6 Antworten auf „Gott“

  1. Gott ist von religiösen Menschen weltweit erfahrbar – und wird aus ihrer Tradition heraus interpretiert. Warum? Er ist der Erhalter der Welt. Sein Geist wirkt.
    Die Frage ist nur: Wer erfährt Gott, wer interpretiert seine Erfahrung richtig. Aus christlicher Perspektive interpretieren ihn die Christen richtig, die mit Gott in Beziehung stehen. Aber eben nicht alle Christen. Denn auch hier kann es überspannte religiöse psychische Aktivitäten geben. Schon im AT stellt sich die Frage: Welcher Prophet ist von Gott gesandt worden, welcher Prophet ist falscher Prophet. Entsprechend scheiden sich dann freilich auch die Geister. Auch hier: Es gibt keine Gottesbeweise.
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    Petter Moen (gestorben 1944), ein Mann aus der norwegischen Widerstandsbewegung, suchte in der Haft Gott. Aber: Er konnte – auch wenn er auf einmal an Gott glauben sollte – seinem Glauben nicht trauen. Er fragte sich: Wenn er nun anfangen würde zu glauben, dann wäre das psychisch aufgrund seiner Notsituation zu interpretieren. Und dann hatte er eine Christuserfahrung, eine Christusvision – und dazu schreibt er: „Dies ist ein wirkliches Erlebnis“. Und darauf kommt es an. Nun kann natürlich einer herkommen und weiterhin von Psyche usw. reden. Aber für Glaubende ist das eine Realität. Oder Simone Weil. Sie beschreibt die Anwesenheit Jesu Christi als Übermächtigung, die sicherer war als die Begegnung mit einem Menschen. Es gibt Erfahrungen, die unser kleines evolutionäres Hirn übersteigen.
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    Dann gibt es Menschen, die das für ihre Zwecke ausnutzen – so eben die „falschen Propheten“, die das aus welchen Gründen auch immer tun. Nicht nur Politiker und Päpste. Es gibt auch solche, die Pseudo-Religionen gründen, weil sie beobachtet haben, dass Religionen wirksamer sind als Philosophien usw. , oder es gibt sicher auch übersteigerte Psychische religiöse Aktivitäten. Das macht die Sache ja so schwer, das eine vom anderen zu unterscheiden. Aber das widerspricht nicht dem, dass es wirklich solche Gottes-Erfahrungen gibt. Zum anderen: Ich möchte Politiker und Päpste von solchen Erfahrungen nicht ausschließen. Zumindest pauschal nicht. Es gibt solche und solche.
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    Hier pauschal zu sagen: Das ist eine richtige Gotteserfahrung – das ist eine falsche usw. das kann man nicht machen. Es kommt auf den Einzelfall an. Und so lehrt Jesus schon eine gewisse Gelassenheit in dieser unterscheidenden Fragestellung – weil sie den Menschen übersteigt. Freilich wissen wir auch, dass es gefährlich sein kann, wenn Menschen andere in falscher Religiosität mitreißen. es ist ein äußerst kompliziertes Thema, das eben etwas verlangt, was im NT schon angesprochen wird: Geisterunterscheidung. Und das ist eine Gabe, die nicht jeder hat.

    1. Gott ist von religiösen Menschen weltweit erfahrbar – und wird aus ihrer Tradition heraus interpretiert. Warum? Er ist der Erhalter der Welt. Sein Geist wirkt.

      Nein, es sind ganz unterschiedliche Götter, die da „erfahren“ werden, je nachdem, wie die religiöse Gehirnwäsche vonstatten gegangen ist.
      Gäbe es tatsächlich einen Gott, dann wäre die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass alle Menschen aus allen Kulturen zu allen Zeiten sehr ähnliche Gotteserfahrungen machen würden. So aber ist klar, dass nur das „erfahren“ wird, was man den Menschen vorher eingeimpft hat.
      Außerdem würde ein Gott, der von allen Menschen erkannt werden will, sicherlich auch allen Menschen solcher Erfahrungen ermöglichen und nicht nur solchen, die eine bestimmte Disposition dafür in ihrer Psyche haben.
      Und vor allem würde er religiöse Eiferer, die für „seine“ Sache weitaus mehr Schaden anrichten, als sie nutzen könnten, in ihre Schranken weisen.
      Aber ganz offensichtlich wirkt ihr Gott eben doch nicht! Und um die „Erhaltung der Welt“ scheint er sich auch wenig zu scheren.

