10 Antworten auf „Weihnachtsansprache des koptischen Patriarchen“

  1. Es mag hier und da Täuschungen geben, aber das, was Sie vermutlich als Täuschung ansehen, ist eine Frage der Hermeneutik…

    Hermeneutik ist natürlich im Ergebnis sehr variabel. Häufig sieht es doch so aus, dass der Auslegende mit einer gewissen Vorabsicht an den Text herangeht und dann alles hervorhebt bis übersteigert, was seine Ansicht stützt und über alles hinweggeht, was diesem Zweck zuwiderläuft. Diese „Methode“ zieht sich durch die gesamte Literatur-„Wissenschaft“ und ist auch in der Theologie ein gern gesehener und häufig geladener Gast.

    Bleiben wir bei der Weihnachtsgeschichte. Warum formt man aus Mt und Lk ein Konglomerat und verkauft es dann den Gläubigen als historische Wahrheit?

    Warum macht man aus (erfundenen) Astrologen Könige und baut sie dann in den anderen Text ein ( Mt -> Lk)? Warum hängt man dann aber wieder die ebenfalls erfundene „Flucht nach Ägypten“ an die Lukas-Geschichte an?

    Und die wichtigste Frage überhaupt: Warum merken die Gläubigen nicht, dass ihnen hier ein Märchen aufgetischt wird? Es kann doch jeder im Original nachlesen, dass hier zwei ganz unterschiedliche Erzählungen zu einer neuen, dritten Version vermengt werden. Eine ganz banale Antwort wäre: Es liest kaum jemand nach und diejenigen, die es doch tun, machen sich entweder ihren eigenen Reim darauf („wieder etwas in der Bibel, was nicht stimmt“) oder es ist ihnen egal, weil sie lieber andere für sich denken lassen („wenn mein Pastor das anders erzählt, wird es schon seine Richtigkeit haben“)

    Fazit: Auch die geschickteste Hermeneutik kann offensichtliche Widersprüche nicht aufheben, ohne zur Lüge zu degenerieren.

    1. Warum merken die Gläubigen nicht, dass es Märchen sind?
      Weil es eben keine Märchen sind. Dahinter stehen Erfahrungen, das Leben ist damit verbunden. Es ist schlicht und ergreifend eine andere Gattung. Mythos ist kein Märchen. Sprache des Glaubens ist keine science fiction. Die ständige Wiederholung, das seien Märchen, ist das rhetorischer Art, um Menschen, die nicht unterscheiden können, zu verunsichern?

      1. Mythos ist kein Märchen.

        Auch die ständige Wiederholung dieser These macht aus den biblischen Geschichten noch keine historischen Ereignisse.
        Der wesentliche Unterscheid zwischen Mythos und Märchen dürfte darin liegen, dass bei Märchen jeder weiß, dass es sich um Erfindungen handelt und dass bei Mythen, weil sie so alt sind und aus einer Zeit stammen, in der Menschen noch an Magie und Zauberei glaubten, einige naive Zeitgenossen von heute auch die märchenhaften Mythen noch geglaubt werden.

        Aber die Weihnachtsgeschichte ist in der Tat kein Märchen: es sind zwei Märchen!

        1. In der Antike (ob das auch für China gilt, kann ich nicht sagen) gehörten Glauben, Wissenschaft, Geschichte, Reflexion … über diese zusammen. Entsprechend hat man eben Wissenschaft der damaligen Zeit, Geschichte usw. verwendet, den Glauben – denn er hängt ja damit zusammen – auszudrücken. Gott handelt in der Geschichte – und dieses Handeln Gottes in der Geschichte drückt man in Form eines Mythos aus. Gott handelt am Menschen – das Handeln Gottes drückt man in Form eines Mythos aus. Gott handelt indem er die Welt erschafft – und das drückt man in Form eines Mythos aus. Anders ausgedrückt: Diese Ebenen der Welterklärung gehören zusammen – darum verwendet man sie auch zusammen, um Gott und/oder Welt und/oder Mensch zu erklären.
          Das mag manchen fremd sein, vor allem, weil die Sprache des Glaubens nicht mehr geläufig ist oder von manchen nicht mehr akzeptiert wird. Aber das heißt ja nichts. Wir müssen sie eben wieder erlernen und versuchen, damit umzugehen. Müssen natürlich nicht. Aber wenn man verstehen will, sollte man es tun.

  2. Als ich in Jerusalem die unterschiedlichsten Formen des Christentums sah, war mir das eine sehr starke Anfechtung.

    Dann wurde mir bewusst: Ich bin nicht der Maßstab für das Christentum. So wichtig bin ich nicht, so wichtig ist keiner, dass alle nach meiner/unserer Pfeife tanzen müssten. Ich habe das zu sagen und zu tun, was ich aus meinem Glauben heraus verantworten kann.

    Gottes Garten ist kein englischer Rasen, aus dem ich als oberstes Grashälmchen größer herausrage als andere. Gottes Garten ist ein üppiger Bauerngarten.

    1. Gottes Garten ist kein englischer Rasen

      Durchaus nicht, „Gottes Garten“ ist voller Wildwuchs, „Un“-Kraut, Scheinfrüchten und giftiger Pflanzen.

      Und das Gift beginnt da zu wirken, wo man sich an alten, längst als falsch erkannten Märchen festhält und diese dann dem frommen Volk immer noch als reine Wahrheit auftischen will.

      Kein Wunder, dass immer mehr Menschen einen solchen Garten meiden.

        1. Darüber kann man sicher lange streiten, Tatsache aber bleibt, dass auch die biblischen Mythen erfundene Geschichten sind, die von manchen Theologen trotzdem als historisch wahr verkauft werden. Und das sehe ich als bewusste Täuschung an. Eine Religion, die bewusst auf Unehrlichkeit setzt, ist für mich nicht akzeptabel.

          1. Sie haben Recht: Religion, die bewusst täuscht oder bewusst auf Unehrlichkeit setzt ist auch für mich nicht akzeptabel. Aber da liegt ja dann auch das Problem. Was ist „bewusst“? Hier setzen ja auch die Auseinandersetzungen mit manchen Sekten/Sondergruppen an. Was bezwecken sie?
            Was christliche Theologen betrifft: Es mag hier und da Täuschungen geben, aber das, was Sie vermutlich als Täuschung ansehen, ist eine Frage der Hermeneutik…

  3. Nachdem auf Seite 1 schon drei Falschaussagen auftauchten (Adam und Eva, Geburt in Bethlehem, „Jungfrau“ Maria) habe ich aufgehört zu lesen.

    Bleibt nur die Frage: Glaubt der eigentlich selber, was er da erzählt oder täuscht er seine Zuhörer bewusst?

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