Kirche als eigenständige Größe

Die Kirche hat sich als eigenständige Größe gegenüber der Politik, gegenüber dem Staat verstanden. Auch die lutherische Kirche hat seit 1945 so langsam verstanden, warum das notwendig ist. (Ich weiß, ich bin frech.)

Alles kann von der Politik gleichgeschaltet werden. Auch die Medien. Wir haben 1933-1945 bzw. unter kommunistischen Herrschaftsstrukturen gesehen – und sehen es auch noch, dass sich auch viele Christen bzw. Kirchen gleichschalten lassen (zwar auch – aber nicht nur durch Gewalt und Propaganda bzw. Desinformation, sondern freiwillig in Übereinstimmung mit den jeweiligen antichristlichen oder nach Macht strebenden Ideologen). Das wird als schlimmer und tiefer Fall der Kirchen angesehen. Das ist auch richtig so.

Man muss aufpassen, dass sich die Strukturen der Kirchen auch in wunderguten Zeiten wie den unseren nicht so anpassen, dass man dann, wenn es wieder hart auf hart kommt, keine Möglichkeiten mehr hat, die Eigenständigkeit zu behaupten.

In guten Zeiten sind auch Kirchen dafür verantwortlich, dass sie nachkommenden Generationen Strukturen hinterlassen, die Widerstand erleichtern und ermöglichen. Dazu gehört aber vor allem auch die Haltung: Wir sind als Christen allein Jesus Christus verantwortlich. Von daher misst sich auch das Verhältnis zur Politik und zur Gesellschaft. Es geht nicht einfach um Gegnerschaft zur Politik. Man kann ihr zustimmen, wenn sie den christlichen Maßstäben entspricht. Es geht um die Zugehörigkeit zu Jesus Christus. Von da aus ist alles zu betrachten. Das bedeutet nicht, dass in der Kirche alle die gleiche Meinung haben – dass Kirche die Gemeinschaft der Gleichgeschalteten ist. Das bedeutet: Eine offene Diskussion führen – aus dem Wissen der Einheit im Geist Gottes. Leider erkennen wir immer wieder, dass bestimmte christliche Gruppen in diese Diskussion die Meinung der Gesellschaft als Rückhalt einbeziehen: Was viele als gut ansehen – das müssen wir machen. Nein, muss man nicht! Darf man auch vielfach nicht. Was wir machen müssen, bestimmt der Glaube, das heißt die Bindung an Jesus Christus, nicht die Bindung an irgendwelche zeitgemäße Mehrheitsmeinungen – und meinen sie, sie würden die heile Welt errichten. Zumindest das sollte uns der tiefe Fall der Christen in nationalsozialistischer und kommunistischer Zeit gelehrt haben.

Betrachten wir die Kirchen heute einmal aus dieser Perspektive: Wo versagen wir heute?

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Um einen Maßstab zu bekommen, möchte ich auf die Barmer Theologische Erklärung hinweisen: https://www.ekd.de/Barmer-Theologische-Erklarung-11292.htm

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