vordergründig) gut geht. Kurz: Der Mensch missbraucht seine Freiheit, die Gott ihm gegeben hat. Nix Biss. Warum ist es Ihnen wichtig, dass Noah Alkoholiker war? Das sind solche Einsprengsel, die Sie wahrscheinlich gar nicht mehr wahrnehmen, die – damit unterstelle ich Ihnen etwas – nur destruieren sollen. Alles andere entspricht dem. Oder: Sagen Sie mir bitte, warum Sie das erwähnen, wenn es nicht solche augenscheinlichen rhetorischen Gründe der Destruktion des vermeintlichen Gegners sind?
    Die Aussage, dass die Bibel von Außen gelesen wird, mit der Brille der Aufklärung, und entsprechend Christen dann das, was die Aufklärung erarbeitet hat, gelten lassen, kann man nur sagen, wenn man die ganzen Stränge und Strömungen, die aus der Bibel heraus in die Aufklärung münden, übergeht.
    Alles andere gehört wieder unter die Rubrik: Beschimpfung.

    1. Mythos heißt: Die Welt wird erklärt.

      Nein! Mythos heißt: man gelangt aufgrund unzureichenden Wissens über die Welt zu einer falschen Erklärung derselben.

      Der Mensch missbraucht seine Freiheit, die Gott ihm gegeben hat.

      Wieder so eine unbelegbare Behauptung. Die Freiheit, die wir heute genießen, ist den Erfolgen der Wissenschaft geschuldet. In der Vergangenheit war der Mensch vielfach Zwängen ausgesetzt, um sein Überleben zu sichern. Von irgendeinem Gott ist da nichts gegeben. Wie auch?

      Warum ist es Ihnen wichtig, dass Noah Alkoholiker war?

      Erstens, weil sich das nicht mit der Behauptung, er sei der rechtschaffendste Mensch auf Erden gewesen verträgt und
      zweitens, weil viel zu wenige Menschen wissen, welche ungeheure Tragik sich aus dieser Geschichte für Millionen von Schwarzen ergeben hat: 1 Mose 9:
      “ 24 Als nun Noah erwachte von seinem Wein und erfuhr, was ihm sein jüngster Sohn getan hatte, 25 sprach er: Verflucht sei Kanaan und sei ein Knecht aller Knechte unter seinen Brüdern! 26 und sprach weiter: Gelobt sei der HERR, der Gott Sem’s; und Kanaan sei sein Knecht! 27 Gott breite Japheth aus, und lasse ihn wohnen in den Hütten des Sem; und Kanaan sei sein Knecht! “
      Kein Wunder, dass diese Stelle von den meisten Piestern unterschlagen wird. Passt sie doch nicht so sehr ins „göttliche“ Konzept.

      Die Aussage, dass die Bibel von Außen gelesen wird, mit der Brille der Aufklärung, und entsprechend Christen dann das, was die Aufklärung erarbeitet hat, gelten lassen, kann man nur sagen, wenn man die ganzen Stränge und Strömungen, die aus der Bibel heraus in die Aufklärung münden, übergeht.

      Und Ihre Aussage kann man nur sagen, wenn man den verbissenen Kampf der Kirchen gegen die Bemühungen der Aufklärung, die grundsätzliche Lage der Menschen zu verbessern, nicht zur Kenntnis nimmt.
      Warum mussten denn katholische Priester noch im 20. Jhdt. den „Anti-Modernisteneid“ abelgen, warum hat der Vatikan bis heute nicht die allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN ratifiziert?
      Demokratie und biblisches Verständnis des Christentums passen nun einmal nicht zusammen: Römer 13, 1-7 „Die Stellung zur staatlichen Gewalt“.

