Maler 82: Jessie Marion King

Jessie Marion King (1875-1949) illustrierte Bücher, malte Bilder im Stil des Jugendstils (Glasgow Style). Ihre Bilder lassen die Welt wie aus der Perspektive von Feen erscheinen. So kann wohl gesagt werden, denn sie glaubte an deren Existenz. Feenhaft sind die Menschenfiguren, blumig und sternhaft das Umfeld. Sie bildete die Welt nicht naturalistisch ab, sondern verwandelte sie in ihre poetische Bildwelt. Sie malte, was sie sich an Welten erdachte. Sie arbeitete mit Porzellan, entwarf Schmuck und arbeitete Stoffen.

Vielleicht kann das so zusammengefasst werden: Sie versuchte auf ihre Art und Weise, die Welt schöner zu machen. Es ist ein zarter Stil, der das Blatt durchscheinen lässt dadurch, dass sie mit dünnen Strichen ihr „inneres Bild“ zu Papier brachte. Manchmal ganz symmetrisch, manchmal in angenehmen Rundungen. Diese Bilder illustrieren vielfach texte, die sie in die Bilder integriert hat. Und so ist erstaunlich anhand der vorliegenden Bilder zu sehen, dass die furchtbaren Kriege in ihrem Leben, dass die grausamen Taten nicht in diesen Bildern unmittelbaren Eingang gefunden haben oder verarbeitet wurden. Zumindest kann ich das nicht erkennen. Vielleicht bietet das eines der Bilder, auf denen drei Kinder in schönerem Umfeld zu sehen sind, rechts davon eine himmlische und Zwischenwesenfiguren, und links im graueren Hintergrund sieht es aus, als seien Häuser bzw. Türme zerfallen – sind die Kinder aus diesem Bereich geflohen? Unter dem Bild steht allerdings: The sea voices. Im Grunde aber bleibt: Sie bildete eine Art heile Welt als Gegenpol zu den Grausamkeiten ihrer Zeit. Mit ihrer Kunst bietet sie einen Gegenentwurf zur Welt, die andere den Menschen bieten. Ist das Weltflucht – oder eine andere Wirklichkeit: Wir könnten auch anders leben. Grausamkeiten sind Auswüchse, die nicht dominant werden dürfen über das Denken der Menschen.

Sie bekam viele Preise, auch für das Cover für das Buch: L’Evangile de L’Enfance. Die Urkunde wurde auf „Signor Jessie Mario King“ statt Signora, weil ein Preis, wie es bei Wikipedia heißt, für eine „Signora“ nicht vorgesehen war. Das Bild zeigt vier weibliche Wesen, die sich rechts und links kniend oder stehend neben einer zentralen Figur befinden. Die zentrale Figur dürfte ein weiblich dargestellter Jesus sein (denn es geht ja um die Apokryphen Kindheitsgeschichten), der die Wesen in einer Art Mantel bzw. in der Aureole umfängt. Auf dem Bild ist mehr zu sehen, ein filigranes Netz aus feinen Bändern, aber das sei nur genannt, um den Stil wiederzugeben, in dem die Tochter eines Pfarrers hier ihre Sicht wiedergibt.

Viele ihrer Bilder zeigen Elemente christlicher Ikonografie, ein Engel mit Trompete). Das Lamm mit dem Kreuz – das rehartige Siegeslamm. Fast (?) alle Figuren sind von Heiligenscheinen umgeben – die vermutlich zeigen sollen, dass hier eine andere Welt gezeigt wird. Spannend ist auch, wie sie die Geschichte vom heiligen Gral (1903) künstlerisch verarbeitet. Die „Damsel“ als Mittlerin zwischen einer höheren Welt – als Teil der mittelalterlichen christlichen Symbolik.

Auch hier sei angemerkt: Ich bin kein Kunsthistoriker, ich beschreibe lediglich meine Eindrücke beim Betrachten der Werke, die das eine oder andere Video mir gibt.

Informationen aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jessie_Marion_King

In dieser Zusammenstellung sind auch Häuser, Burgen und Brücken zu sehen: