Als Kind findet man Regenschirme witzig – man kann so viel mit ihnen machen.
Als Jugendlicher findet man Regenschirme peinlich – immer eine Art Dach mit sich herumtragen.
Als Erwachsener findet man Regenschirme nützlich – sie verhindern, dass man nass wird.
Als alter Mensch findet man Regenschirme lästig – man hat ja nur zwei Hände.
Als einer, der Luthers Psalmenübersetzung kennt, weiß man: Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zum Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. (Psalm 91,1f.)
Wo muss man auf der Welt leben, um keine Menschen sehen, hören zu müssen? Hier kommt die Antwort. Viel Spaß beim Umzug. Interessant fand ich die Aussage, dass es Gebiete gibt, da sind die nächsten Menschen die Besatzungen der ISS, wenn sie über das Gebiet fliegt.
Die Frage ist allerdings: Wie. Ermöglichen sie einen lebendigen Diskurs auch in der Kirche selbst? Wie geht man mit politischen Gegnern in der Gesellschaft – und in der Kirche um? Erkennen Kirchenmenschen, dass eben auch Christen und Kirchen unterschiedlicher Meinung sein können – auch in diesen Fragen:
Flüchtlingshilfe, Umweltschutz, Gleichberechtigung, Kampf gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Auch bei Fragen der heutigen medizinischen Entwicklungen wie der Präimplantationsdiagnostik oder der Gentechnik kann die Kirche nicht schweigen, da hier Grundfragen des christlichen Menschenbildes berührt werden: die unteilbare Würde jedes Menschen als Geschöpf Gottes.
Und das aus dem Grund, weil auch Christen Welt interpretieren und nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen haben – anders gesagt: auch sie haben nicht den umfassenden Durchblick in dem komplexen Spiel der Mächte. Sie haben zwar den Geist Gottes – aber jeder Christ dürfte wissen, dass er eben auch dem Geist Gottes nicht umfassend Raum gibt, sondern eben den Geist Gottes in seinem christlichen Unvermögen deckelt, einschränkt, fesselt. Wie schnell wurde immer wieder der Geist Gottes überstimmt durch propagandistische und verkürzte Informationen. Beleg? Katholische, evangelische, orthodoxe, anglikanische Kirche sowie die vielen Christen weltweit, die sich nicht in diesen Konfessionen wiederfinden. Sie haben vielfach unterschiedliche Ansichten – womit ich nichts Neues sage, aber man darf auch nicht so tun, als würden alle Christen mit einer Stimme sprechen. Eine theologische Elite ist bekanntlich auch nicht davor gefeit, politisch-ideologisch zu denken. Darum benötigen wir unbedingt den freien Diskurs auch in der Kirche.
Ja:
Jeder Amtsträger, jede Amtsträgerin ist an das Ordinationsgelübde gebunden, in dem er oder sie gelobt hat, die Bekenntnisgrundlagen der Kirche zu achten. Dazu gehört die Barmer Theologische Erklärung des Jahres 1934. Sie legt fest, dass es zur Aufgabe der Kirche gehört, an „Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit“ zu erinnern und damit an die Verantwortung von „Regierenden und Regierten“.
Darum ein Zitat aus der Barmer Theologischen Erklärung – dazu nur die erste These und die letzte These – es lohnt sich, sie ganz zu lesen, um zu bemerken, was für eine große Brisanz sie hat, auch für diejenigen, die sich auf sie berufen https://www.ekd.de/Barmer-Theologische-Erklarung-Thesen-11296.htm:
Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.
Die letzte These:
Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.
Man lese einmal diesen Artikel. Es stellen sich Fragen an die Experten, die was anderes dachten als:
Nicht der Sand sei schuld an der Wüstenbildung, es läge vielmehr am geringen Niederschlag, der hohen Bevölkerungsdichte und der unausgewogenen Landwirtschaft. In diesem trockenen Gebiet könnten auch Bäume nicht viel ändern, sie hätten nur eine Überlebenschance von 20 Prozent.
„Ob es sich bei den Diebstahlshandlungen und Raubstraftaten um angemessene Begrüßungshandlungen gegenüber der Bevölkerung handelt, werden die Opfer mit Sicherheit zu verneinen wissen.“
Und was folgt dann? Etwas, das aus meiner Sicht tiefer blicken lässt als dieser oben genannte Grund, der bei manchen einen Aufschrei der Empörung verursacht hatte:
„Die Pressemitteilung erfolgte im Wissen um die einseitige Wahrnehmung der Polizei, welche berufsbedingt fast ausschließlich mit negativen Aspekten des Flüchtlingszustroms befasst ist.
Mit wem hat es also die Polizei fast ausschließlich zu tun?
Medien und Politik schlafen und schlafen und schlafen. Man empört sich über diejenigen, die den Kopf hinhalten müssen. Und dann war Wahl – und sie fallen wieder in Tiefschlaf – nur die Empörer sind Wachhunde, die sofort losbellen, wenn einer sich meldet und nicht Systemkonform formuliert.
