Bibel als Wohnung

Man besichtigt eine Wohnung. Die Augen sind die eines Fremden. Rasch erfassen sie alles. Gutes, Schlechtes, Interessantes, Allgemeines. Man sieht sie mit den Augen dessen, der mit der Wohnung etwas anfangen will, so damit sie ihm gefällt – oder sie passt nicht, man lässt es.

Wenn man sich für sie entschieden hat – dann in die neue Wohnung zieht, dann entdeckt man alles, was einem an dieser neuen Wohnung nicht gefällt: man streicht, tapeziert, repariert…

Wenn man dann eine Weile in der neuen Wohnung lebt und sie zur alten Wohnung wird, dann nimmt man kleinere Macken gar nicht mehr wahr, sie gehören einfach zu der Wohnung, in der man sich wohlfühlt. Wie ich die Wohnung präge, so prägt sie nun auch mich – eingeschlossen ihr Umfeld.

So ist auch die Bibel eine Wohnung. Wenn man sich denn eingelebt hat, wird sie einem ein Zuhause, Heimat, Rückzugs- und Ermutigungsort.

Wenn dann ein kecker Besucher kommt und sagt: Das gefällt mir nicht, dies gefällt mir nicht und jenes… Dann sagt man ihm: Ich fühle mich hier wohl. Wenn es dir nicht passt, dann geh doch!

Aber Freunde sagen so etwas einem nicht, denn sie lieben die Wohnung wie sie ist, weil eben der Freund in ihr lebt. Manchmal helfen sie einen beim Erneuern von diesem und jenem.

Allerdings sagen gute Freunde auch, wenn die Wohnung verloddert: Mein Lieber, du musst mal wieder was machen!

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3 Antworten auf „Bibel als Wohnung“

  1. Die Wohnung selbst – die Bibel – bleibt. Ich lasse sie verloddern, indem ich meine Wohnung nicht ernst nehme.

    1. Abgesehen davon, dass Ihr Vergleich Bibel = Wohnung ziemlich schräg ist: Sie müssen zugeben, dass diese Wohnung ziemlich windschief ist, an vielen Stellen fehlkonstruiert mit Scheintüren, hinter denen sich nichts verbirgt, Wänden, von denen der Putz bröckelt und Fenstern, die nur scheinbar einen Blick ins Freie erlauben, hinter denen aber lediglich eine surrealistische Fototapete klebt.

      dann nimmt man kleinere Macken gar nicht mehr wahr …

      … und die großen Macken werden vor den Besuchern gezeilt versteckt, z. B. die Tatsache, dass viele Geschichten der Bibel genau das sind: Geschichten mit keiner realen Basis.

  2. Wenn man die Bibel mit einer Wohung vergleicht, dann muss auch aber auch erwähnen, dass es da eine ganze Menge Leichen im Keller gibt.

    Manchmal helfen sie einen beim Erneuern von diesem und jenem.

    Allerdings sagen gute Freunde auch, wenn die Wohnung verloddert: Mein Lieber, du musst mal wieder was machen!
    Interessant, dass Sie das „ewige und unveränderliche Wort Gottes“ für verloddert und mithin renovierungsbedürftig betrachten. Ich schlage vor, Sie fangen mit einer gründlichen Entrümpelung an. Vielleicht bleibt dann sogar noch etwas übrig, das sich verwerten lässt. Aber nur vielleicht.

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