Rassismus – Ethnizismus

Da nimmt unser moderner und kluger Zeitgenosse das Wort Rassismus, sagt, dass es keine Rassen gibt, somit will er dem Rassismus das Wasser abgraben.

Nun denn. Auch wenn es keine Rassen gibt, so gibt es doch Ethnien. Und Ethnizismus ist im Grunde das, was man als Rassismus bezeichnet.

Die ältesten mir bekannten Ethnizisten sind die Hindus mit dem Kastensystem. Eine Ethnie sickert in Indien ein, und macht die Ureinwohner zu Dalits, zu Unberührbaren. Der Hinduismus, so er das Kastensystem betrifft, ist eine rassistische bzw. ethnizistische Größe. Dort zählen auch Weiße nichts, sie sind eben auch Dalits, Unberührbare.

Die Han-Chinesen, die größte Ethnie der Welt, 91% der Chinesen gehören ihr an – sind ebenso von sich überzeugt, dominante Ethnie zu sein, von daher auch das brutale Gebaren gegen Uiguren, Tibeter und das ausbeuterische Verhalten in der Welt. Von daher könnte ich mir auch vorstellen, warum Han-Chinesen-Christen aggressiv bekämpft werden. Sie sind Abweichler. Nicht die Ahnen herrschen mehr, sondern Christus.

Der Ethnizismus der Japaner hat in den 20er-40er Jahren einen schrecklichen Höhepunkt gehabt.

In Ruanda gab es 1994 einen Völkermord der Hutus an den Tutsi. Viele Auseinandersetzungen in Afrika hängen mit den Stämmen zusammen.

Natürlich gibt es auch den Rassismus/Ethnizismus der Europäer. Den habe ich hier außen vor gelassen, weil er zurzeit sowieso überall Thema ist, dabei aber der Rassismus/Ethnizismus in der ganzen Welt vergessen wird. Zudem: Wenn man den Rassismus/Ethnizismus nur der eigenen Gruppe wahrnimmt, ist man wieder ethnizistisch unterwegs, weil man sich dann auch im negativen für etwas Besonderes hält.

Ich möchte allerdings auch hier Öl ins Feuer gießen: Wenn wir die Menschenrechte, die im Westen geboren wurden als das A und O menschlichen Verhaltens ansehen und das auch von anderen verlangen – ist das nicht auch eine Art der Überheblichkeit? Natürlich bin ich in dieser Hinsicht gerne überheblich. Aber das zeigt, dass wohl kein Volk seine Besonderheit als Überheblichkeit bezeichnen würde, das ist wiederum nur die Bezeichnung derer, die anderer Meinung sind. Zum Beispiel: Bin ich nicht aus christlicher Europa-Perspektive überheblich, wenn ich das Hindu-Kasten-System ablehne? Ich sage natürlich: Nein. Denn Menschen in Indien leiden an diesem Kastensystem. Menschen weltweit leiden darunter, dass keine Gerechtigkeit herrscht, dass Menschen erniedrigt werden, dass es keine Gleichberechtigung gibt… Damit setze ich allerdings Werte zugrunde, die andere eben nicht als grundlegend erachten.

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Coloured People bedeutet zurzeit im Grunde, dass sich alle Nichtweißen in dem Begriff zusammenführen um sich gegen den weißen Rassismus zu positionieren. „Wir“ – die coloured people. Allerdings wie gesehen, sind auch coloured people nicht frei von Rassismus/Ethnizismus. Von daher ist diese Verbindung eine, die mit den USA zu tun hat und vielleicht mit ein paar Ländern auch. Aber insgesamt weltweit nicht brauchbar ist. Zudem sei auf die Herkunft der Bezeichnung hingewiesen – aus dem ehemaligen Apartheitsstaat Südafrika. Dort war er nicht positiv konnotiert, sondern rassistisch.

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„Schwarzfahren“ aus dem Wortschatz streichen, weil der Begriff etwas Negatives meint. Das heißt: Menschen mit schwarzer Hautfarbe könnten sich damit identifizieren. Ich kenne keinen Weißen, der sich mit Weißkohl oder Weißwurst identifiziert und dadurch eine Identitätskrise bekommt. Ich kenne natürlich nicht alle. Aber macht man damit nicht etwas, was übel ist? Wir verbinden normalerweise nicht automatisch die Bezeichnung einer Farbe mit dem Aussehen anderer Menschen. Wenn wir nun das Wort „Weiß“ vom Kohl und der Wurst trennen, damit sich kein Weißer diskriminiert fühlt, übertragen wir ja erst negative Deutungen mit der Farbe – der Hautfarbe.

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Mir wurde gesagt: Bei einem Film, in dem auch ein Abschnitt Afrika betraf, fragte ein Jugendlicher: ist das ein Film gegen Rassismus?

Das sollte zu denken geben. Auch Anti-Rassisten implementieren Rassismus.

Es geht hingegen um die Wahrnehmung, dass alle Menschen Menschen sind. Dass man gar nicht mehr wertend merkt, ob ein Mensch aus Afrika, China, Indien, Europa oder sonst woher kommt. Dass die erkannten Unterschiede – der Mensch unterscheidet automatisch alles – in der Wertung keine Rolle spielen, dass Unterschiede etwas Positives sind, weil Gott keine Einheits-Menschen wollte, Unterscheidungen finden ja auch statt: Mann-Frau, Kind-Erwachsener, Junger-Alter, Krank-Gesund, Nichtbehindert-behindert, grüne Augen braune Augen… – und es kommen all die * hinzu.

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