
Jesus sagte – wir können es im Matthäusevangelium 7,21 lesen – :
„Es werden nicht alle, die zu mir sagen:
Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen,
sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“
Wenn man sieht, wie Christen vor allem in der Geschichte der letzten 1500 Jahre andere drangsalierten, einschüchterten, ermordeten, dann ist das ein guter Satz, weil er Gottes Gerechtigkeit betont.
Bonhoeffer spricht von „billiger Gnade“ – das heißt:
Glaubende meinen, Buße, Umkehr, ein neues Leben seien nicht notwendig,
man könne als Glaubender leben, wie man will, ohne den Willen Gottes zu beachten,
man könne Christus nachfolgen, ohne das Kreuz (also Leiden) auf sich zu nehmen.
Ein Leben in „billiger Gnade“ ist ein Leben in Allerweltsreligion, emotionale / rationale Selbsttäuschung. Ein Leben in „billiger Gnade“ wird zu einer ideologischen Religion, einer Religion, die sich Menschen ausdenken, entsprechend agitieren, ohne den Willen Gottes zu beachten, bzw. dem formalisierten Willen Gottes zur Macht verhelfen. (*)
Wenn einer meint, Gnade Gottes, Liebe Gottes, Gerechtigkeit Gottes seien Ramschware, billig zu haben, hat auch nicht verstanden, dass Gott Gott ist, dass das Leben mit Jesus Christus geführt werden will. Ohne dieses neue Leben gibt es keine Freiheit, keinen Frieden, keine Wegweisung. Teure Gnade ist: Leben in der Nachfolge Jesu Christi, ist Berufung.
Und all das gilt nicht nur in der Zeit des Nationalsozialismus. Da musste Bonhoeffer es scharf formulieren, weil viele Christen sich als Christen ansahen und sich gleichzeitig der menschenverachtenden Ideologie angeschlossen haben. Aber das gilt nicht nur für die Zeit des Nationalsozialismus. Immer wieder ist in der Geschichte zu sehen, was für schlimme Folgen das hatte, wenn Menschen sich Christen nannten, aber nicht den Willen Gottes getan haben, in Unmenschlichkeit versunken sind.
Dieser Satz aus Matthäus 7,21 ist heftig nicht nur mit Blick auf die Weltgeschichte, sondern auch auf das eigene Leben.
Ich denke, dass jeder, der über diesen Satz erschrocken ist, auf bestem Wege ist, den Ruf in die Nachfolge zu hören.
(*) (Ich denke da an Marie Dunant, die gestern Thema in meinem Blog war. Die Verfolger beriefen sich auf einen Satz Jesu: „nötigt sie hereinzukommen“ – und so wollte man Protestanten zwingen, katholisch zu werden. Aber das widerspricht voll und ganz der Intention Jesu. Es geht mit dem Satz aus dem Gleichnis vom Gastmahl aus Lukas 14,23 darum, dass ein reicher Mensch ein Mahl gibt. Die reichen Geladenen kommen nicht, haben trotz Zusage Entschuldigungen, nicht zu kommen. Und so fordert der Reiche seine Diener auf, die Armen, Ausgestoßenen zu nötigen. Warum zu nötigen / drängend bitten / ermutigen? Weil sie sich schämen, in das Haus des Reichen einzutreten, weil sie sich unwürdig fühlen und sagen: Nein, nein, ich komme nicht, ich bin es doch nicht Wert, so dreckig in das feine Haus zu dem feinen Essen zu kommen! Diesen Leuten soll die Scheu, die Unterwürfigkeit genommen werden. Wird der christliche Glaube formalisiert, werden einzelne Sätze zur Waffe, wird der Wille Gottes missachtet, dann kommen solche Gewalttaten gegen andere dabei heraus.
Leider hat den große Kirchenvater Augustinus an dieser Stelle auch eine üble Sichtweise gehabt. Die christlichen Gegner (Donatisten) sollten mit Druck in die Kirche zurückgeholt werden. Es ging, soweit ich weiß, man möge mich korrigieren, nicht um Folter, Todesstrafe usw., sondern um finanziellen, sozialen Druck. Dieser Druck wurde als bittere Medizin zur Heilung angesehen.
Natürlich ist das menschlich allzumenschlich, wie wir auch an unserer Gegenwart sehen: Da gibt es Leute, die meinen, Demokratie mit Löffeln gefressen zu haben und andere durch sozialen Druck, durch Parteienverbot usw. wieder zurückzuholen zu den wahren, guten Demokraten. Wer sich mit christlicher Geschichte auskennt, kennt sich auch ganz gut mit Verhaltensweisen in der jeweiligen Gegenwart aus, weil Christen auch immer wieder in Gefahr gerieten, den christlichen Glauben zu ideologisieren. Alles, was Christen an Fehlern im Laufe der Geschichte machten, macht man in nachchristlicher Zeit auch. Christen wie Nichtchristen bekämpfen Gott. Das ist aber wieder ein anderes Thema.
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