Maler 106: Lawrence Alma-Tadema

Der niederländische Maler Lawrence Alma-Tadema (1836-1912) malte biblische Motive, so das traditionell beliebte Motiv: Maria Magdalena, er malt Gewalttaten gegen Mönche, möglicherweise eine Aufnahme der Gewalttaten Napoleons gegen die christlichen Traditionen.

Er hat spannende Bilder, so: The Inundation of the Biesbosch in 1421 Da geht es um eine Überschwemmung von 1421. Der Legende nach fand die Bevölkerung ein schlafendes Kindchen im Bett, das, so der Maler, auf dem wilden Meereswasser treibt. Die Katze soll auf dem Bett so herumgesprungen sein, dass das Bett nicht unterging. Das Bild zeigt das schlafende Kindchen hell erleuchtet, eine gegen das stürmische Wasser anfauchende Katze. Die Ruhe im Sturm einerseits – der kluge Kampf gegen den Sturm andererseits.

Oder das Bild Venantius Fortunatus liest seine Gedicht vor Radegunde VI. Alles spielt im 6. Jahrhundert: Radegunde war Königstochter aus Thüringen. Sie wurde vom Frankenherrscher entführt. ihr Bruder wurde getötet. Sie wurde dann an der Seite des des Frankenkönigs Clothar I. die Königin. Sie verließ das Leben am Hof und wurde Ordensfrau, und später wegen ihrer sozialen Wirksamkeit als Heilige verehrt. Das Bild zeigt das ruhige Leben nach all dem Lebenschaos. Zu dem berühmten Christen Venantius Fortunatus s.: https://gedichte.wolfgangfenske.de/3-6-jh-2/: Was zählt? Nicht Reichtum, nicht das Leben am Hof, sondern das Leben im Geist der Kunst und dem Geist Gottes. Dichter und Dichtkunst sind häufiger Thema.

Er malte so manche biblische Geschichte, aber auch kirchengeschichtliche Themen, so Die Bekehrung der Paula durch St. Hieronymus, so heißt es. Auch ein spannendes Bild, das eine Szene aus dem 4. Jahrhundert wiedergeben soll. Paula und Hieronymus sitzen in einer Mittelmeer-Atmosphäre und unterhalten sich über ein Leben wendendes Thema. Das Bild zeigt Paula, die ihr Gesicht dem Betrachter zuwendet, mit einer Hand an ihrer Halskette spielt und auf dem Bachus-Fell sitzt; und es zeigt Hieronymus, der mit der linken Hand nach oben (zu Gott) weist. Dramatik in der Ruhe. Ist sie schon bekehrt? Überlegt sie noch? Will sie den Betrachter in ihre Überlegung einbeziehen? Kontrastiv wird auf ihrer Seite der Luxus dargestellt, auf der Seite des frommen Hieronyms Einfachheit. Das heißt: Bekehrung würde auch bedeuten, den Luxus zu verlassen. In der Realität hat sie sich für die Botschaft des Hieronymus entschieden und ihren Besitz für die Verbreitung des Evangeliums eingesetzt.

Er hat zahlreiche sehr dramatische Bilder gemalt. Zudem viele, die das alte üppige Rom oder das alte Ägypten thematisieren. So zum Beispiel Catull und seine Lesbia. Häufig malt er auch Kunst in der Kunst: Skulpturen, Kunst der Kürschner, Gemälde, Wandmalereien, Mosaiken, Marmor, Fußbodenbeläge, Architektur, Kleidung, Blumenarrangements. Soweit ich sehe, liegt ein besonderes Interesse des Malers darin, in seinen Gemälden andere Kunstwerke zu Ehren kommen zu lassen.

Und diese kunstvollen Hintergründe dienen manchmal dazu, eine Geschichte zu erzählen, wie die der jungen Frau, die mit einem Blumenstrauß zu ihrem Vater geht und nicht weiß, ob er ihre Verbindung zu einem Mann zustimmt oder nicht. Der Hintergrund des Bildes „Zwischen Hoffnung und Furcht“ zeigt ein Sexualität betontes Wandgemälde. Wenn ich mich so an alte römische Texte erinnere, waren sie so selten nicht – spannend nun, dass der Maler in den Vordergrund seines Gemäldes nicht die sexualisierte Kunst stellt, sondern die Verliebtheit, die Hoffnung, die schüchterne Verletzlichkeit, die vom Vater bestimmte Tradition, also Kontrast: Sexualität – und Liebe, Kultur / Moral. Es geht um ihre Gefühle, nicht um die Reduktion auf Sexualität, um eine sexualisierte Gesellschaft (nicht unbedingt gemünzt auf die Antike, vielleicht auch mit Blick auf die Zeit des Malers, in der das Thema virulent war). Wer den Körper zur Schau stellt, kann den inneren Menschen übersehen.

Grausam ist das Ereignis, das er mit den Rosen des Elagabal wiedergibt. Der laut römischer Geschichtsschreibung dekadente Kaiser aus dem 3. Jahrhundert, syrisch-arabischer Abstammung, degradierte die traditionell angesehenen römischen Familien und wollte die Römer zu eine orientalische Religion zwingen. Er hatte wohl auch seine Freude daran, Menschen zu vernichten. Das nicht einfach so, sondern indem er sie unter Massen von Blumen ersticken ließ und dabei zuschaute. Der Maler gibt das mit seinem schönen Rosenbild wieder – was eben diesen Kontrast zeigt: unter Schönheit begraben, unter Schönheit erstickt. Elagabal wurde im Alter von 18 Jahren ermordet. Nur so am Rande.

So manches Gemälde lässt erkennen, dass er seine eigene Zeit in die Antike hineinprojizierte, so auch dann wenn es um Alltagssituationen geht. So in dem Bild: „Her Eyes are with Her Thoughts and They are Far Away“. Verbunden mit der Antike konnte er auch das hellere Mittelmeerlicht in seinen Bildern aufnehmen, anstatt des düstereren Lichts Mitteleuropas. Und das Licht beeinflusst die Menschen: es ist träumerischer, gemütlicher, es ist geprägt von Ruhe, auch wenn Bilder gemalt werden, die lebhafte Geschichten erzählen.

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Zu anderen von mir vorgestellten Malern und Bildern: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/05/17/malerinnen-und-maler/ Es sei gesagt: ich bin kein Kenner der jeweiligen vorgestellten Künstlern. Ich beschreibe, was ich sehe, denke.

Zu dem Maler: https://de.wikipedia.org/wiki/Lawrence_Alma-Tadema und: https://en.wikipedia.org/wiki/Lawrence_Alma-Tadema