Wahrheit

Die Formulierung „theologia viatorum“ wurde durch Thomas von Aquin (1225-1274) geprägt. Der Mensch ist ein Wanderer, er ist ein Pilger auf dem Weg durch die Zeit hin zur Wahrheit. Unser theologisches Wissen bleibt immer nur Fragment, Mosaiksteinchen. Die Vollendung wird bei Gott und durch Gott geschehen (vgl. 1. Korintherbrief 13,12).

Dass wir auf dem Weg sind, das gilt für den einzelnen Glaubenden wie für die Kirche insgesamt. Die Kirche besteht aus dem „wandernden Gottesvolk“ (Hebräerbrief 4).

In der Apostelgeschichte wird auch deutlich, dass sich die frühe Gemeinde als der „Weg“ bezeichnet hat. Gemeinde ist dynamisch.

„Der Weg“ wird mit Jesus Christus selbst verknüpft in Johannes 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Mit den Begriffen „Weg“ und „Leben“ ist Dynamik, Bewegung verbunden. Ebenso ist „Wahrheit“ eine Größe, die erschlossen wird aufgrund der Beziehung zu Jesus Christus. Verbunden mit Jesus Christus bedeutet Wahrheit nicht „Besitz“, man kann keine Person besitzen, geschweige denn Gott.

„Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben bedeutet: Glaubende sind mit ihm, dem Lebendigen, der Leben schenkt, auf dem Weg, ihn zu erschließen. Ebenso auch andere „Ich-bin“ Worte Jesu. Wenn er die Tür ist, dann heißt das nicht, dass Christen schon durch die Tür gegangen sind, sie sind auf dem Weg durch diese Tür, die einzige Tür, die zu Gott führt. Es sind immer Beziehungsbegriffe. Das heißt nicht einfach: Weg, Wahrheit, Leben, Tür – sondern immer bezogen auf Jesus Christus. Von daher gibt es für Glaubende keine anderen zum Ziel führenden Wege.