USA gebiert ISIS + Politik reagiert wie?

Das ist schlimm, dass ich in meiner Beurteilung der Lage in Syrien Recht hatte. Angeblich gibt Biden zu, dass die ISIS Kind der USA und ihrer Verbündeter ist, um Assad zu stürzen – und dann haben sie sich selbständig gemacht: http://de.sott.net/article/15653-Joseph-Biden-gibt-zu-ISIS-ist-von-Amerika-geschaffen-um-den-Mittleren-Osten-zu-destabilisieren

Und das Schlimme ist: Wenn sie wirklich erst Sommer 2014 festgestellt haben sollen, dass ISIS eine Bedrohung wird – dann haben sie all das Morden der Islamisten, das Wüten gegen Christen und andere Minderheiten in Kauf genommen! Was für eine große, unermessliche Schuld diese Leute auf sich geladen haben! Nur um Assad zu beseitigen, haben sie in Kauf genommen, dass unschuldige Menschen obdachlos wurden, dass sie gejagt wurden, dass sie geköpft, gefoltert, als Sklaven verkauft wurden, dass Familien getrennt und Kirchen geplündert und gesprengt wurden… Man kann all das Schlimme, das diesen Menschen angetan wurde, Kindern wie Alten, Frauen wie Männern gar nicht schildern, so grausam war es. Gekreuzigt wurden sie und zu Tode geschleift, Hände wurden abgehackt… – und erst im Sommer 2014 hat man festgestellt, dass die ISIS zur Bedrohung wird! Und das Schlimme tut die ISIS nicht erst seit sie den Nordirak erobert hat. Das war schon lange vorher. Mein Blog gibt beredtes Zeugnis von nicht einmal den schlimmsten Zuständen, die diese Politiker zu verantworten haben. (Nicht einmal den Schlimmsten, weil ich nicht ganz so schockieren wollte.) Und wer hat das Giftgas propagandistisch eingeschätzt, um Damaskus zu bombardieren? Warum hatte diese keinen Erfolg? Weil Putin und der Papst und viele andere dagegen aufstanden? Und keine menschliche Institution wird sie zur Rechenschaft ziehen, denn sie gehören mächtigen und einflussreichen Staaten an: USA, Saudi Arabien, Katar, Türkei. Es ist wieder einmal eine Schande des Westens – dieses Mal, dass sich die USA als Handlanger der islamistischen-sunnitischen Staaten hergegeben hat, um den Alewiten Assad zu beseitigen, damit die Türkei ihren Machtbereich ausbauen kann. Ich habe Obama immer als Handlanger der islamistischen Staaten dargestellt. Vielleicht kommt das auch noch einmal ans Tageslicht, dass er einer war, warum auch immer. Das entschuldigt die Obama-Regierung nicht, sondern zeigt nur die Jämmerlichkeit. Den Beitrag der französischen Regierung und der britischen würde ich anders deuten. Es nimmt mich mit, dass ich wirklich Recht hatte. Ich wünschte, ich läge falsch.

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Und wie sieht es aus mit der Ukraine? (Liegt mit den Sanktionen eine Art Putin-Betsrafung vor, weil er in Syrien nicht pariert hat?) Wie sieht es aus mit Boko Haram? Man ist versucht zu sagen: Wer der US-Regierung noch vertraut, der ist selbst daran Schuld. Und es ist keine saubere Alternative in Sicht. Clinton gehört zu diesem Verein genauso dazu wie viele andere der Demokraten. Und die Republikaner – die sind auch keinen deut besser, wenn man bedenkt, was sie auch immer gegen Assad gehetzt haben. Das ist kein Plädoyer für Assad. Aber eins gegen die so genannte Weltmacht, die moralisch wieder einmal vollkommen versagt hat.