Leute, Leute, Ihr lernt nicht dazu. Ihr schreit auf, weil die AfD so viele Stimmen bekommen hat – und tut alles dafür, dass sie noch mehr bekommt, weil Ihr nicht die Realität aussprechen lasst, sondern nur die gewünschte Realität. Und damit gibt es auch keine Problemlösungen, weil Ihr Realitätsverweigerer sie verhindert. Und wer freut sich über Euer Unvermögen? Die AfD. Wahrscheinlich liebt Ihr aber auch die AfD, weil sie Euch so schön Möglichkeiten bietet, Euch zu empören und Euch besser zu fühlen als der – aus Eurer Sicht – Bodensatz (Kretschmann) oder die Arschlöcher (Kahrs) unseres Landes. BuhMänner und BuhFrauen tun gut. Die lassen das eigene Leben so schön sinnvoll erscheinen. Man hat was zu bekämpfen.
„Das Bundesverfassungsgericht muss es aber nicht hinnehmen, an der Erfüllung seiner Aufgaben durch erkennbar missbräuchliche Anträge gehindert zu werden“.
Noch am Wahlabend, auf das AfD-Ergebnis angesprochen, sagte OB Harry Mergel, immerhin 80 Prozent Heilbronner hätten demokratisch gewählt, man werde aber genau hinsehen, wo das AfD-Klientel wohne und welche Möglichkeiten man hier zum Eingreifen habe.
Aber – so frage ich mich – was wäre, wenn Merkel zurücktreten würde, Schulz das Handtuch schmeißt? Wer würde nachrücken? Die SPD hat Probleme mit Nachwuchs – denn es bleiben die Alten, die nur ausgewechselt würden. Vielleicht Maas statt Schulz? Und Schulz ist ja irgendwie schon ein neuer. Merkel – wer sollte an Stelle von Merkel rücken? Ich hätte schon Ideen. Aber: haben sie eine Hausmacht – oder wurde sozusagen die gesamte CDU auf Merkel zugeschnitten?
Merkel ist eher eine, die Verantwortung dadurch übernimmt, dass sie ausbadet, was sie angerichtet hat. Das finde ich nicht schlecht – allerdings setzt das voraus, dass sie es wirklich wieder gut machen will – und nicht einfach ein Weiter so im Blick hat. Ein Umdenken kann ich eher bei der CSU zumindest verbal erkennen. (Warum hat gerade die CSU mit ihrer 200.000 Obergrenze den Wähler brüskiert? Weil die Grenze zu hoch ist. Sie hätte von 10.000 reden sollen.)
Wenn Merkel weiter so macht, dann wird die AfD sich riesig freuen. Man kann Merkel und der CDU nur raten, nicht weiter so zu machen. Sondern wirklich auf einen großen Teil der Bürger einzugehen. Kann sie das noch, weil sie eben auf dem linken Rand die Wähler von der SPD weggefischt hat – die sie nun verlieren würde, wenn sie wieder in die Mitte rückt? Ich denke, die linken Wähler, die von der SPD weggefischt wurden, die werden Merkel wichtiger sein als die abtrünnigen Wähler von der AfD zurückzuholen. Das würde auch die Koalitionsgespräche vereinfachen – indem sie den Grünen entgegen kommt. Vielleicht bekommt sie dann auch die konservativen GrünWähler – und die liegen ihr mehr als die AfDWähler.
Letztlich würde das aber bedeuten: AfD ist im Bundestag etabliert – wie die Linke – und wird dann irgendwann auch Koalitionspartner werden, wie die Linke zumindest von der SPD ins Gespräch gebracht wurde.
Wie neulich schon geschrieben: So sehr ich Kauder schätze, dass er und nicht jemand anderes an die Spitze gewählt wurde, lässt wirklich auf ein „Weiter so“ schließen.
Politik besteht aus der Herstellung anderer Möglichkeiten und, ja, auch aus Ideologie.
Tobias Haberkorn meint nicht rechte Ideologie – er meint linke Ideologie. Aber rechte wie linke Ideologie sind ein Schaden für jegliche Gesellschaft. Linke mögen träumen, dass mit linker Ideologie alles besser werden würde. Gibt es irgendein Beispiel weltweit dafür, dass dieser Traum ohne Schaden bzw. überhaupt realisiert wurde? Aber danach fragen Ideologen nicht. Wenns nicht klappt – dann sind eben die anderen daran Schuld, die man so lange disziplinieren und erziehen muss, bis sie kapieren – oder sich vehement gegen solche Ansinnen wehren.
Es bleibt schon eine Frage an die FDP, ob sie das, was Maas in die Wege geleitet hat, angreifen oder unterstützen wird. Das kann der FDP nicht gefallen – und darum sollte es auch wieder in die Diskussion eingeführt werden. Daran erinnert: https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/goergens-feder/maas-ade/
Ich hoffe, es wird bald wieder die Vernunft einkehren. Gute Politik zeichnet sich dadurch aus, dass Politiker auch in Extremsituationen vernünftig reagieren. Und das kann man im Augenblick nur von wenigen, die öffentlich wahrgenommen werden, sagen.
Manche merken es nie, dass sie die größten Unterstützer ihrer Gegner sind.
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Auch solche Drohungen sind für Demokraten unter aller Kritik. Sorry, aber als Bürger darf man wohl fragen: Was soll das? Nun denn, auch Politiker sind Menschen. Aber welche wählt man?