      1. Die Noah-Geschichte stellt damit das dar, was man zu der damaligen zeit gesehen hat: De jeweiligen Stämme in ihrer Über- und Unterordnung. Dass der Mensch sich nach der Sintflut nicht geändert hat, das zeigt ja gerade die ganze Geschichte. Selbst unser lieber Noah hatte so seine Schwierigkeiten – so berichtet der Mythos.
        Sie sprechen eine auch für mich interessante Frage an: Ich frage mich auch, warum die Päpste des 19. Jahrhunderts gegen etwas angegangen sind, das eigentlich schon vielfach in der Christenheit angedacht worden war und auch in lichten Momenten praktiziert wurde. Und selbst eben Priester usw. waren ja für die Menschenrechtsformulierungen usw. Die Antwort, die man finden kann: Die Päpste hatten Angst, dass die Revolution die Massen ergreift, sie waren erschüttert von den Gewalttätigkeiten im Namen der Menschenrechte in der französischen Revolution. Ich für mich gebe auch die Antwort: Vielleicht weil das alles ohne sie ausgemacht worden war. Denn auch gegen den Westfälischen Frieden wurde polemisiert, oder man ging zunächst gegen die Ökumenische Bewegung vor. Diese Sicht der Dominanz der katholischen Kirche gegenüber allen anderen ist noch vorhanden. Die steckt meines Erachtens dahinter. Aber: Das ist eine Vermutung, ich bin kein (Kirchen-)Geschichtler.

        1. Dass der Mensch sich nach der Sintflut nicht geändert hat, das zeigt ja gerade die ganze Geschichte.

          Was wiederum beweist, dass der Allwissende so „allwissend“ nicht gewesen sein konnte, denn was nützt eine so ungeheuerliche „Strafe“, wenn die vermeintlich „Gerechten“ dann auch noch aus dem Ruder laufen?

          Die Sintflut wäre von Seiten Ihres Gottes ein völlig widersinniges Unterfangen gewesen, wenn, ja wenn, es sie gegeben hätte und wenn, ja wenn, Ihr Gott dabei seine Finger im Spiel gehabt hätte.

          So aber können wir getrost davon ausgehen, dass lokale Überschwemmungen, die Anlass für solche Märchen gegeben haben, ganz normale Naturereignisse waren, denen die unwissenden Menschen der damaligen Zeit durch die Erfindung der entsprechenden Märchen nachträglich einen „Sinn“ aufpfropfen wollten.

          Selbst unser lieber Noah hatte so seine Schwierigkeiten – so berichtet der Mythos.

          Interessant, dass Sie das auch schon merken, nachdem ich mehrfach auf diesen Umstand hingewiesen habe (1. Mose 9, 20ff.)

          Als skandalös empfinde ich die Tatsache, dass kaum ein Theologe, der sich mit dem Sintflut-Märchen befasst, jemals auf den Umstand des problematischen Charakters dieses angeblich „Gerechtesten aller Gerechten“ befasst. Ob das wohl daran liegt, dass auch in dieser Verkennung von Noah sich wieder einmal die Unfähigkeit des „Schöpfers aller Dinge“ erweist?

          1. Was soll ich dazu sagen? Es liegt einfach nicht der Wille vor, Gattungen zu unterscheiden. Das hat vermutlich auch seinen Grund. Dann kann man nicht so schön auf diesen Texten herumreiten und die Blödheit derer darstellen, die einen Mythos interpretieren.
            Haben Sie eigentlich Ihren Vorwurf überprüft?
            >Als skandalös empfinde ich die Tatsache, dass kaum ein Theologe, der sich mit dem Sintflut-Märchen befasst, jemals auf den Umstand des problematischen Charakters dieses angeblich „Gerechtesten aller Gerechten“ befasst.<

            1. Haben Sie eigentlich Ihren Vorwurf überprüft?

              Im Prinzip schon. Machen Sie doch mal eine Umfrage unter regelmäßigen Kirchenbesuchern, was die vom Sintflut-Märchen wissen (und wenn Sie noch so sehr darauf beharren: die Grenzen zwischen Mythos und Märchen sind nicht so scharf definiert, als das man den Begriff „Märchen“ nicht auf diese Erzählung anwenden könnte). Ich denke, ein sehr kleiner Prozentsatz wird von Noahs Delirium wissen und wahrscheinlich auch dann nur, wenn sie es selber nachgelesen haben.

              Aber ich muss zugeben, dass ich den Satz unglücklich formuliert habe. Am Ende hätte es statt „befasst“ „hinweist“ heißen müssen. Sorry!

