Dieser Maler Jean Auguste Dominique Ingres (1780-1867) ist faszinierend. Er ist vielfältig, kaum einzuordnen. Deutlich wird in der nachrevolutionären Zeit, dass es die Tendenz gab, der christlichen Religion wieder Raum zu geben. Nach dem Kampf gegen den christlichen Glauben und die Kirche als Institution durch die Französischen Revolutionäre hat sich der Künstler mit seinen Zeitgenossen wieder auf die Zeit der Religion besonnen. Nach dem Chaos – wieder das Feste, Stabile, dem Leben Halt Gebenden, also Rückbesinnung auf Religion aus politischen Gründen. Und so strahlen die religiösen Bilder auch eine große Ruhe aus. Aber bei Ingres handelt es sich nicht nur um politische Instrumentalisierung, sondern auch um künstlerische Ehrerbietung, in der Tradition Raphaels – der Glauben mit Schönheit verbunden hatte. Anders verhält es sich mit den Gemälden, die biblische Geschichten wiedergeben. Sie wirken ein wenig „gestellt“ – was aber, wie gleich zu sehen sein wird – an Situationsprotokolle erinnert.
Im Vergleich zu den aristokratischen Porträts von van Dyck (den ich gestern vorgestellt habe) sind die Porträts von Ingres zum Teil voller Lebendigkeit. Damit dürfte er den Geschmack seiner Zeit getroffen haben. Auch hier spielt die Kleidung eine große Rolle, das ist vermutlich für Künstler nicht einfach zu malen, mit den Schattierungen usw. ist von daher auch Ausweis seiner Fähigkeiten. Ähnlich anspruchsvoll wie die Darstellung der Gewänder ist die Darstellung eines Gesichts. Auch die Gesichter, die Ingres malt, sind ausdrucksvoll.
Er zeichnet sich auch als Historienmaler aus. Die Herrscher und Staatsdarstellungen usw. sind insofern vermutlich (nur meine Empfindung) bunt, aber etwas starr, weil es sich um formale Angelegenheiten handelt, so eine Art Bild-Protokoll, denn Fotos gab es ja noch nicht. Wer ist anwesend, wer steht, wer sitzt an welchem Platz? Weiter weg vom Herrscher, näher dran…? Welche Symbole der Macht werden gezeigt. Die Gemälde geben eine Inszenierungen der Macht wieder. Es ist der Moment, in dem auch in Frankreich dieser Zeit der Herrscher wieder die gottgegebene Ordnung repräsentiert. Das ist aber eher noch Relikt der alten Zeit, um Stabilität und Ordnung zu signalisieren.
Faszinierend finde ich die Nachbildungen von Fresken, die aufgrund von Studien in Italien entstanden sind, denn er versucht das Poröse des Putzes farblich darzustellen. Zudem malt er viele Aktbilder.
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