
Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das in den Gottesdiensten gesprochen wird, ist nicht die zentrale Glaubensaussage der Christen. Jesus Christus ist Herr – das Wort aus dem Römerbrief würde ich als zentrale Glaubensaussage bezeichnen. Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist äußerst wichtig, aber eben im Rahmen der Bekenntnisse. Es fehlen in ihm zum Beispiel wesentliche Aussagen der Lehre Jesu. Es gibt Eckdaten wieder. Diese Eckdaten sind zu füllen – und sie werden je nach Zeit von Glaubenden gefüllt. Auch dieses Glaubensbekenntnis ist wie andere Folge einer Auseinandersetzung innerhalb der Kirche / der Christen – und führt auch notgedrungener Weise zu Auseinandersetzungen, weil die Zeiten, die Weltbilder, die Vorstellungen sich ändern. Die Frage ist dann, wer findet Antworten, die tragbar sind, um den Glauben der „Väter“ mit dem Glauben der jeweiligen Gegenwart zu verbinden. Dieser Prozess findet ständig statt. Darauf müssen Christen allerdings beharren, dass der Glaube der Vorfahren mit berücksichtigt wird, da die Gemeinde Christi nicht nur eine der jetzt Lebenden ist, sondern auch die vorangegangenen Generationen Glaubender umfasst. Gemeinde = Leib Christi aus den Generationen der Vorfahren – der kommenden Generationen und der gegenwärtigen Generationen. Und das: weltweit.
Die Gegenwartsgeneration zu glorifizieren, ihre momentanen Sichtweisen, das entspricht nicht dem christlichen Glauben, das wäre eher sektiererisch. Aber dieses Spektrum theologisch so zu durchdringen, dass der Glaube noch in der Gegenwart rezipiert werden kann, das ist eine Kunst, die nur eng mit der Beziehung zu Gott in Jesus Christus durch den Heiligen Geist zu bewältigen ist. Nicht durch einfache Maßstäbe, die die jeweilige Gegenwart vorgibt.
Zudem kennen wir auch die Aussage, dass Menschen im Glauben wachsen. Ich habe vor ein paar Jahren auch anders geglaubt – und hoffe, dass ich im Glauben gewachsen bin – und nicht verkümmert. Das mag Gott beurteilen. Das bedeutet aber auch, dass der Mensch im Glauben Phasen durchmacht:
→ er glaubt alles
→ er reflektiert
→ er bezweifelt
→ er durchdringt alles auf einer intensiveren Ebene des Verstandes
→ er gelangt zu weiterführenden Schlussfolgerungen, die dann manchmal wieder zu einer tiefen Frömmigkeit zurückführen können, die evtl. manches, das bezweifelt wurde, wieder neu durchdacht aufgreifen.
Von daher: Der Zweifel an dieser oder jener Aussage des Glaubensbekenntnisses sagt nichts aus. Darum gibt es ja auch die Gemeinde, die das Glaubensbekenntnis spricht: Sie spricht für mich mit, trägt mich, wenn ich selbst das eine oder andere nicht guten Gewissens oder leichthin aussprechen mag.
Die Kritik am Glaubensbekenntnis, das Missverstehen des Glaubensbekenntnisses rührt auch daher, dass dieses Bekenntnis zu einem von Gemeinde losgelöstes Individualbekenntnis gemacht wird. Es ist Individualbekenntnis – aber als Teil der weltweiten Gemeinde – der Gemeinde durch die Zeiten hindurch.
Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutzerklaerung/ Und: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/kirche/diakonie-caritas-geschichte/
