Kirchenbauten+leere Kirchen

P1040922 (In der Sankt Nicolai-Kirche in Wismar haben die Verantwortlichen auf den Säulenvorsprung eine kleine Vase mit Wicken gestellt. So etwas finde ich faszinierend, es zeigt die Liebe zu ihrer Kirche. Wenn man auf das Bild klickt, wird es deutlicher.)

Warum hat man die Kirchen so groß gebaut? Es wird gesagt: 1. Um Gott die Ehre zu geben und 2. um seine wirtschaftliche Kraft zu demonstrieren, kurz: damit zu protzen wie reich man ist. Ich würde noch einen 3. Punkt hinzuziehen: Weil man schlau war. Denn durch diese Bauten ist das Geld, das die Pfeffersäcke beiseite gelegt hatten, wieder in den Umlauf gekommen und hat die Stadt reich gemacht: Handwerker, Händler, … Im Grunde ist es das gewesen, was die Politik heute versucht: Den Privatleuten die Gelder aus der Tasche zu ziehen, indem sie immer neue teure Umweltschutzauflagen erlässt. Damals war es eben freiwillig zur Ehre Gottes.

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Kirchen werden aufgegeben, weil nicht mehr genug Besucher kommen, weil sich die Bevölkerungsstruktur ändert… http://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article118264291/Deutsche-Kirchen-entweiht-umgenutzt-abgerissen.html Nun, das muss überdacht werden, denn wie der Artikel zeigt, kann das auch damit zusammenhängen, dass die verantwortlichen Christen einfach andere Prioritäten setzen: Geld sparen, neue Strukturen ausbrüten, klagen über die Besucher, statt über die eigene Unfähigkeit – Leute, Leute: Kirche hat noch nie freiwillig ihren Raum preisgegeben. Sie hat vertrauend auf Gottes Geist neue Wege zu gehen versucht, in der Gesellschaft zum Guten hin zu wirken. Dieser Mut scheint manche zu verlassen.

Ich freue mich immer, wenn ich den großen Eifer der Christen in den “neuen Bundesländern” sehe, mit der sie ihre Kirchen lebendig erhalten: Sie nutzen die Räume zur Spiritualität, zur Verkündigung, zur politischen Bildung. Ich vermute einmal, dass es dort nur wenige sind, die sich voll engagieren – aber sie tun es. Und das finde ich klasse. Zumindest habe ich das dort kennen und bewundern gelernt, wo ich war. Und weil das zufällig überall war, wo ich auftauchte, würde ich es gerne verallgemeinern. Was auch parallel dazu zu beobachten war, war die offen zur Schau getragene Glaubensfeindschaft mancher. Und das weist eben darauf hin, dass Kirche dort im Bewusstsein der Leute ist.

Es kommt nicht darauf an, dass wenige eine Kirche besuchen. Es kommt darauf an, wie die wenigen den Raum füllen: Mit Liebe, christlichem Leben, Spiritualität genannt, Offenheit, Freiheit, natürlich: dem Wort Gottes – dem dankbaren Leben aus ihm.

Wenn wir Christen uns folgende Verhaltensweisen aneignen würden: zuhören, andere loben, sie stärken und trösten, zuvorkommend, respektvoll behandeln, fröhlich und dankbare Ausstrahlung – vor allem echte, nicht geheuchelte Ausstrahlung – haben, zusehen, wie wir Menschen in den Alltagsproblemen unterstützen können, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass wir allein unter uns bleiben. Freilich ist mir bekannt, dass es nicht einfach ist, durchzuhalten. Vor allem dann nicht, wenn schon ohne unsere Schuld eine massive Ausdünnung von Christen stattgefunden hat und viele Aufgaben auf wenigen Schultern liegen. Aber das muss uns doch nicht bekümmern, weil es nicht um uns geht, sondern um Gottes Sache – und er will, dass der Raum, in den er uns stellt, ausfüllen – mit den Gaben, die wir haben. Nicht als Tausendsassa, sondern als Mensch, der sich ganz in dem Bereich einsetzt, zu dem er begabt wurde.

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