Schuld der Christen – Schuld von Nichtchristen

Angesichts der Schuld, die Menschen in der Vergangenheit auf sich geladen haben, können Christen nur für die Schuld der Christen sprechen. Haben sie das Recht, die Schuld von Nichtchristen – also, was Europa betrifft – derer, die sich von Gott abgewendet haben, mit auf sich zu nehmen? Dürfen Christen Nichtchristen auch in Hinblick auf Schuld vereinnahmen? Dürfen sie in ihr Schuldbewusstsein Menschen hineinziehen, die aus atheistisch/säkularen Gründen das religiöse „Konzept“ von Schuld ablehnen?

Wir können allerdings die Schuld aufgreifen, die damit verbunden ist, dass wir als Menschen so furchtbar versagen.

Christen können bekennen, dass sie nicht in der Lage waren, Menschen von Schuld abzuhalten, sei es durch Bildung, Erziehung.

Aber man muss auch beachten, dass wir die Möglichkeiten von uns Menschen, andere durch Bildung und Erziehung menschlicher machen zu können, nicht überbewerten. Wir sind alle nur sehr begrenzt in der Lage, auf andere einzuwirken. Zu meinen, dass Christen für die Schuld der Welt verantwortlich sind, auch für die Schuld der Menschen in ihrer Kultur, ist Arroganz, Überheblichkeit. So mächtig sind wir als Christen nicht, dass wir die Menschen in ihren vielfältigen Fazetten beherrschen könnten – und auch wollten. Entweder wir gehen davon aus, dass der einzelne Mensch für sein Versagen verantwortlich ist – oder die Kirchen sind für alles verantwortlich. Wenn das Letztgenannte richtig wäre, dann hätte das massive Konsequenzen: Kirchen müssen Menschen die Freiheit nehmen, selbständig und verantwortlich handeln zu können. Abgesehen davon, dass das nicht geht, ist dieser Ansatz: Kirchen sind an allem Schuld absurd.

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Freilich kann man fragen: Welche Strukturen tragen dazu bei, dass sich Menschen von den Kirchen und der Moral abwenden. Womit wir allerdings nicht nur in der Frage nach der Verantwortlichkeit der Vergangenheit wären, sondern auch der Gegenwart. Und der Mensch der Gegenwart wird es sich wie der Mensch der Vergangenheit verbitten, von der Kirche vorgeschrieben zu bekommen, wie man sich richtig verhalten solle.

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Überheblichkeit der Kirche zeigt sich auch darin, wenn sie meint, für alles und jeden verantwortlich zu sein und auch für alle stellvertretend die Schuld bekennen zu müssen. Was ist, wenn einer das nicht will? Wenn er seine Schuld selbst tragen will? Wenn er nicht einsieht, dass er schuldig geworden ist? Alle dem eigenen Schuldbewusstsein einordnen zu wollen, ist, wie gesagt, überheblich und wird dem Menschen in seiner Vielfalt nicht gerecht.

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Spannend finde ich, dass man brüsk ablehnt, dass Jesus Christus für meine Sünden gestorben ist, da ich selbst verantwortlich für mein Leben bin – dass aber gleichzeitig Menschen die Kirchen für alles verantwortlich machen, was in der Vergangenheit geschah. Damit befreien sie die Menschen von Verantwortung, schieben aber den Kirchen die Schuld zu. Die Menschen sind selbst verantwortlich. Was allerdings nicht die Frage verdrängen darf. Wo wurden Christen schuldig.

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Gegenwärtige gesellschaftliche Fehlentwicklungen müssen Menschen genauso verantwortlich tragen wie es in der Vergangenheit geschehen ist. Man kann rückblickend nicht sagen: Das Gute haben Menschen erreicht und das Böse ist Folge der Kirche. Eine solche Sicht ist undifferenziert und kurzsichtig.

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