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Nicht nur Biden sagt das (wenn die Info oben stimmt) – sondern auch der Iran: http://www.jihadwatch.org/2014/10/islamic-republic-of-irans-supremo-us-and-uk-created-al-qaeda-and-the-islamic-state-to-fight-against-iran Und nun stellt sich, lieber Herr Steinmeier, die Frage: Wollen nun die Iraner mit den USA und den Saudis die Kastanien aus dem Feuer holen, die dem Iran zugedacht waren? Vielleicht, wenn man ihnen verspricht: Dann dürft ihr auch eure Atomwaffen bauen – vorausgesetzt, ihr setzt sie gegen Assad und Putin ein und nicht gegen uns! (s. Blogbeitrag: Grüne…)

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Nun kann man natürlich scheinheilig sagen: Assad ist Schuld, er hätte zurücktreten sollen! Das ist insofern scheinheilig, weil er nichts anderes gemacht hat, als fast alle Staaten auf der Welt gemacht hätten: Was Erdogan mit der Opposition macht und den Kurden gemacht hat, was Poroschenko mit den Rebellen macht, was der Iran mit der Opposition gemacht hat, was auch China gemacht hat und machen wird, wenn die Demonstranten nicht abhauen und klein beigeben. Dann kann man natürlich sagen: Aber Assad und Ahmadinedschad wurden nicht lupenrein demokratisch gewählt – die dürfen das nicht. Wer setzt das fest? Die USA?

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Politik reagiert: Naja – wird auch wieder vergehen!

Kräftige Worte von Thomas de Maiziere: Wir werden hart durchgreifen, weil wir es nicht dulden. Nun denn. Das wird auch wieder vergehen.

Wie kann er sagen, dass Menschen einer anderen Partei eine Schande für unser Land seien?: Das ist schon äußerst krass – um es sanft zu sagen, was sich Schäuble da arrogant leistet: https://www.facebook.com/hansolafhenkel/posts/833830083315400 

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Kreuzzügler töten+ISIS-Sklavinnen+Koran-Hermeneutik 3

Jeder Muslim soll einen Kreuzzügler töten und das so deutlich, dass man das mit der ISIS verbinden muss – so heißt es in einem Pamphlet der ISIS. http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/5542624/-islamischer-staat–ruft-zu-terroranschlaegen-auf-.html

Das wird ins Leere laufe und hat nur das Ziel das Zusammenleben zu stören und wenn Nichtmuslime Muslime aus Angst ablehnen, fühlen sie sich nicht richtig behandelt und wenden sich dann Extremisten zu, so die Vorstellung der Extremisten. Und da darf man ihnen nicht folgen. Angst und Misstrauen helfen nicht weiter – im Gegenteil.

Zum anderen haben sie unsere Medien noch nicht begriffen: Sie werden dann wie die offizielle Politik das nicht als zufällige Morde abtun, sondern als Morde von psychisch Kranken. So läuft das bislang immer: Wenn aus islam-religiösen Gründen Morde geschehen, dann wird der Täter als psychisch labil bezeichnet. Wir haben jedoch neulich von einem Psychiater gehört, dass die ISIS-Leute nicht psychisch krank sind, sondern fanatisch.

Und von Fanatikern darf man sich nicht einschüchtern lassen – und tut es schlicht und ergreifend nicht. Von ihnen lassen wir unser Zusammenleben nicht bestimmen.

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Für die ISIS sind Sklavinnen erlaubt, finden sie es doch im Koran (Sure 23): Die Menschen besiegter Gruppen dürfen getötet oder als Sklaven bzw. Sklavinnen behandelt werden: http://www.welt.de/vermischtes/article133193511/Die-Zwangs-Braeute-des-Islamischen-Staates.html Als Vorbild können sie sich sogar auf Mohammed berufen. Von daher wird es noch einmal umso dringender, dass Muslime eine neue Koran/Hadith-Hermeneutik finden. Denn diese Jungmänner-Religion ist eine Gefahr für jedes gesellschaftliche System.

