Gelogen?

  • Hat Platon gelogen, wenn er Sokrates viele Diskussionen in den Mund legt?
  • Haben die Schüler des Buddha (Siddharta Gautama) gelogen, wenn sie ihr Denken Buddha sprechen lassen?
  • Haben Schüler des Paulus gelogen, wenn sie in seinem Namen Briefe schreiben?
  • Hat Matthäus gelogen, wenn er aus Worten Jesu die Bergpredigt formuliert?

Man muss die anderen Sitten beachten:

  • Es war eine Ehre, wenn man sich ganz klein machte und dann Briefe im Sinne des Lehrers formulierte, um ihn leuchten zu lassen.
  • Schüler Buddhas haben anderes Interesse, als Siddharta Gautama darzustellen – es geht um Buddha, also um die Darstellung der Erleuchtung und der Gedanken des Erwachten, der ja nicht der einzige Erwachte ist. Von ihm geht die Erwachung und die wahre Lehre aus – die andere fortschreiben. (Man lese nur einmal die Reden des Buddha in dem ReclamHeftchen!)
  • Was Platon betrifft – er verschränkt Reales mit Fiktivem: Diogenes Laertios überliefert, dass Sokrates nach der Lektüre des Lysis gesagt haben soll: „Beim Herakles, wieviel hat der Junge bloß über mich zusammengelogen.“ – Aber: Dieser Spruch ist vermutlich auch „gelogen“, obgleich er Wichtiges wiedergibt. Aber was will Platon? Darauf kommt es an und war Welt bewegend.
  • Und das gilt in etwa auch für Matthäus – in etwa darum, weil jede dieser Arten mit Welt und Sprache umzugehen, nicht 1:1 übereinstimmen, Traditionen… – : Die Anwesenheit des auferstandenen Jesus Christus, die Gabe des Geistes Gottes ist zu berücksichtigen und somit das, was er im Blick hat und bewirkt hat.

Komplex ist die Welt der Religionen (und der Philosophie), die Sprache des Menschen, sein Denken, sein Sich-Verorten in der Welt.

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3 Antworten auf „Gelogen?“

  1. die andere für den Menschen, der diese Texte unabhängig von ihrer historischen Richtigkeit als Glaubenszeugnisse für sein Leben relevant ansieht.

    Es ist ein fundaqmentaler Irrtum, wenn man galubt aus einer erfundenen Geschichte ein „Glaubenszeugnis“ machen zu können. Was immer „Glaubenszeugnis“ bedeuten soll außer: „Ich halte das für wahr, weil ich es glauben möchte.“

  2. Hat Matthäus gelogen, wenn er aus Worten Jesu die Bergpredigt formuliert?

    Das lässt sich heute nicht mehr feststellen, weil niemand sagen kann, was Jesus überhaupt gesagt hat.

    Matthäus ist aber auch wenig glaubwürdig, weil er an mehreren Stellen sinngemäß sagt:
    „… auf das erfüllet würde, was da gesagt ist durch die Propheten …“
    und sich dann auf „Prophezeiungen“ beruft, die es nie gegeben hat oder er sich Bruchstücke aus dem AT heraussucht und seine „Fakten“ dann der jeweiligen Formulierung anpasst: (z. B. Mt 1,22; 2,15.17.23; 4,14; 8,17; 12,17; 13,35; 21,4; 27,9.

    Um diese „Prophezeiungen“ „zu belegen“, lässt er Jesus dann in Bethlehem zur Welt kommen, erfindet den Kindermord und die Flucht nach Ägypten, den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem auf einer Eselin, usw.

    Objektiv gesehen sind das alles Lügen, aber die größte aller Lügen sielt sich in der heutigen Theologie (Theolügie?) ab, wenn immer noch so getan wird, als handele es sich bei den Geschichten aus der Bibel ausnahmslos um historisch korrekte Berichte.

    1. Wenn diese Texte heute herangezogen werden, dann meistens in einem Kontext, oder weil die Wirkungsgeschichte relevanter ist als die Frage nach Historizität. Die eine Frage ist für den Menschen als geschichtlich interessierte Person relevant, die andere für den Menschen, der diese Texte unabhängig von ihrer historischen Richtigkeit als Glaubenszeugnisse für sein Leben relevant ansieht.

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