Amy Carmichael (1867-1951)

Infos aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Amy_Carmichael

Die Familie von Amy Carmichael war eine fromme presbyterianische Familie. Die Familie zog nach Belfast, ihr Vater starb, als sie 18 Jahre alt war. Sie sammelte in Belfast Shawlies – das sind Arbeitermädchen und -frauen, die Schals an Stelle von Hüten trugen – für die Sonntagsschule. Diese Menschen waren verachtet, standen am Rand der Gesellschaft, und wurden durch das Evangelium, die frohe Botschaft, ernst genommen, aufgerichtet. Die Arbeit wuchs so stark an, dass sie bald 500 Mädchen und Frauen zu betreuen hatten und dafür zog sie aus dem Gemeindesaal einer Kirche aus und bezog eine Halle. Das Geld kam von Spendern. Sie wurde nach Manchester gebeten, um dort unter den Arbeiterinnen zu wirken.

Sie war jedoch ständig krank, litt an einer Nervenerkrankung, war Wochenlang bettlägerig, hatte ständig Schmerzen.

1887 hörte sie den berühmten Hudson Taylor, den China Missionar, über die ChinaMission sprechen und wollte Missionarin in China werden. Aber wegen ihrer Krankheit sah man sie als unfähig dazu an.

Sie trat der Church Missionary Society bei, ging im Alter von 24 Jahren nach Japan, Sri Lanka und dann nach Indien – dort wollte sie sich von Strapazen und Krankheit erholen. (Es gibt an dieser Stelle unterschiedliche Überlieferungen: eine sagt, sie sei erst nach England zurück gegangen und dann nach Indien, um mit einem Wanderprediger zu arbeiten.) In Indien blieb sie, denn Gott, davon war sie fest überzeugt, hat sie nach Indien berufen. Sie kümmerte sich auch hier vor allem um Mädchen. Mädchen, die schon als 5jährige von den Eltern Hindu-Tempeln – den Göttern – zur Verfügung gestellt wurden, die (später ?) als Tempelprostituierte für die Priester Geld eintreiben mussten. Sie waren „Tempeltänzerinnen“ – Devadasi – und wie ein Wikipedia-Artikel beschreibt, waren sie „relativ privilegiert“. Ihre Engagement für diese Mädchen begann, als ein Mädchen, Preena, das zu dem Dienst gezwungen wurde, zu ihr geflohen war und sie ihr Unterschlupf bot. Sie konnte manche Kinder davor retten, gründete eine Organisation, in der über 1000 Kinder Zuflucht gefunden haben (Dohnavur-Gemeinschaft). 1948 wurde Tempelprostitution in Indien verboten.

Ich vermute, dass ihre häufig zitierte Antwort auf die Frage: „Wie ist das Leben als Missionarin“: „Das Leben einer Missionarin ist einfach eine Gelegenheit zu sterben“ in dem Sinn zu verstehen ist, dass sie mit ihrer Arbeit vermutlich so manchen Zorn auf sich geladen hat. Einmal den Zorn der Familien, die ihre Töchter ehrten, indem sie sie den Göttern opferten und den Tempelpriestern, denen sie Scherereien und Geldverluste machte.

Wer in der Nachfolge Jesu lebt, sich für andere einsetzt, lebt gefährlich. Damit greift sie im Grunde einen Satz Jesu auf, dass der, der ihm folgt, bereit sein muss, das Kreuz auf sich zu nehmen (Lukas 9,3). Das bedeutet auch, wie sie sagte, dass man nicht alles verstehen müsse, sondern gehorchen. Man muss nicht verstehen, warum all das Leiden – man muss Gott gehorchen, um das Leiden zu bekämpfen. Sozialer Einsatz und Leben aus dem Glauben waren für sie eine Einheit. Aber das sah sie nicht als Opfer an, denn, so sah sie es: Wer auf das Kreuz Christi (als wahres Opfer) schaut, kann nicht sagen, dass er sein Leben in der Nachfolge opfert. Andererseits wird von ihr überliefert, dass sie nicht Erdenkloß sein wolle, sondern Brennstoff für die Flamme Gottes. In dem Dämonischen, dem Leid verursachenden, Menschen Missbrauchenden, das in vielem in Indien vorhanden war, sah sie sich auch als Kämpferin gegen satanisches Wirken an. Sie ist Mitarbeiterin Gottes, was sie im Glauben tut, ist Gottes Wirken. Von daher hat sie auch eine Preisverleihung zunächst abgelehnt, weil Gott der Handelnde ist, nicht sie. Durch viel Zureden hat sie der Verleihung dann doch zugestimmt, war aber nicht anwesend.

Ein Krankenhaus wurde gebaut und ein Heim für Jungen, auch für Kinder ehemaliger Prostituierte. Zudem gründete sie einen protestantischen Orden: „Schwestern des gemeinsamen Lebens“.

Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher, schrieb Gedichte und Lieder. 1931 – im Alter von 63 Jahren – stürzte sie und war seitdem bettlägerig. 20 Jahre später starb sie im Alter von 83 Jahren.

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Amy Carmichael gehört in meine kleine Reihe von Menschen, die sich nicht unterkriegen ließen (https://blog.wolfgangfenske.de/2026/01/03/menschen-die-sich-nicht-unterkriegen-liessen/), weil sie sich vom Leiden der anderen nicht lähmen ließ, sondern dagegen angegangen ist. Und das war in diesem Umfeld nicht ungefährlich. Sie hat den Gefahren getrotzt. Zudem hat sie sich durch ihre Krankheit nicht unterkriegen lassen. Einmal in Belfast im Kampf gegen die Verachtung der Shawlies, dann aber auch, nachdem sie im Alter durch einen Sturz nicht mehr direkt weiterarbeiten konnte, sondern neue Wege suchen musste.

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