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Manchmal ist es nicht so leicht zu unterscheiden, ob es sich um fromme Muslime oder um Islamisten handelt, so auch bei diesem Mann: http://www.jihadwatch.org/2014/10/islamic-apologist-zakir-naik-the-best-form-of-jihad-is-to-strive-and-struggle-against-non-muslims-using-the-teachings-of-the-quran Manchmal wird suggeriert, nur einige Islamisten haben schräge Ansichten. Nun, manchmal scheinen schräge Ansichten auch andere zu erfassen, wobei sie dann den Koran bzw. Teile des Koran wörtlich auslegen. Und damit sind wir wieder bei der Koran-Hermeneutik, die ich in den letzten Tagen intensiv angesprochen habe.

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Afflecks Argumente werden hier zerpflückt. Affleck hatte zum Beispiel gesagt, dass das ein Vorurteil sei, dass alle Muslime ihre Frauen schlagen würden. In dem Beitrag wird gesagt, dass Affleck übersieht, dass nicht behauptet würde, dass alle Muslime das tun würden, sondern dass in der Diskussion steht, dass der Islam = Koran das fordern würde – und zum Glück nicht alle Muslime das tun, was der Koran verlangt. Gleichzeitig: Muslime stehen nicht über den Islam = Koran, das heißt, sie dürften sich eigentlich gar nicht in dieser Frage entscheiden, weil es eben verlangt würde, sie stehen unter den Forderungen des Islam / Koran. http://europenews.dk/de/node/84837 Ähnlich argumentierte neulich auch Abdel-Samad: Gott sei Dank, würden nicht alle Muslime nach den Vorschriften handeln…

Diese Muslime, die sich gegen die Forderungen des Koran stellen, weil sie sie für unsinnig halten bzw. lieber nicht darüber nachdenken wollen, dass sie sie nicht für richtig halten, denen muss eine neue Koran-Hermeneutik zur Hilfe kommen, damit sie guten Gewissens ihren Weg der Freiheit mit dem Koran gehen können. Bislang ist es eher so, dass Muslime, die sich bewusst anders verhalten bzw. anders denken als der Koran vorgibt:

(a) Christen werden (wollen),

(b) Atheisten werden (wollen),

(c) unbegründet sagen: das sei fundamentalistisches/islamistisches Denken – um sich zu schützen,

(d) versuchen zu zeigen, dass die guten Worte im Koran zu betonen sind,

(e) bzw. versuchen, die alte Abrogation wieder neu zu verstehen: Heben spätere Verse des Koran die früheren auf oder nicht? (Sure 2,106)

(f) versuchen, etwas Unangenehmes als nicht mehr akzeptierte Sonder-Tradition anzusehen,

(g) lieber nicht daran denken bzw. rühren wollen.

Sicher gibt es noch mehr Versuche, mit den Spannungen umzugehen. Und diese Menschen mit einer neuen Koran-Hermeneutik zu erreichen, dürfte ein großes Ziel sein. Wobei sich manche dann fragen dürften, warum sie sich dann nicht doch lieber an das Original (Christentum) halten sollten, wenn es doch um Gott als Liebe geht und davon im Neuen Testament häufig geredet wird und im Koran so gut wie nie – oder ganz der Religion abschwören sollten, weil sie dann doch eher beliebig zu sein scheint: Wenn Allah es nicht wortwörtlich befohlen hat, warum sollte ich dann noch den Koran beachten? Eine Koran-Hermeneutik, die eine Konversion zulassen würde, die wäre echt ein Fortschritt. Der Preis wäre allerdings für Muslime sehr hoch: Die Kontrolle des Individuums durch die Umma würde nicht mehr funktionieren. Damit wären alle Sicherungen, die Mohammed um seine Glaubensgemeinschaft – damit ja keiner abfällt – gelegt hat, hinfällig. Aber wir sehen ja, dass es freiere Koran-Auslegungen gibt und diese Menschen sich weiterhin dem Islam zugehörig wissen.

