
Die Füße derer, die Gottes frohe Botschaft verkünden sind lieblich – so der Apostel Paulus in der Aufnahme einer Metapher aus dem Buch des Propheten Jesaja.
Die Füße tragen fröhliche Menschen Gottes
in neue Gebiete hinein.
Und das zu allen Zeiten –
in der letzten 2000jährigen Geschichte:
in schlimmen Situationen,
in Kriegen,
während der Epidemien,
in Zeiten der Denunziationen und Folter,
in Zeiten des Hungers,
in Katastrophenzeiten.
Die Füße derer, die die frohe Botschaft weitertragen
sind keine Schönwetterfüße.
Sie sind wund,
sie sind staubig,
sie sind verhornt,
sie sind schmutzig,
sie sind verschwitzt.
Aber weil sie die frohe Botschaft tragen,
sind sie lieblich, sind sie schön, sind sie wertvoll,
sehnsüchtig erwartet.
Sie verkünden Gottes Frieden,
sie verkünden Gottes Freiheit,
sie verkünden Leben siegt über den Tod.
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Vor wenigen Tagen hatte ich das Thema: Arme und Hände. Wie steht es um die Füße? Die Füße der Menschen unterscheiden sich von den Füßen der Primaten dadurch, dass der große Zeh eine andere Bedeutung hat. Der menschliche Zeh muss nicht mehr greifen. Zudem ist der Aufbau des Fußes etwas anders aufgebaut, weil er den gesamten Menschen tragen muss – und zwar nicht platsch, platsch, sondern abfedernd. Zum Schutz der Wirbelsäule.
Spannend ist nun, dass der Mensch seine Füße trainieren kann. Das Gehirn kann ihn der Hand anpassen, er kann mit dem Fuß malen, schreiben, sogar Fußtheater spielen. Irgendwie malen können andere Primaten auch – aber das Besondere ist das Gehirn des Menschen, das eine besondere Geschicklichkeit des Fußes ausbilden kann. Das Potential muss natürlich im Fuß vorhanden sein – und ist auch vorhanden. Das Gehirn könnte sich vieles ausdenken, aber wenn es der Körper nicht hergibt, sind das vielleicht schöne Gedanken.
Und wir stecken den Fuß in irgendwelche Strümpfe und Schuhe. Manche in schöne Schuhe, ehren ihn dadurch. Der alltägliche Mensch benützt seine Füße, aber sonst sind sie eben da. Menschen, die auf ihre Füße angewiesen sind, weil sie den ganzen Tag auf den Beinen sind, kümmern sich mehr um sie.
In der Bibel wird der Fuß auch genannt, aber nicht unbedingt positiv. Er ist Zeichen der Macht. Herrscher legen den auf den Boden liegenden Beherrschten die Füße auf den Körper – er wird in den Staub getreten. Das haben wir noch symbolisch in der Gebetsgeste des Islam. Menschen unterwerfen sich Allah. Für Paulus wird letztlich der Tod unter die Füße Christi gezwungen. Das heißt: Der Tod wird einmal keine eigene Macht mehr haben.
In den Evangelien finden wir eine neue Bedeutung der Füße. Es war üblich, dass Diener den Gästen die Füße waschen, denn sie bringen den Staub der Straße mit in das Haus. Um das zu vermeiden wurden eben die Füße im Zusammenhang des Betretens des Hauses gewaschen. Jesus greift das auf und wäscht seinen Jüngern die Füße. Damit gibt er ein Beispiel dafür, dass diejenigen, die ihm Folgen, bereit sein sollen, solche niedrigen Dienste zu tun. Menschen, die Christus nachfolgen, müssen es sich gefallen lassen, dass er ihnen dient – und zwar bis zum Tod am Kreuz. Diese dienende Handlung wird von einer Frau an Jesus ausgeübt: sie salbt seine Füße als Zeichen der Hingabe, aus Dankbarkeit, dass ihr durch Jesus die Schuld vergeben wurde, sie ein neues Leben beginnen kann.
Zwei weitere Beispiele für Füße in der Bibel: Gottes Wort soll eine Leuchte sein für den Fuß – damit man also den Lebensweg mit Gottes Licht gehen kann bzw. auch Wegweisung bekommt. Zudem spricht Jesus davon, dass diejenigen, die das Reich Gottes verkündigen, den Staub der Städte von den Füßen schütteln sollen, die sie nicht annehmen. Das heißt: anderen die Verantwortung für sich selbst überlassen können. Der Verkünder ist nicht dafür verantwortlich, wenn Menschen sich der Botschaft Gottes verweigern. Die Füße derer, die Gottes frohe Botschaft verkünden sind lieblich – so Paulus in der Aufnahme einer Metapher aus dem Buch des Propheten Jesaja. Sie tragen fröhliche Menschen Gottes in neue Gebiete hinein. Im Lukasevangelium heißt es im Lied des Zacharias, dass Gottes Licht die Füße auf den Weg des Friedens führt. So sind laut dem Epheserbrief die Füße mit den Schuhen zu schmücken, die bereit sind, die Botschaft vom Frieden zu verkünden. Also nicht Schuhe der Unterwerfung, sondern Schuhe des Friedens (vgl. Jesaja 9,4: Stiefel derer, die Blut vergießen, werden verbrannt werden. Aber Schuhe sind ein eigenes Thema.)(1)
Von Gottes Füßen ist auch die Rede, über das von Paulus Gesagte hinaus. Anders als die Hände Gottes sind die Füße Gottes nicht Metapher für Schutz und Führung, sondern dafür, dass Gott die Erde beherrscht und der Mensch sich ihm unterwirft. Unter Gottes Füßen ist eine Fläche wie von leuchtend blauem Saphir, in der Apokalypse des Johannes sind die Füße des auferstandenen Jesus Christus wie glühendes Eisen. Spannend finde ich aus christlicher Sicht vor allem auch Sacharja 14,4. Dort heißt es, dass Gottes Füße an jenem Tag auf dem Ölberg stehen werden. Es geht um den Krieg in der Endzeit. Von Jesus wird berichtet, dass er in seiner letzten Stunde der Freiheit auf dem Ölberg ist, an eine einsame Stelle geht und sich zu Boden wirft bzw. niederkniet und betet.
(1) Spontan fallen mir weitere sehr schöne Texte mit Blick auf Füße aus hebräischen Schriften, vor allem den Psalmen, ein: Füße werden von Gott auf einen Felsen gestellt, er lässt nicht zu, dass die Füße gleiten oder an einen Stein stoßen. Besonders schön finde ich auch: Gott stellt meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31,9): die Freiheit zu gehen, freie Entscheidungen zu treffen, nicht mit dem Rücken zur Wand stehen, eingekesselt sein. Die Füße werden in den Raum Gottes gestellt – sie sind also frei, Gott schenkt freien Lebensraum. Ärgerlich finde ich, dass in der BasisBibel die „Füße“ weggelassen werden und übertragen wird: „Du hast mir weiten Raum gegeben, wo ich mich frei bewegen kann.“ Weitere Texte habe ich nicht überprüft. Wenn die „Füße“ weggelassen werden, dann wird auch nicht mehr so deutlich, dass die Wallfahrtsfeste FußFeste sind – Menschen gehen zu Fuß nach Jerusalem.
