Kein Gott

Ohne den Menschen gäbe es keinen Gott.
Ohne den Menschen gäbe es auch keine Sonne.

Der Mensch ist, soweit wir wissen, das einzige Wesen, das etwas bewusst wahrnehmen und reflektieren (das Wort finde ich in dem Zusammenhang als besonders schön: re-flektieren: zurückstrahlen) kann. Wenn der Mensch nicht wäre, wäre zwar alles da, aber es würde keiner wahrnehmen. Das heißt:

Durch den Menschen wird erst alles – obgleich es schon vor dem Menschen da war.

Weil es vor dem Menschen da war, wird er jedoch durch alles erst zu dem Wesen, das er geworden ist.

Das Außen öffnet den Menschen und lässt ihn wachsen. Und dasjenige, was den Menschen seit jeher öffnet – und die innere Befähigung dazu gegeben hat – , war die Begegnung mit dem Transzendenten, das, was er nicht begreift. Soweit wir sehen, war der homo sapiens von Anfang an ein auf das Transzendente bezogene Wesen.

Der Mensch begriff es nicht, versuchte es zu verstehen, nannte das Unverstandene, das Transzendente Geister, Götter… – und im jüdisch-christlichen Glauben offenbarte sich Gott – eben als Gott, als Adonai, Kyrios, Herr; für die Menschen, die Jesus nachfolgen offenbarte er sich in Jesus Christus.

Diese Begegnung von außen lässt den Menschen wachsen. Über sich hinaus wachsen auf vielen Ebenen. Manchmal auch stagnieren, weil der Mensch eben Mensch ist. Vor allem aber: über sich hinauswachsen.

Heute löst man sich von dem Motor des Wachstums. Der Mensch stagniert in der Selbstbespiegelung. Wo wird der Mensch landen?

Ohne Gott gäbe es keine Menschen –
und die Sonne würde scheinen, scheinen, scheinen,
aber ohne Menschen würde sie kein Wesen wirklich wahrnehmen.
Sie wäre also daseiend nicht existent.
Anders Gott. Er, der den Menschen für das bewusste Wahrnehmen und Re-flektieren geöffnet hat, ist selbst Bewusstheit, Wille, Reflexion…

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