Mittelalter: Brüste (Busen) von Frauen

Auf TikTok gab es einen Clip, in dem behauptet wurde, dass Frauen mit großen Brüsten unter massiven Diskriminierungen zu leiden hatten. Belege wurden natürlich keine genannt. Das ist in solchen Clips auch nicht üblich, dafür sind üppige Bilder üblich. Nicht gesagt wurde, dass Frauen mit ganz kleinen Brüsten ebenfalls diskriminiert wurden. Wobei das Wort „Diskriminierung“ vielleicht fehl am Platz ist: Es gab Rezepte, zu kleine/zu große Brüste anders erscheinen zu lassen usw. Ebenso konnten sich manche wie auch immer sie aussahen darüber lustig machen. Das Mittelalter umfasste 1000 Jahre – und in diesem Zeitraum gab es wechselnde Moden, zudem waren Moden nicht an allen Orten gleich. (Übrigens galt dasselbe auch für große/kleine Penisse).

Ich kenne mich damit geschichtlich nicht besonders gut aus, vermute jedoch, dass es in der gesamten Zeit nicht anders war als heute. Auf Gemälden kann erkannt werden, wie das Ideal (des Ortes, des Malers, der Zeit) ausgesehen hat. Wie heute in Medien. Ich vermute einmal, dass sich nichts geändert hat. Von daher darf nichts überinterpretiert werden.

Nur eines dürfte sich geändert haben: Brüste im Mittelalter wurden wohl intensiver mit dem Thema Stillen verbunden. Aber auch da: Wenn ich mich richtig erinnere, haben gesellschaftlich hochstehende Frauen die Kinder Ammen übergeben. Stillen war etwas für das niedere Volk. (Auch spannend mit Blick auf die Gegenwart – und manche öffentliche Aversionen gegen das Stillen – eminent Menschliches wird erniedrigt. Es hat sich eigentlich nichts geändert. [*])

Interessant sind in dieser Hinsicht Bilder, in denen Maria das Jesuskind stillte (Maria lactans). Freilich müssen diese Darstellungen nicht der allgemein üblichen Realität entsprechen (wenn Maria, die Himmelskönigin ihr Kindchen stillt, heißt das noch nicht, dass adlige Frauen auch die Kinder stillten), weil diese Bilder symbolisch gedeutet werden können: Die Mutter Gottes stillt ihr Kind – sie allein ist würdig, es zu tun, Jesus war wahrer Mensch, Maria als mütterliche, somit tröstende Himmelskönigin, Milch der Maria = Weisheit… Vielleicht waren sie aber doch ein Hinweis darauf: Wenn die Mutter von Jesus ihr Kindchen stillt – auf Bildern öffentlich – dann könnt ihr es auch tun.

Wie eingangs geschrieben: ich kenne mich mit dem Thema nicht besonders gut aus. Vielleicht ist aber dieser Beitrag Anlass für jemanden mit Ahnung darauf zu reagieren.

[*] „Eminent Menschliches“ – natürlich säugen auch Tiere ihre Kinder, ebenso so genannte Menschenaffen. Aber stillen ist nicht säugen. Das Stillen unterscheidet sich vom Säugen: Dieses in die Augen Schauen (mutual gaze) von Mutter und Kind, das ist neben anderem (nicht ständiges Nuckeln, andere kümmern sich auch um die Ernährung, kürzere Stillzeit, eingebettet in kulturelle Prägung, BabyTalk) typisch menschlich.

Noch drei Anmerkungen:

  1. Es gibt immer Idioten, die irgendwas kritisieren. Das sind Machtspielchen, die muss man ignorieren.
  2. Manche Frauen meinen, alte Männer schauen länger auf die Brüste. Das dauert länger, bis das Gesehene den Weg ins Hirn gefunden hat.
  3. Jesus wandte sich dagegen, dass Männer Frauen begierig anschauen. Das normale biologisch bedingte Anblicken wird zu einem sündigen gierigen Ergreifen. Gottes Wille hat schwer mit dem sündigen Menschen zu kämpfen.

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