Trinität 2

2. Erfahrung der Auferstehung Jesu und Versuche, das Ereignis sprachlich zu verstehen

Sie versuchten dieses wundervolle Handeln Gottes an Jesus von Nazareth mit Hilfe von Hoheitstiteln zu vermitteln. Jesus musste Gott ganz nahe gestanden haben: Er war Gottes Sohn. Wie ein König Gottes Sohn genannt werden konnte – so war auch Jesus Gottes Sohn. Doch bisher hat man noch nicht gehört, dass Könige von den Toten auferstanden sind. Er muss also ein besonderer Sohn Gottes sein. Und es wird in neutestamentlichen Schriften deutlich, dass frühe Christen das auch unterschiedlich verstanden haben.

  1. Paulus spricht mit einem Traditionsstück davon, dass Jesus als Mensch Sohn Davids war und durch die Auferstehung zum Sohn Gottes eingesetzt wurde (Römer 1,4)
  2. Markus zeigt, dass Jesus bei seiner Taufe Gott gehört hat: Du bist mein lieber Sohn (Mk 1,11).
  3. Matthäus sieht den Adressatenkreis der Stimme erweitert: Dies ist mein lieber Sohn (Mt 3,17).
  4. Lukas sieht die Verheißung der Sohnschaft Jesu seit der Geburt gegeben. Der Engel spricht zu Maria: Dein Sohn „wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben“ (Lk 1,32).
  5. Johannes bekennt: „Niemand hat Gott je gesehen; der Einziggeborene (Gott), der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“ (Joh 1,18).

Das bedeutet, dass die frühe Gemeinde kein einheitliches Bild liefert, dass sie versuchte zu verstehen, warum Jesus von den Toten auferstanden ist, und versuchte zu verstehen, was das alles eigentlich bedeutet. Es wird schon deutlich, dass Jesus weitere Hoheitstitel bekommen konnte: Wenn Jesus auferstanden ist, dann muss er ja eine Funktion haben – und sein Wirken wurde mit der Gabe des Heiligen Geistes täglich erfahren. Er hat Menschen Mut gegeben, er hat sie beauftragt, er hat sie durch alle möglichen Nöte hindurch geführt. Diese Erfahrung – verbunden mit der meines Erachtens tatsächlichen Nachkommenschaft Jesu von David – führte dazu, dass man verstand: Gott herrscht durch Jesus Christus, er sitzt als Sohn Davids (als Nachkomme des großen Königs) auf dem Welten-Thron. Nicht nur das, sondern er ist nicht erst geworden – sondern er war schon Gottes vor seiner Geburt. Er war bei Gott („Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“ – Joh 1,1); er war vor aller Zeit, präexistent, er war Schöpfungsmittler (1. Kor 8,6; Kolosser 1,16; Joh 1). Weil Gott in Jesus seine Liebe gezeigt hat, kann auch die Schöpfung nicht nur Chaos sein, sondern ist aus der Liebe Gottes heraus entstanden. Und weil das Gesetz, die Sünde, der Tod herrschen, hat Gott in seiner Liebe Jesus Christus gesandt – bzw. ist Gott in Jesus Christus auf die Erde gekommen – um den Menschen seine Liebe zu zeigen (Philipperbrief 2). Er wird wiederkommen – das heißt, Gott wird in Jesus Christus sein Reich, seine gute Herrschaft errichten. Jesus nannte sich Menschensohn – meinte er damit, er sei Mensch? Spielte er damit auf den im Buch des Propheten Daniel von Gott gesandten Menschensohn, der Gottes Recht auf der Erde durchsetzen soll (Dan 7,13), an? Ist er der kommende Menschensohn? Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall hat diese Aussage auch Auswirkungen auf das Jesus-Bild der Gemeinde: Er wird wiederkommen, um Gottes Herrschaft am Ende der Tage durchzusetzen (1Thess 4,16).

Wenn dem so ist, was bedeutet das dann für die Vorstellung der Menschen von Gott? Gott war nie ein in sich einsames Wesen, sondern in sich selbst schon Liebe und Gemeinschaft.

(aus: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/gott/trinitaet-dreieinigkeit/)

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