Nachtwächter-Lied

In dem von mir in letzter Zeit häufig genannten Buch von Kurt Ihlenfeld lesen wir aus einer Erinnerung von dem Generalfeldmarschall Hermann von Boyen (1771-1848), dass er einmal nicht schlafen konnte und sehr „kleinmütig“ gewesen sei. Dann hörte er den Nachtwächter aus „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte“ die 3. Strophe singen (EG 326):

Was Gott der Herr erschaffen hat,
das will er auch erhalten,
darüber wird er früh und spat,
mit seiner Gnade walten“

Das habe der Nachtwächter sehr rauh gesungen, aber ihm war es ein Wohlklang. Die kleinmütigen Zweifel waren verschwunden „und ich blickte mit neuem Vertrauen in die Zukunft, zu dem Allmächtigen empor, der mich so oft schon väterlich beschützte.“ (94)

Anmerkung zu Boyen: Seine Eltern, ebenfalls im Militär tätig wie seine Vorfahren, waren früh gestorben, er wuchs bei einer Tante auf, hörte auch Vorlesungen bei Kant. 1811 stieg in der Karriereleiter auch der Ministerien recht hoch, wollte den König mit anderen zum Krieg gegen die französische Besatzung bewegen, hatte keinen Erfolg, dankte ab und zog nach Russland, lebte in Sankt Petersburg. Er kämpfte dann im Befreiungskrieg, wurde nach dem Sieg über die Franzosen geehrt, wurde Kriegsminister. Er führte in Preußen die allgemeine Wehrpflicht ein, organisierte die Landwehr. Weitere Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Boyen

Texte / Lieder sind eine Macht, die Menschen aufrichten kann und natürlich auch zerstören kann (so versuchte Archilochos von Paros die Frau, die er nicht bekommen konnte, mit brutalen Texten zu erniedrigen. Angeblich sollen sich einige aus Scham wegen dieser Verse umgebracht haben: https://de.wikipedia.org/wiki/Archilochos). Aber Texte können auch aufrichten, ermutigen, die Seele in den Himmel heben, die von anderen getreten wurde. In unseren Gesangbüchern haben wir sehr viele solcher Texte. Sie stehen in der biblischen Tradition, sind vor allem auch Folge der guten Texte, die wir im Evangelium / der Frohen Botschaft von Jesus Christus finden.

Diese biblischen Texte haben so viele Samen gestreut, die in den Gesangbüchern – aber auch in vielen christlichen Liedern der Moderne – aufgegangen sind und wiederum neue Samen streuen. Gedichtsammlungen heißen „Anthologien“. Auf Deutsch heißt das weitergeführt: Blumen-Sammlung, Blütenstrauß. Die schönsten werden gesammelt und zusammengefügt. das passt freilich nicht zu meiner Aussage von den aussäenden Blumen, aber das Bild einer „Anthologie“ beeinflusste meine Worte.

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Der Blog wird voraussichtlich am 10.02.2026 fortgeführt werden.