Thomas Coram (1668-1751)

Quellen: https://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Coram und: https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Coram Zu der Reihe: Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/01/03/menschen-die-sich-nicht-unterkriegen-liessen/

In meiner Beschäftigung mit Menschen, die sich nicht unterkriegen ließen, stieß ich auf Thomas Coram. Sein Vater war wohl Kapitän, sodass Thomas mit 11 Jahren zur See ging, auf dem Schiff eine Schulausbildung bekam. Seine Mutter war schon 1671 gestorben. In den USA gründete er eine Werft. 1700 heiratete er Eunice Waite. 1703 wollte er eine Schule stiften, wenn die Bevölkerung eine anglikanische Kirche wünschen sollte. Es ging ihm darum, das Gebiet an die Anglikanische Kirche anzubinden, damit auch darum, die christlichen Werte zu verbreiten. Soweit ich mitbekommen habe, blieb es bei diesem Versuch. Er stiftete der Bibliothek Bücher, wovon ein Gebetsbuch heute noch vorhanden ist. Coram war Mitglied der Society for Promoting Christian Knowledge (SPCK), das heißt es geht darum, dass Menschen nicht nur Nahrung benötigen, sondern auch eine christliche Erziehung, Bildung. Ein Kind, das gelernt hat, die Bibel zu lesen, wird Bürger, nicht Krimineller. Die SPCK (1698 gegründet) versorgte Menschen in sämtlichen Kolonien mit Büchern und ist bis heute ein wichtiger Verlag. (Vgl. Bertelsmann – heute Bertelsmann/Random House – in Deutschland 1835 hatte auch einen pietistischen Hintergrund. Auch eine spannende Geschichte.)

Als er 36 Jahre alt war ging er zurück nach London, wirkte als Geschäftsmann, war Kapitän auf einem Handelsschiff. Vor Cuxhaven strandete sein Schiff, was dann geplündert wurde. Er war politisch engagiert, sowohl mit Blick auf Kolonien Deutschlands und den Niederlanden und Georgia/USA. Er war sozial engagieret, so darin, arbeitslose Handwerker in Kanada anzusiedeln. Der Gründer der SPCK, Thomas Bray, hat mit Coram soziale Verbesserungen in Teilen der USA geplant.

Seine Reisen führten ihn immer wieder nach London, und so war er entsetzt darüber, dass Säuglinge auf Straßen ausgesetzt waren und starben. Den Kindern wurde nicht geholfen, weil man dachte, dass Almosen im Grunde keine Wirkung haben würden. Er selbst sah sich außerstande, das Problem allein bewältigen zu können. 17 Jahre setzte er sich dafür ein, dass ein Krankenhaus für solche Säuglinge mit einem Waisenhaus gegründet wird. Ebenso war es für arme Mütter gedacht, die ihr Kind nicht versorgen konnten. Er hat viele Frauen höheren Standes dazu gebracht, sich dafür einzusetzen. Damit wurde die erste gemeinnützige Wohltätigkeitsstiftung der Welt gegründet, wie es im dt. Wikipedia heißt. Er sah es als christliche Pflicht an, den Unschuldigsten der Unschuldigen zu helfen, sie zu vernachlässigen sei Sünde, die von Gott gerichtet werden würde. Der Einsatz für die Kinder ist Auftrag Gottes zum Wohl des Landes. 1739 wurde es vom König genehmigt, es wurde Geld gesammelt und schließlich wurden auch Häuser gekauft, gemietet bzw. gebaut. 1745 war ein Teil des Krankenhauses gebaut worden. Auf die Kapelle wurde auch sehr viel Wert gelegt, da sie in ihr Gottes Nähe spüren können, spüren können, dass sie vor Gott wertvoll sind, auch wenn Menschen sie ausstoßen. Der Maler, Karikaturist und Schriftsteller William Hoghart setzte sich mit dafür ein, wie auch der Komponist Händel. Hoghart malte unter anderem ein Porträt von Coram, stiftete Gemälde, sodass das Krankenhaus die erste Galerie wurde, die öffentlich zugänglich war. Händel stiftete eine Aufführung des Messias und ein Manuskript des Halleluja-Chores. Eine Hymne, die er komponierte, heißt: Foundling Hospital Anthem. Wohlhabende Bürger kamen, um Konzerte zu hören und spendeten entsprechend. Benjamin West malte das Altarbild: Lasset die Kinder zu mir kommen. Coram selbst wurde, warum ist nicht bekannt, aus der Leitung des Krankenhauses ausgeschlossen. 1756 hat man das Haus für alle Kinder Großbritanniens geöffnet, was dazu führte, dass es von Kindern überschwemmt wurde und 1000e starben.

In späteren Jahren setzte er sich für die Bildung von Mädchen, insbesondere indigener Mädchen in den USA ein, da eine tugendhafte Erziehung zu guten Müttern führen würde und gute Mütter wieder tugendhafte Mädchen erziehen würden. Das wäre für die Allgemeinheit wichtig. Vor allem würden die Mütter eben auch die Jungen erziehen. Das gilt sowohl für die indigene Bevölkerung als auch für die Menschen in Großbritannien. In dem Krankenhaus wurden auch Mädchen ausgebildet. Er war zwar nicht mehr in Amerika, aber er wollte sich um die Finanzierung kümmern. Hieran wird auch erkennbar, warum er in der SPCK engagiert war, weil durch sie auch Bücher indigene Mädchen erreichten. Er betreute auch juristisch und finanziell zwei Männer aus einem indigenen Stamm, die sich beim König über Landraub beschweren wollten. (Auch eine interessante Geschichte. Der indigene Bote Mamohet Weyonomon starb an Pocken in London, durfte aber als Heide nicht im Stadtgebiet beerdigt werden, wurde dann bei der St. Mary´s Church begraben.)

Im Alter verarmte Coram, nachdem seine Frau gestorben war. Er meinte, er schäme sich nicht, arm zu sein, weil er sein Geld nie verschwendet habe. Er bekam dann eine jährliche Rente.

Coram wird als aufbrausender Mensch dargestellt, der ehrlich und von großer Herzensgüte gewesen sei. Die Wikipedia-Artikel sprechen von ihm als einem Philanthropen, übergehen dabei jedoch die Wurzel seiner Menschenfreundlichkeit. Ihm war der christliche Glaube sehr wichtig. Neben dem, was oben geschrieben wurde, war er ein heftiger Streiter gegen kirchliche Obrigkeit, die mehr Angst vor Unzucht in dem Kinderkrankenhaus/Waisenhaus haben würden als den Willen, sich für die Kinder einzusetzen. Sie hätte kein Mitleid, was unchristlich sei.