Spott

In dem Buch von Kurt Ihlenfeld: Preußischer Choral. Deutscher Soldatenglaube in drei Jahrhunderten, hg. v. Kurt Ihlenfeld, Berlin-Steglitz 1935, 34-36 habe ich folgende Anekdote gefunden. Es handelt sich um Anekdoten im Zusammenhang mit Friedrich dem Großen. Der Aufgeklärte hielt bekanntlich nicht viel vom christlichen Glauben. Entsprechend geben Anekdoten Auseinandersetzungen wieder. Ob sie eine reale Grundlage haben, kann ich nicht sagen. Spannend finde ich auch den zweiten Absatz. Ob er zu der Anekdote gehörte oder ob Ihlenfeld das 1935 selbst hinzugefügt hat, weiß ich nicht. Spannend darum, weil es Mitläufer sehr schön charakterisiert. Zu Hans Joachim von Zieten: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Joachim_von_Zieten

Einmal ließ er (Friedrich der Große) den alten Zieten zur Tafel laden; Zieten entschuldigte sich, er könne nicht kommen, er gehe an diesem Tage zu Gottes Tisch. Als nun einige Wochen später Zieten an des Königs Tafel saß und das Tiralliörfeuer des Witzes lebhaft entbrannt war, fragte Friedrich: „Ei, Zieten, Er muß uns auch noch sagen, wie Ihm die Mahlzeit an Gottes Tisch bekommen ist? Hat Er Seinen Herrgott gut verdaut?“ –

Da brachen die frechen Witzköpfe, die der König bei Tische wohl gerne um sich hatte, die er aber sonst nicht höher hielt als Affen und viel minder als seine Windhunde, in ein schallendes Gelächter aus.

Zieten aber erhob sich mit feierlicher Miene, in ruhigem. festem Tone: „Majestät, ich habe Ihnen in schweren Tagen getreulich gedient, und mein Christenglaube hat mir dazu die Geduld und den Muth gegeben und jederzeit erhalten, und Sie selbst haben in schweren Zeiten, wenn Ihnen alles verloren schien, an mein Gottvertrauen sich angelehnt und es damals nicht verachtet. Was gibt Ihnen ein Recht, mir mein Heiligstes zu verspotten? Haben Sie es nicht für die Pflicht eines Weltweisen erklärt, jeden ungekränkt nach seinem gewissen zu leben, jeden nach seinem Glauben Frieden und Seligkeit suchen zu lassen? Majestät, sieht eine solche Verspottung des Heiligsten, das einer Ihrer getreuesten Diener hat, Ihnen gleich, ist es eines Weisen würdig?“

Der König stand tief erschüttert auf, entließ die Gesellschaft und zog sich allein in sein Zimmer zurück.

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