Christen verändern die Welt (9): Literatur, Kunst, Musik

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Ich hatte meine Beurteilung des Buches von Schmidt gestern formuliert. Heute noch der angekündigte Nachtrag.

Christen waren verfolgt, mussten zumindest in Unsicherheit leben. Hier und da gibt es Ausdrücke ihrer Kunst vor dem 4. Jahrhundert – aber so richtig ging es erst los, als Christen durch Konstantin im 4. Jh. befreit waren.

Insgesamt beschränkte sich die Kunst vielfach auf Kirchen. Die berühmte Hagia Sophia – die auch Vorbild für Moscheebauten wurden – wurde mit goldbeschichteten (von Christen erfundenen) Glasmosaiken verziert. Und weil viele Menschen nicht lesen konnten, ihnen aber biblische Texte nahegebracht werden sollten, wurden sie vielfach als Kunstwerk in Kirchen angebracht. Die Fülle der Kunstwerke ist nicht aufzuzählen. Die Architektur: Kirchengebäude selbst waren Kunstwerke. Basilika – romanischer Stil – und dann das Wunder der Gotik. So etwas hatte die Welt bis dahin nicht gesehen. “Kathedralen waren in der Tat `Bibeln aus Stein und Glas´” (355) sie waren ein “herrliches Kleid christlicher Frömmigkeit und Anbetung” (Forsyth, 358). Und die Buntglasfenster – ob es sie schon vor dem 11. Jahrhundert gegeben hat, wird diskutiert – die ältesten sind im Augsburger Dom noch erhalten. Das Mittelalter war äußerst agil in der Entwicklung von Kunstwerken. Nicht erst die Renaissance. Aber auch diese hat “gewaltige christliche Kunstwerke” geschaffen bzw. beeinflusst. Genannt werden Michelangelo, Da Vinci, Raffael, Tintoretto, Dürer, Rembrandt. Dieser Kunst wird dann das entgegengestellt, was heute landläufig als Kunst gilt. Die gegenwärtige Kunst ist Aufstand gegen die wahre Kunst, der Mensch wird entmenschlicht, die Kunst lächerlich gemacht. Und die modernen Kirchen? Sie sind Symbol der Anpassung. Aber im Grunde lebt die Tradition weiter, sie wird rezipiert. Die funktionale Kunst der Moderne hat ihre Zeit – aber nicht ergreifende Größe. (Ich kommentiere das nicht. Ein Hinweis: Die gesamte christliche “Kleinkunst” kommt nicht in den Blick. Dazu s. Credo. Christianisierung Europas im Mittelalter.)

