Kreuz oder Nichtkreuz

Diskussion um die Frage, ob ein Richter das Kreuz abhängen soll, wenn Migranten angeklagt wurden: https://www.idea.de/gesellschaft/detail/das-kreuz-gehoert-zu-deutschland-wie-loecher-zum-schweizer-kaese-104024.html

Der muslimische Angeklagte sagte: Es sei ihm egal, ob Kreuz oder nicht. Das entspricht auch meinen Beobachtungen: Es sind nicht Muslime, die sich am Kreuz stoßen. Die streng Gläubigen nicht, weil sie wissen, dass sie in einem Land voller Ungläubiger leben müssen und die freieren Muslime nicht, weil es ihnen egal ist bzw. meinen, dass Christen zu ihrem Glauben stehen sollten wie sie es auch selbst tun. Vielleicht gibt es ein paar Muslime, die sich – warum auch immer – provoziert fühlen, aber allgemein ist das, soweit ich das beobachte, nicht.

Muslime können vorgeschoben werden, damit man als Nichtgläubiger eine Begründung hat, christliche Glaubenssymbole zu entfernen. Das hingegen habe ich schon häufiger beobachtet und auch im Blog benannt. Das ist heftig abzulehnen, weil das auf Muslime ein schlechtes Licht wirft, also manche sich auf Kosten von Muslimen weltanschaulich profilieren wollen.

https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutz.html

2 Replies to “Kreuz oder Nichtkreuz”

  1. Hahne zufolge ist das Kreuz keine Privatangelegenheit von Christen oder Richtern und Politikern. Es gehöre zu Deutschland „wie die Löcher zum Schweizer Käse. Wir brauchen mehr, nicht weniger Kreuz und Bibel.“ Dann gäbe es, so Hahne, auch keine Gaffer auf Autobahnen und keine Gewalt gegen Rettungskräfte, „weil wir das Jesus-Gleichnis vom Barmherzigen Samariter kennen würden“.

    Hahne hat ein recht einfach gestricktes Weltbild, das aber leider mit der Realität nicht viel zu tun hat. Der letzte Satz ist ein non sequitur und ein weiteres Indiz seines schlicht-falschen Gemüts. Unter den Gaffern sind höchstwahrscheinlich prozentual gesehen genau so viele Gläubige wie im Gesamtdurchshcnitt der Bevölkerung, im Zweifelsfall eher mehr, weil Gläubige eher zu Gedankenlosigkeit und Selbstgerechtigkeit neigen als Nichtgläubige.

    „Mir ist es nicht egal, ob ein Richter, der auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen hat, das Symbol unserer Kultur einfach nach Belieben auf- und abhängt.“

    Auch hier stecken ein paar Denkfehler drin. Das Kreuz ist eben NICHT Symbol unserer Kultur, sondern bestenfalls eine auslaufende Tradition und korreliert eher negativ zum Grundgesetz, weil dieses die Religionsfreiheit, also auch die Freiheit VON Religion garantiert.

    Die Kreuze in Gerichtssälen seien Zeichen, dass sich die deutsche Rechts- und Kulturgeschichte wesentlich dem Wertesystem und den Grundlagen des christlichen Glaubens verdanke – siehe Grundgesetz.

    Abgesehen davon, dass ein „Wertesystem“ und die „Grundlagen des christlichen Glaubens“ mangels klar umrissener Kriterien überhaupt nicht definiert werden kann, ist die die typische Geschichtsklitterung, die viele Theologen betreiben, wenn es ihnen oportun erscheint.
    GG Art. 3,Abs. 3 und auch Art. 102 sind der Beleg dafür, dass Christentum und Grundgesetz nur wenig miteinander zu tun haben.

    Dass überhaupt noch Kreuze in den Räumen öffentlicher Einrichtungen hängen, ist ein Anachronismus und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das endgültig der Vergangenheit angehört.

    1. Weltanschauung gegen Weltanschauung. Geschichtsinterpretation gegen Geschichtsinterpretation. Wunsch für die Gesellschaft gegen Wunsch für die Gesellschaft. Teil notwendiger Diskussion. Was sich geschichtlich zu welchen Zeiten durchsetzen wird? Wer weiß das denn schon.

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