Schwarz-Weiß + Legalistischer Islamismus

Das ist es, was ich neulich damit meinte: Man macht Nebenschauplätze auf, im Kampf gegen alle möglichen Ungerechtigkeiten, die aber mit diesen gar nichts zu tun haben. Nur weil irgendeiner auf die Idee kommt, sich profilieren zu müssen. Und dann? Dann bleibt die Kraft weg, sich wirklich gegen Unrecht einzusetzen, weil man sich bei verzettelt – und auch von vielen nicht mehr ernst genommen wird: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/ist-schach-rassistisch-li.90295?

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Das ist ja schön, dass das Kind nun einen Namen hat: „Legalistischer Islamismus“: https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/politischer-islam-101.html Das bedeutet schlicht und ergreifend: Jeder Muslim, der seinen Glauben Koran-ernst nimmt. Im verbreiteten traditionellen Sinn und sich nicht von einer Regierung oder Gesellschaft vorschreiben lassen will, wie sein muslimischer Glaube auszusehen hat. Das bedeutet schlicht und ergreifend: Man scheint zu erkennen, dass es nicht nur Euro-Islam und Salafisten gibt, sondern eben traditionell glaubende Muslime.

Das zu erkennen ist nicht unwichtig, weil man dann endlich angemessen auf den Islam reagieren kann. Man muss nicht alle in die gewalttätige islamistische Ecke stellen, man muss nicht alle in die Euro-Islam-Ecke stellen. Das heißt: es beginnt die Diskussion, die argumentative Auseinandersetzung – und das ist eine, die nicht staatlich ist, sondern eine, die gesellschaftspolitisch geführt werden muss.

Das wiederum bedeutet, dass sich Menschen unserer Tradition erst einmal wieder klar sein müssen, dass auch wir eine Tradition haben, die man entweder verdammen kann oder verteidigen kann. Verdammer sind im Augenblick verbal sehr aktiv – weil sie an die Stelle der Tradition ihre neue Ideologie setzen wollen, oder man wird Muslim. Aber das sind alles klassische Verhaltensmuster.

Er war so schön, der Traum, der trennt: zwischen böse gewalttätige und gute angepasste Euro-Muslime. Denn dieser Traum sagt: Ich halte mich raus, der Staat wird es schon richten. Der normale Mensch, der ein wenig Verantwortung für seine Gesellschaft spürt, kann sich nun nicht mehr raushalten.

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Ich muss allerdings sagen: Jetzt haben wir uns daran gewöhnt, dass Islam gut ist und Islamismus böse. Was aber geschildert wird, ist einfach verbreiteter traditioneller Islam. Von daher sollte man den Begriff Islamismus ersetzen.

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