“Die christliche Kirche wurde singend geboren.” (Ralph Martin, 375) Musik spielt seit Anfang an eine große Rolle, das hat sie aus dem Judentum übernommen. Im Neuen Testament gibt es viele Lieder (Magnifikat, Benediktus, weitere bei Paulus…). Gesungen wurde vor dem Schlafengehen, dem Essen, wenn Abends die Öllampen hereingetragen wurden und natürlich in den Gottesdiensten, in denen zum ersten Mal Männer und Frauen gemeinsam sangen. Genannt werden der ambrosianische und der gregorianische Gesang. In den Kirchen wurden liturgische Dramen entwickelt (woraus unter anderem die Oper weiter entwickelt wurde). Im 10. Jahrhundert hat der Benediktinermönch Ubaldus Hucbald die Polyphonie eingeführt, im 11. Jahrhundert hat Guido von Arezzo die Notenschrift mit den Notenlinien erfunden, womit er ermöglichte, die Melodien aufzuschreiben und damit zu bewahren. (ut) do, re, mi, fa so la si = Anfangssilben/Worte eines Johannes-Hymnus (“Auf dass die Schüler mit lockeren Stimmbändern mögen zum Klingen bringen können die Wunder deiner Taten, löse die Schuld der befleckten Lippe, heiliger Johannes”). Diese beiden Mönche haben die Grundlage für alle weitere Musik im Westen gelegt (bis hin zur Johannespassion von Bach). Weiter werden die Motette, das Madrigal, das Anthem, das Oratorium, die Sonate, Sinfonie und Kantate, Passion und das Konzert angesprochen. Im Mittelalter sangen im Grunde nur noch die Chöre auf Latein – Luther hat das verändert – es sang die Gemeinde – auf Deutsch. Es werden Bach, Händel, Mozart, Beethoven, Mendelssohn-Bartholdy, Haydn, Schubert, Brahms, Bruckner und andere genannt. Mozart sagte, er habe sein Requiem für sich selber geschrieben. Auch Beethoven sagte: “Ich weiß, dass Gott mir näher ist als den anderen, und ich gehe ohne Angst zu Ihm.” Es werden ein paar berühmte Kirchenlieder vorgestellt. Dieser großen Tradition wird die Moderne gegenübergestellt. Dazu wird Plato zitiert: “Gebe mir die Lieder des Volks, und es ist egal, wer seine Gesetze schreibt.” Ich verstehe diese Aussage an der Stelle so: Wenn das Volk mit den Schlagern… befriedigt ist, kümmert es sich nicht um das Wesentliche. (Auch das kommentiere ich nicht intensiver. Es ist zu pauschal. Auch in unserer Zeit gibt es großartige Werke.)

Lehre und Schriften spielen im Christentum von Anfang an eine Rolle. Man denke an das Neue Testament. Schmidt zählt die unterschiedlichsten Gattungen der frühen Christenheit auf. Danach werden Eusebius genannt, der Geschichtsschreiber, Augustinus, der mit seinem Gottesstaat bis in die Moderne wirkt, Beda Venerabilis, mit dessen Geschichtswerk die Geschichtsschreibung als Wissenschaft beginnt – und die Formulierung Anno Domini (AD; n.Chr.) kam auf. Genannt wird Alkuin, Roger Bacon, der alles modern wissenschaftlich durchleuchtet, Dante, Erasmus, Luther, Thomas More, Calvin. Damit habe ich die Namen wiedergegeben – aber die ungeheure Bedeutung, die diese Verfasser für die europäische und zum Teil auch Kultur der Welt hatten, ist damit natürlich nicht ersichtlich. Man bedenke allein Calvins Einfluss auf Europa, die USA, Süd Korea… Ich nenne aus der Fülle weiterer Autoren nur noch Alexander Solschenizyn, das seine Wirkung auf den Westkommunismus hatte und “letztlich maßgeblich zum Untergang des Sowjetischen Reiches” beitrug (449). Von Anti-Intellektualismus des Christentums kann keine Rede sein. Schon Wulfila hat im 4. Jahrhundert nicht allein die Bibel übersetzt, sondern auch Aristoteles, Cassiodor schrieb im 5./6. Jahrhundert klassische griechische Werke ab. Wenn die Mönche nicht gewesen wären, wüssten wir heute kaum etwas über die klassische griechische und römische Literatur, so Schmidt.

In einem letzten Abschnitt werden Feiertage, Wörter, Begriffe, Symbole vorgestellt, die den Einfluss des Christentums auf die Menschheit darlegen.

Meine Beurteilung des Werkes von Schmidt: Wie das Christentum die Welt veränderte, habe ich Gestern dargelegt. Es lohnt sich zu lesen, wenn man einen Ersteindruck davon bekommen möchte, was in der Gegenwart aus atheistisch-ideologischen Gründen überwiegend verschwiegen wird.

Wenn es klappt, beginne ich morgen mit der Wiedergabe des Buches von Vidal Mangalwadi: Das Buch der Mitte. Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur, fontis-Verrlag 2015 3. Auflage

Impressum http://www.wolfgangfenske.de/ und www.blumenwieserich.tumblr.com

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