  2. Was lehrt uns die Schöpfungsgeschichte?

    Zunächst einmal, dass es zwei, einander in Teilen ausschließende Geschichten, die selbst für die Zeit ihrer Entstehung eine defizitäre Wahrnehmung der Welt dokumentieren. Und natürlich, dass die beiden biblischen Schöpfungsberichte auch nur zwei von vielen anderen sind, die sich bei den anderen Völkern der Geschichte finden.

    Doch zeigt der Text: Auch wenn es jetzt schlimm ist, die Basis ist gut. Gott hat alles erschaffen, es ist gut.

    Ja, so gut, dass der „Allwissende“ nach einiger Zeit merkt, dass es aus dem Ruder läuft und er in seiner Hilflosigkeit beschließt, fast alles wieder einzustampfen und mit fragwürdigem Personal (Noah war bekanntlich Alkoholiker) wieder neu anzufangen, was dann wiederum gründlich in die Hose geht.

    Der Mensch hat dann Freiheit bekommen, hat sie aber verantwortungslos missbraucht.

    Aha! Der Biss in eine nicht näher bestimmte Frucht ist also „verantwortungsloser Missbrauch“ von Freiheit? Jetzt übertreiben Sie aber und nicht zu wenig.
    Jeder Mensch mit auch nur rudimentären Kenntnissen der menschlichen Psyche weiß, dass es unter den gegeben Umständen gar nicht anders hätte kommen können, denn der Mensch ist notwendigerweise von Natur aus ein neugieriges Wesen und wenn er etwas nicht genau weiß, probiert er es einfach aus. Wäre es anders, würden wir heute noch auf den Bäumen leben, denn ausschließlich Neugier und Forscherdrang haben uns in die Lage versetzt, unsere Umwelt nach unseren Vorstellungen zu gestalten.

    Nicht zuletzt Jesus zeigt uns: Handelt in diesem Sinn, dass das Gute Vorrang vor dem Bösen hat.

    Selbst wenn man das aus dem NT herauskristallisieren könnte (die vorrangige Botschaft war jedoch: glaubt an mich oder ihr kommt in die Hölle!), hat der Christ immer noch das Problem, dass er nicht wissen kann, was gut und was böse ist (geben Sie ja selber im Text zu), denn die Bibel kann keine Richtschnur dafür sein, weil sie selbst die schlimmsten Verbrechen wie Völkermord als „Gottes Willen“ interpretiert.

    Handelt von der Basis aus, die Gott gelegt hat – tut das Gute, das, was Gott will:

    Besser nicht, denn das „Gute“ das Ihr Gott angeblich will (ist natürlich alles erfunden), ist nach heutigen Maßstäben verabscheuungswürdiges Verbrechen.

    Vergebung hat Vorrang vor Bindung an Schuld, Kommunikation hat Vorrang vor Zwang, sich auf einer Ebene mit anderen sehen hat Vorrang vor Arroganz, trösten hat Vorrang vor Kälte. Miteinander zum Guten hat Vorrang vor kleinlichen Abgrenzungen.

    Abgesehen davon, dass Ihre Auflistung extrem rudimentär ist und in den meisten Situationen, wo es um ethische Entscheidungen geht, völlig nutzlos, können Sie so etwas nicht aus der Bibel ableiten, ohne eine ziemlich selektive Auswahl anhand außerbiblischer Kriterien zu treffen, etwa aus den Grundsätzen der Philosophie der Aufklärung.
    Die Bibel ist und bleibt ein ziemlich menschenverachtendes Machwerk aus den Kindertagen der Menschheit, das für das Leben unter heutigen Bedingungen kaum sinnvolle Handlungsanweisungen liefern kann, schon gar nicht, wenn man die Auswahl der Anweisungen gehirngewaschenen Theologen überlässt. Die rkK legt beredtes Zeugnis von dieser Tatsache ab, dicht gefolgt und zum Teil erheblich übertroffen von evangelikalen Irrläufern und mit einigem Abstand dann der Rest der Truppe.

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