Wäre das noch Mohammeds Islam? Diese Frage müssen Muslime beantworten – und so manche sagen – unter großen Risiken: Ja:  http://www.zeit.de/2013/43/sachbuch-koran-den-islam-neu-denken-katajun-amirpur

Zu vorangegangenen Hermeneutik-Fragen:

http://blog.wolfgangfenske.de/2014/10/13/minderwertigkeitskomplex-der-muslimetariq-ramadankoran-hermeneutik-2/ und

http://blog.wolfgangfenske.de/2014/10/11/islam-kritikerneuerungsbewegungen-im-islamkoranhermeneutik/ und:

http://blog.wolfgangfenske.de/2014/09/16/khorchideabdel-samadlars-hedegaard/ und:

http://blog.wolfgangfenske.de/2014/02/07/islam-und-gewalt/ und:

http://blog.wolfgangfenske.de/2013/12/26/koran-islambibel-christentum/

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Grüne+Osmanisches Reich

Grüne sollen tatsächlich dafür sein, dass deutsche Bodentruppen in Syrien einmarschieren? So lautete es in der Tagesschau am 13.10.14 – sind sie – wie der Bayer sagen würde – narrisch? Da ist ja Steinmeier noch sachorientierter, auch wenn er versucht, den Iran und Saudi Arabien zusammenzubringen, um gemeinsam gegen die ISIS anzukämpfen (auch laut Tagesschau). Sicher, das wäre vernünftig. Aber irreal: Saudi Arabien bekämpft Assad – Iran unterstützt Assad, Saudi Arabien bekämpft die Schiiten im Irak – der Iran unterstützt die Schiiten im Irak, die Schiiten haben Angst vor den Sunniten, weil sie von denen ständig drangsaliert werden. Es muss schon ein Wunder geschehen, wenn die beiden Staaten zusammenarbeiten würden. Vielleicht würden sie sich einigen: Wir einigen uns, wenn wir gemeinsam gegen Israel angehen können. Das wäre aus deren Sicht ein klasse Grund. Und wenn Israel beseitigt wurde, dann werden sie wieder aufeinander eindreschen. Erdogan hatte es ja schon versucht, den Iran einzubinden – als er sein Ziel intensiver verfolgte, das osmanische Reich Richtung Asien zu erweitern (vielleicht schon mit Blick auf die Isolation Syriens?). Nun möchte er allerdings Syrien haben – und es zerbrach die Scheinfreundschaft zwischen Türkei und Iran. Die ISIS ist für die Türkei übrigens nicht nur ein Unsicherheitsfaktor, sondern auch ein Instrument, Saudi Arabien aufzuregen, denn Teile gehörten einmal zum osmanischen Reich, das ein Erdogan doch auch nicht ungern wieder haben möchte. (Siehe unten das Video.)

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Die Türkei darf nicht militärisch in die Kämpfe eingreifen – da gehe ich ausnahmsweise mal mit der türkischen Regierung konform. Das wäre ein Unding, wenn die Türken im Kurdengebiet bzw. auf syrischem Gebiet militärisch agieren würden – das wäre einer Besatzungsmacht gleich.

Dass sie allerdings die Kurden zurückhält, die kämpfen wollen, das ist schwerer zu beurteilen. Sind die Kurden Kämpfer oder wären sie nur Kanonenfutter? Dass die Türkei ein Faible für die ISIS hat, das muss inzwischen nicht mehr betont werden. http://www.jihadwatch.org/2014/10/turkey-releases-jihadist-who-tried-to-murder-danish-counter-jihadist-lars-hedegaard

Interessant ist, dass die US-Regierung ständig etwas von sich verlautbaren lässt, was dann die anderen Staaten dementieren, so auch die Türkei: Sie dementiert, dass die Verhandlungen zu einem Ergebnis gekommen seien, der USA einen Flughafenstützpunkt zu gewähren, um gegen die ISIS zu kämpfen. Das lässt viel Raum für Spekulationen: Stimmen die Aussagen der USA – aber den jeweiligen Ländern ist eine Veröffentlichung nicht so lieb, weil sie die Bevölkerung lieber im Glauben lassen wollen, es sei alles ganz anders?

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Schöpfer erschaffen…

abend

Ich wurde gefragt, wer den Schöpfer erschaffen habe.

Niemand. Aus christlicher Sicht ist Gott per definitionem ewig. Und wenn die Schöpfung ewig wäre, dann wäre die Schöpfung Gott.

