
3. Trinitarische Ansätze im Neuen Testament
Die ersten Christen waren Juden – und von daher ist es erstaunlich, wie nahe sie Jesus Christus und Gott zueinander bringen konnten: Der Grund dafür liegt in der Auferstehungserfahrung in Verbindung mit dem Selbstbewusstsein Jesu. Anders ist das nicht zu denken. Doch sie haben nicht allgemein gesagt, dass Jesus Gott ist – auch wenn sie in Aussagen Gott – Jesus Christus – Heiliger Geist sehr dicht aneinander rücken konnten: so in 1Kor 8,6. Das jüdische Bekenntnis „Sch´ma Israel“ wird aufgegriffen: Ein Herr, ein Gott“. Paulus nimmt diese Schlüsselwörter und erweitert sie in einem Parallelismus membrorum:
Wir haben einen Gott, den Vater,
von dem alle Dinge sind,
und wir zu ihm,
und einen Herrn, Jesus Christus,
durch den alle Dinge sind
und wir durch ihn.
„Parallelismus“ bedeutet: Satz A wiederholt Satz B mit anderen Worten, gleichzeitig Sinn erweiternd. Erweiternd nicht nur, dass Gott-Vater und Herr Jesus Christus verbunden werden, sondern erst geht es um die Bedeutung für die Schöpfung: Von Gott sind alle Dinge – alle Dinge sind durch Christus; Erlösung / Heil: wir zu ihm – wir durch ihn. Es sei bedacht, dass der 1. Korintherbrief um das Jahr 55 n. Chr. geschrieben wurde, das heißt, das Bekenntnis wird schon ca. 20 Jahre nach Jesu Hinrichtung formuliert.
Bekannt ist vor allem der Taufbefehl im Matthäusevangelium: „Macht zu Jüngern alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (28,19) Es heißt also nicht: Tauft sie auf „die“ Namen – sondern auf „den“ Namen. Damit werden sie auf eine Ebene gerückt. Wir finden im Johannesevangelium den Ausruf des Thomas, als er den auferstandenen Jesus sieht: Mein Herr und mein Gott! (Joh 20,28) – Exegeten verstehen die Aussage noch nicht als Übertragung der Gottesbezeichnung auf Jesus, sondern als ein Bekenntnis, das gegen die römischen Caesaren gesprochen wurde: Nicht diese sind Gott, sondern der Auferstandene. Aber wie dem auch sei, es ist zumindest sehr, sehr doppeldeutig. Ebenso doppeldeutig spricht Paulus: Christus ist aus dem Volk Israel gekommen, der da Gott ist über alles, sei gelobt (Röm 9,5). Es kann also gelesen werden: „Christus, der da Gott ist über alles“ oder: „… Christus. Gott, der über allem ist, sei gelobt“. Es kommt auf das Satzzeichen an. Die Griechen kannten keine Satzzeichen. Die frühe Kirche hat das Verhältnis von Gott – Vater, Sohn, Geist nicht eindeutig logisch geklärt. Wichtig war ihr nicht das Sein Gottes (Ontologische Christologie), wichtig war das Handeln Gottes in Jesus Christus (Funktionale Christologie).
(aus: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/gott/trinitaet-dreieinigkeit/)
Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutzerklaerung/ Und: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/gott/frommer-atheismus/
