
Häufig wachen wir Menschen zwischen 24 und 3 Uhr in der Nacht auf. Der Körper wandert zur Toilette und das Hirn wandert wer weiß wohin.
Ich habe einmal gelesen, dass unsere zeitlich weiter entfernten Vorfahren in dieser Zeit einen Gang gemacht haben: das Feuer im Herd zu überprüfen, im Stall nachzuschauen, ob alles okay ist usw. – was eben in einem solchen Alltag in solcher All-nacht anliegt.
Der Dichter Iwan Bunin mochte die Nacht nicht unbedingt:
Bunin liebt nicht die Mitternacht. Und das wird auch deutlich an dem Gedicht „Saturn“: Der Anblick aufleuchtender Sterne bringt den Menschen dazu, das ewige und unbegreifliche Werk des Schöpfers zu loben. Aber dann, um Mitternacht, klagt der Mensch: finster und grausam sind Deine Taten, Schöpfer. Es geht natürlich nicht nur um die Mitternacht, sondern um den Menschen in seiner Spannung: geht es ihm gut, staunt und lobt er Gott. Geht es ihm schlecht, klagt er Gott an. https://gedichte.wolfgangfenske.de/iwan-bunin-1870-1953/
In der christlichen Ordenstradition haben Mönche und Nonnen einen Teil des Stundengebetes zwischen 24 Uhr und 3 Uhr (Vigil: Nachtwache; Matutin: Morgendlich). Das war nicht in jedem Orden gleich, hat sich auch aus verschiedenen Gründen verschoben. Wichtig ist mir darauf hinzuweisen, dass dieses Nachterwachen auch zum Gebet genutzt werden kann. In Psalm 119 heißt es: Mitten in der Nacht stehe ich auf, um dich zu preisen (Psalm 119,62; weitere Psalmen z.B.: 3; 63; 130).
Zudem betete Jesus Christus in der Nacht vor der Gefangennahme bzw. auch die Nacht über. Metaphorisch: Der Finsternis muss man mit Gebet entgegentreten. Die Nacht der Versuchung – Petrus ging hinaus in die Nacht und weinte, nachdem er Christus verleugnet hatte. Das Gebet will dem widerstehen.
Kurz: Das Wachsein in der Nacht dazu nutzen, Gott zu loben, und was einem durch den Kopf an Problemen geht, in die Hand zu legen.
Beispiel – von mir (mit Blick auf die metaphorische Verwendung von Nacht/Finsternis (Schuld/Sünde) / und Morgen/Licht (Auferstehung/Leben):
Herr, mein Gott,
ich wache in der Nacht.
Öffne mein Herz, damit ich Dein Lob verkünde.
Erleuchte mein Herz,
vertreibe die Finsternis aus meinen Gedanken
und bereite mich vor auf dein Licht.
Bewahre mich im Frieden dieser Nacht
und führe mich zum Morgen deiner Auferstehung.
In Deine Hände lege ich meinen Geist.
An dieser Stelle können die Menschen, Situationen eingefügt werden, die man betend in Gottes Hand legen möchte.
Das bete ich durch Jesus Christus, meinen Herrn,
der mit Dir und dem Geist herrscht in Einheit,
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Amen.
Oder auch einfach das Gebet orthodoxer Tradition, das Herzensgebet:
Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.
Täglich wechselnd zum Beispiel: https://www.maria-laach.de/te-deum-heute/
