3 Antworten auf „Gott überrascht + Sunnit liebt Israel“

  1. Ich denke, das Gleichnis vom verlorenen Sohn trifft hier überhaupt nicht den Punkt, denn der Sohn kehrt ja zurück. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass jemand, der als Christ aufgewachsen ist und dann zum Atheisten wird, jemals wieder zum Christentum zurückkehrt, dürfte sehr nahe null liegen.

    A-Theist wird man in aller Regel aufgrund von rationalen Überlegungen, z. B., weil man erkennt, dass viele Aussagen der Religionen mit der Realität nicht in Einklang zu bringen sind.

    Steven Weinberg, Nobelpreisträger Physik, hat es m. E. sehr gut auf den Punkt gebracht:
    „Falls es einen Gott gibt, der besondere Pläne mit den Menschen hat, dann hat dieser Gott sich wirklich große Mühe gegeben, sein Interesse an uns nicht sichtbar werden zu lassen. Es erschiene mir unhöflich, wenn nicht gar respektlos, einen solchen Gott mit unseren Gebeten zu behelligen.“

    Der Theist glaubt, dass ein Gott nicht nur das Universum geschaffen hat, sondern auch ständig in dessen Ablauf, insbesondere auf unserer Erde, eingreift, bis hinunter in das Denken und Handeln einzelner Menschen. Der A-Theist sieht nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür.

    Möglicherweise gibt es Menschen, deren psychische Disposition sie zu dazu veranlasst, an einen persönlichen Gott zu glauben. Bestimmt aber gibt es Menschen, die in der Lage sind, eine solche Disposition rational zu hinterfragen und als substanzlos zu erkennen.

    Manche Menschen wollen „Gott“ durch Hinweis auf erstere Disposition plausibel machen, indem sie arguemntieren, dass überall auf der Welt Menschen eine Gottesvorstellung entwickelt haben und dass dahinter nur ein Gott stecken könne. Ohne jetzt auf weitere Details einzugehen, wäre das natürlich nur dann ein echtes Argument, wenn es tatsächlich EINE Gottesvorstellung wäre. Aber die Vorstellungen gehen vom Pantheismus über den Polytheismus bis hin zum Monotheismus und im Christentum wieder zurück zum Oligotheismus („Trinität“) so weit auseinander wie es zu erwarten ist, wenn man davon ausgeht, dass es sich dabei einfach nur um einen auf mangelnden Wissen basierenden Erklärungsversuch für das Vorhandensei der Welt handelt.

  2. Ja, solche Geschichten gibt es, aber ich denke, der umgekehrte Weg, nämlich vom Gläubigen – egal welcher Religion – zum Skeptiker und schließlich Atheisten, wird ungleich öfter beschritten.

    Wenn man hier ein Wirken eines Gottes („Gott kann auch so manchen Atheisten überraschen“) unterstellt, muss man logischerweise davoin ausgehen, dass Allah, Jahwe, Krishna, Wishnu und wie sie alle heißen, die eine Religion repräsentieren, genau so real sind wie der christliche Gott, denn Konversionen von einer Religion zu einer anderen laufen in alle möglichen Richtungen: aus Muslimen werden Christen, aus Christen werden Hindus, aus Hindus werden Muslime, usw. Katholische Christen werden aus Überzeugung protestantisch, Protestanten werden Katholiken, usw., usw.

    Interessant ist auch, wenn Priester zu Atheisten werden und dies auch noch öffentlich bekennen. Prominente Beispiele aus den USA sind etwa Dan Barker und Matt Dillahunty, die aus ihrer intensiven Kenntnis des christlichen Glaubens heaus zu dessen schärfsten Kritikern geworden sind.

    Es wird zu recht vermutet, dass es im Klerus – egal welcher spezifischen Glaubensausrichtung – einen relativ hohen Prozentsatz von Atheisten gibt, die sich nur deshalb nicht outen, weil sie familiäre/soziale Isolierung fürchten oder schlicht und einfach ihre materiellle Existenz bedroht wäre, wenn sie sich öffentlich zu ihrem Atheismus bekennen würden.

    1. Gibt es alles, wenn dem Menschen Freiheit gelassen wird. Nun, auch die Pfarrerskinder wären zu nennen, allen voran Nietzsche. In dieser Hinsicht finde ich das Gleichnis vom Verlorenen Sohn so ansprechend: Der Vater zahlt dem Sohn sein Erbe aus – und lässt ihn ziehen, er schenkt ihm die Freiheit – sogar zu den Heiden zu gehen (in Jesu Zeit eine Provokation). Er muss ein schlechter Vater sein, dass er seinen Sohn nicht so erzogen hat, dass er gerne zu hause geblieben ist. Freiwillig zu Hause geblieben wäre. Nun, der Vater lässt ihn ziehen – und wartet auf dessen Rückkehr. In Liebe wartet er. Als er kommt, rennt er dem Unreinen, dem Schweinehirten entgegen und nimmt ihn in den Arm – für die frommen jüdischen Zuhörer Jesu ein Gräuel (Schweine-Hirte). Bei manchen – so könnte man das Gleichnis weiter erzählen – wartet er und wartet er und wartet. Der Zwang wird nicht von Gott ausgeübt – so wie Jesus es sieht (dem widersprechende Stellen müssten detailliert besprochen werden). Gott lädt ein. Da sind im Laufe der Kirchengeschichte viele seiner Nachfolger schon anderen Kalibers. Ich finde das Gottesbild Jesu, wie es in diesem Gleichnis durchschimmert, faszinierend.
      Nur kurz zu einem anderen Gleichnis, das Sie ansprechen – in einem anderen Statement: das vom Senfkorn. Jesus hatte keine Ahnung? Vielleicht sollte man das jedoch aus historisch-kritischer Perspektive lesen, das heißt auch hier: indem wir die zeit berücksichtigen, Jesu Intention usw. Dann müssen wir es mit seiner Reich Gottes Erwartung verbinden, denn das ist ja das Thema des Gleichnisses: Der Mensch soll – so sieht Jesus das Reich Gottes – das schon realisieren, was er von der Zukunft, die Gott herbeiführen wird – erwartet: Schalom (Wohlergehen, Gesundheit, Glück, Erfüllung, Gemeinschaft…). Aber: Der Mensch kann es nicht vollenden. Das muss Gott tun. Und genau das sagt das Gleichnis: Was Jesus gesät hat, das wächst zu einer Pflanze – dass es der Baum werden kann, das ist dann Gottes Part. Jesus war nicht so naiv zu glauben, der Mensch könne die heile Welt herstellen. (Vielfach wird das anders interpretiert – aber ich halte meine Interpretation für plausibler.)
      Gleichnisse sind übrigens Texte, die nicht unbedingt eindeutig ausgelegt werden können. Sie sollen den Hörer in das Gesagte hineinziehen. Indem er darüber nachdenkt, wird er zu einer Entscheidung gedrängt. Ein wenig vergleichbar mit den Koans im Zenbuddhismus: Indem die Schüler den Worten nach-denken, verinnerlichen sie die Aussage, werden Teil des Gleichnisses. Das zeigt auch das Gleichnis vom verlorenen Sohn deutlich, weil der ältere Sohn, dem das Gleichnis im Grunde gilt (die Frommen, die sich über Jesu Festfreude mit Sündern aufregen), am Ende selbst entscheiden muss: Nehme ich am Festmahl Teil oder nicht.

      Ihrer vielen Beiträge werde ich mich Stück für Stück annehmen – leider kann ich sie nicht rasch beantworten. Mir fehlt die Zeit.

Kommentare sind geschlossen.