Fast alle Gemälde von Georgia O´Keeffe, die hier vorgestellt werden, haben sehr weiche Formen. Es ist vielfach erkennbar, was sie mit ihren Bildern malt, auch wenn sie nur weit ausgebreitete Farbflächen und vereinfachte Formen beinhalten. Wüstengebiete, Sandberge mit Fluss – aber eben: Ockerflächen mit blauem Streifen – , schwarzer Vogel aus wenigen Flächen gemalt, vor blauem Himmel, Wolkengebilde, Ausschnitte aus dem Reich der Blumen, oder sie verfremdend in beeindruckenden Farbspielen. Assoziationen der Malerin beim Betrachten von Pflanzen werden wiedergegeben, zumindest ist das der Eindruck des Betrachters. Hinzukommen Pflanzen-Ausschnitte, die mit weiblichen Körperteilen Ähnlichkeiten haben, eben auch sie stark farblich dargestellt. (Angeblich wollte sie diese Assoziationen nicht. Nun denn. Die Auswahl der Motive kann diese Assoziationen aber fördern.
Jeder Maler, jeder Fotograf wählt aus einem immens großen Bereich einen kleinen Ausschnitt aus. Sie verkleinert auf vielen Bildern diesen Ausschnitt soweit, dass der ursprüngliche Ideengeber, das Motiv kaum, mehr erkennbar wird. Dadurch rücken Farben, Linien, Formen stärker in den Mittelpunkt als das eigentliche Motiv (1).
Immer wieder finden wir auch andere Motive, so ein paar Städte, Häuser, ein paar Tierschädel, deren Formen nicht weich, sondern die Konturen sind eckig, spitz. Gemeinsam mit den anderen Werken haben sie den spannenden Bildausschnitt. – aber immer spannende Ausschnitte. Bäume zeigen bei ihr weiche Rundungen als auch spitze, kantige Strukturen, wie Bäume so sind: runde Stämme, Aste, Zweige – die aber spitz zulaufen. Nur hier wieder mit der besonderen Handschrift von O´Keeffe gemalt.
Sie greift sehr schöne Motive auf – es gibt kaum Schöneres als Blumen. Aber ich habe nicht den Eindruck, als würde sie ihr Wesen durchdringen wollen, sondern die Welt schöner, farbiger, vielfältiger runder, weicher darstellen, als sie ist.
Nachdenkenswert finde ich, dass sie angeblich die Menschen der Stadt auf die Schönheit der Natur hinweisen wollte. Aber auch hier: Was denken Menschen der Stadt, die keine Blumen kennen, wenn sie dann die Bilder der Malerin sehen – und in die Natur gehen? Und dann? Dann, sagen wir, ein kleines Veilchen wahrnehmen… Und so erschafft sie sich ihre eigene Welt – vielleicht nicht nur, um dem Geheimnis der Natur auf die Spuren zu kommen, sondern auch dem eigenen.
*
(1) So stelle ich mir das vor – Beispiel aus meinen Fotos – :

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutzerklaerung/ Und: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/sprache-des-glaubens-geschichte/