      1. Ich würde sagen: Transzendenz-Erfahrungen sind gleich – die Interpretationen sind verschieden. Hier erfahren wir wieder, was Gott machen müsste, wenn es ihn denn gäbe – ich lege als mensch meinen Maßstab an: Gott gibt es, wenn… / Es kann ihn nicht geben, weil…
        Dispositionen in der Psyche – das macht es zu einfach. Das wäre so eine Art Prädestinationslehre auf modern.
        Das bewundere ich eben an Gott, dass er uns Menschen Freiheiten lässt – sogar die Freiheit, ihn abzulehnen (vgl. Verlorener Sohn) und seinen Willen ins Gegenteil zu verkehren – im Namen Gottes. Ich stelle es mir als Mensch so vor, dass ihn das unheimlich schmerzen muss. Die Verwerfung Gottes durch Menschen, die fromm sind, im Namen Gottes, geschah ja nicht zuletzt Jesus. Das zieht sich durch die gesamte Kirchengeschichte weiter durch.
        Wenn sich Gott nicht um die Erhaltung der Welt scheren würde, bis er seine Schöpfung vollendet – dann wäre sie nicht mehr. Ich ahne schon, was Sie dafür wieder für Worte finden werden.

    2. Geisterunterscheidung. Und das ist eine Gabe, die nicht jeder hat.

      Jetzt wird es mal wieder lächerlich!
      Viele behaupten von sich, besondere religiöse „Gaben“ zu haben und im Nachhinein stellt sich ausnahmslos heraus, dass diese Menschen psychisch gestört waren, die einen mehr, die anderen weniger.

      Unheilvoll ist es aber dann, wenn solche Leute mit massiven psychischen Störungen, wie z. B. Paulus, einen zu großen Einfluss gewinnen.

      1. „Viele“ – nicht alle. Schön, mal wieder, so einfach zu beschreiben: Viele waren psychisch gestört – mal mehr, mal weniger. Das erklärt natürlich alles.
        Und dann geht es wieder gegen den armen Paulus. Vom Pferd gefallen, epileptische Anfälle, von der Mutter zu heiß gebadet… Nun denn, ihn macht das nichts mehr aus. Er hat sein wichtiges Werk getan – nun liegt es an den Nachfolgern Jesu es wie Paulus auf seine Weise nun auf ihrer Weise fortzuführen.
        Das ist übrigens auch altes rhetorisches Muster: Gegnern sagen: Psychisch krank… – dann muss man nicht mehr argumentieren. Ich mag übrigens Paulus. Habe mich auch viel mit ihm beschäftigt. Das wäre echt spannend, wenn wir noch herausbekommen könnten, wie die Geschichte Europas ohne Paulus abgelaufen wäre. Ich weiß – das ist eine für Geschichte unangemessene Frage – aber spannend wäre die Antwort.

  2. Man philosophiert über Gott:

    Wie soll das gehen? Man kann bestenfalls spekulieren, ob es einen Gott geben könnte und es muss bei Spekulationen bleiben, weil ein Gott nicht erfahrbar ist, alle so genannten Gottes“-Erfahrungen“ sind Illusion, was sich allein dadurch zeigt, dass diese „Erfahrungen“ immer kulturabhängig sind: ein im christlichen Kulturraum Aufgewachsener macht ganz andere „Erfahrungen“ als ein Jude, ein Muslim, ein Hindu oder ein Buddhist (obwohl die keine Götter haben, werden da trotzdem „Erfahrungen“ gemacht, die andere als „Gotteserfahrung“ ansehen würden) oder sonst ein Angehöriger irgendeines Gottesglaubens. Wären die Erfahrungen einheitlich oder auch nur ähnlich, könnte man dahinter eine außerindividuelle Ursache vermuten, so aber ist Illusion und Gehirnwäsche quasi bewiesen.

    ist er ein DU, ein anredbares und anzuredendes DU

    Jedes solcher Gespräche ist notwendigerweise ein Selbstgespäch. Je nach Grad des Wahns kann man sich allerdings auch eine „Antwort“ einbilden.

    Päpste und amerikanische Präsidenten sowie jede Menge Priester veräppeln ihre jeweilige Öffentlichkeit, wenn sie behaupten, mit ihrem Gott „Zwiesprache“ geführt zu haben. Auch das lässt sich zeigen, wenn nämlich z. B. Päpste in der Vergangenheit „Botschaften“ empfangen haben, die sich dann im Nachhinein als Irrtümer herausgestellt haben. Es ist ja mehr als einmal passiert, dass die Naturwissenschaften den Kirchen in die Suppe gespuckt haben, weil Letztere Jahrhunderte lang, „ewige Wahrheiten“ verkündet haben, die sich dann als Aberglaube herausgestellt haben.
    Ich denke, man kann ohne Übertreibung sagen, dass Menschen, die behaupten, ihr Gott habe ihnen etwas mitgeteilt, entweder Lügner oder einfach nur Irre sind. Manchmal allerdings auch beides.

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