Elizabeth Adela Forbes (1859-1912), eine kanadische Malerin, lebte und arbeitete in Frankreich und Großbritannien. Lange Zeit war sie Mitglied in der Künstlerkolonie, die sich Newlyn School nannte.
In ihren Bildern sehen wir einmal, dass auch Jungs und Männer ein Buch in der Hand haben, während eine Jugendliche eine Zeitschrift anschaut. Menschen bei der Arbeit, Kinder beim Spielen und Beerenpflücken, in der Pfütze, ein Junge mit einem Korb trägt behutsam einen weißen Hasen, Landschaften, Frauen beim Tanzen mit wundervollen Gewändern – draußen, nicht im Salon oder so. Eine genießende Frau, schön gekleidet, im wehenden Frühlingswald – mit einer Schürze voller gelber Blumen (Narzissen?). Modemäßig ist einiges zu erkennen, so dass die Mädchen eine Art Überkleider haben und viele tragen Kopfbedeckungen.
Es sind reizvolle Bilder. Reizend auch das Bild: Die Schule ist aus. 13 Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Alters – es sieht so aus, als würden zwei Lehrkräfte da sein – und nur drei Jungs, zwei von ihnen verlassen den Raum, einer sitzt auf der Bank und weint, während ein Mädchen Bücher vom Boden aufhebt. Was ist passiert? Für Lehrerinnen und Lehrer ein Bild einer traumhaften Schule.
Manche Bilder scheinen alte Geschichten, vielleicht Märchen zu illustrieren.
Das Leben der Landbevölkerung ist Thema ihrer Gemälde, allerdings einer Landbevölkerung, die zumindest angesichts der oben im Video gesammelten Werke doch sehr idealisiert gemalt wurde. Oder anders gesagt: Das alltägliche Landleben wurde dargestellt und zeigt ihr Leben eher als Poesie als als Realität. Es sieht so aus, als würde sie in diesen Bildern ihre Sehnsucht nach einer anderen Zeit verarbeiten. Diese Sehnsucht teilten viele ihrer reicheren Zeitgenossen, denn sie konnte ihre Bilder sehr gut verkaufen.
Zu Mary Cassatt hatte ich geschrieben:
Sie konnte übrigens von ihren Gemälden, anders als viele andere Malerinnen und Maler, gut leben. Das kann ein Indiz dafür sein, dass sie so viele dieser Bilder gemalt hat – oder umgekehrt: Sie traf einen Nerv ihrer Zeit: die moderne Frau als Mutter. Das Kind als eigenständige Persönlichkeit. Familiäre Erinnerung und Wärme, Geborgenheit. Die neubürgerliche Schicht wollte vermutlich schöne Bilder, die ihre Zeit widerspiegelt – im modernen Kunststil der Zeit.
Das kann, wenn ich die Bilder ansehe, auch zu den Bildern von Elizabeth Forbes gesagt werden, auch wenn sie einen anderen Malstil entwickelt hat, stärker die Natur einbindet. Es ist im Grunde ein heiteres Familienleben – wobei sich die Frage stellt: Wo sind die Männer? Die Männer waren in ihrer Gegend, in Newlyn, wohl vielfach auf See, beim Fischfang. Die männliche Macht und Arbeitsstruktur wird weggelassen und sie konzentriert sich auf die Welt der Frauen und Kinder. In diesem Kontext sind auch die beiden Bilder interessant: der Bauer, der mit Hacke geschultert aufs Feld geht und der Jugendliche, der mit Hacke geschultert und einem Brotbeutel auch aufs Feld geht, oder gar in die Fremde? Das heißt: Hier bricht dann doch die reale Welt in die poetische Ideal-Welt ein. Das lässt sich auch von dem Bild „The Zandvoort Fishergirl“ sagen. Auf diesem Bild trägt eine junge Frau eine Schale mit Fischen, in schlichter Arbeitskleidung. Ihr helles Gesicht schaut direkt mit den dunklen Augen den Betrachter ernst an. Ich meine den Geruch der Fische wahrzunehmen – durch das gesamte Bild wird die schwere der Arbeit deutlich.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Elizabeth_Adela_Forbes ; zu meinem Mary Cassatt-Text: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/07/28/maler-80-mary-cassatt/
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