Schöpfung kann nicht ewig sein, da laut Wissenschaft nicht etwas aus dem Nichts entstehen kann – alles hat eine Ursache. Das heißt also, dass Gott keine Schöpfung sein kann, weil auch er nicht aus dem Nichts entstanden sein kann, nicht verursacht wurde. Aber es gibt ja Schöpfung – also muss sie verursacht worden sein – durch etwas/jemanden, der selbst nicht geschaffen ist.

Es gibt also Schöpfung und Nichtschöpfung – Transzendenz genannt. Lässt sich Transzendenz denkerisch belegen? Ja, denn Materie besteht aus Atomen. Atome reagieren nach Gesetzmäßigkeiten. Und da Atome rein nach Gesetzmäßigkeiten reagieren, haben sie keinen Willen. Und wir Menschen haben einen Willen, wir können nachdenken usw. – das heißt: Das Denken als Denken weist uns auf etwas hin, das den natürlichen Gesetzmäßigkeiten nicht unterworfen ist.

Wie kann es dazu kommen? Ist es wahrscheinlich, dass Materie, Raum, Zeit und dann noch Leben (atmende Materie) und Denken und auch ein Leben gegen die Bedürfnisse der Natur usw. zufällig entstanden sein kann, nachdem etwas aus dem Nichts entstanden ist? Wie wahrscheinlich ist das aus wissenschaftlicher Sicht?

Ich denke, damit haben manche erst einmal genug zu denken.

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Grundsätzlich gilt jedoch aus der Perspektive des christlichen Glaubens der Versuch, Gott philosophisch zu beweisen, nicht viel. Gott muss sich selbst offenbaren, sich zeigen, sich dem jeweiligen Menschen kundtun. Von daher sprechen wir von Gottes Offenbarung in Jesus Christus. Doch die bloße Rede davon ist, wie Paulus aus der Perspektive von Juden und Menschen aus den Völkern formuliert: töricht und ein Ärgernis.

Doch wie kommt es, dass Christen dennoch glauben? Hier spielt nun der Heilige Geist eine große Rolle: Dieser eröffnet dem Menschen eine neue Perspektive. Und wenn der Mensch diese wahrnimmt, kommt es für das jeweilige Individuum zur Selbstoffenbarung Gottes.

Und das kann ganz unterschiedlich ablaufen – je nach Individuum: ein Aha-Erlebnis, ein Hineinwachsen, ein logisches Erwachen, durch Träume oder manche haben es gar durch Nahtoderlebnisse, manche durch Schutzerfahrungen, manche Menschen werden auf einmal von Gotteserfahrung durchströmt, von ihr ergriffen…

Aus dem Glauben heraus kann man dann überall Spuren Gottes erkennen – sogar, wie ich vor ein paar Wochen dargestellt habe: die Schönheit und – das Denken.

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Minderwertigkeitskomplex der Muslime+Tariq Ramadan+Koran Hermeneutik 2

Ein interessanter Artikel von der Muslima Sineb El Masrar zu den Minderwertigkeitskomplexen von Muslimen: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article132542401/Die-Opferrolle-der-Muslime-in-Deutschland-nervt.html Es geht nicht um die Frage, ob Muslime sich durch ihren Glauben überlegen fühlen oder nicht, sondern dass sie sich nicht genügend gegen die Islamisten einsetzen, dass sie sich in der Opferrolle sehen, statt aktiv zu werden, dass sie klagen, nicht genug Geld zu haben, aber die Islamisten in Geld zu schwimmen scheinen, dass Konvertiten kommen mögen, aber nicht diejenigen, die von Freiheit und Eigenständigkeit überfordert sind und durch ihre Konversion den Islam als rückständige Religion erscheinen lassen.

Mit Sineb El Masrar würde ich mich gerne einmal unterhalten – über die Grundlagen des Islam wie sie sie sieht.

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Tariq Ramadan sieht Fehler nicht nur bei der ISIS, sondern auch bei anderen Imamen, die sich zum Sprachrohr von Diktatoren machen: http://www.aljazeera.com/programmes/talktojazeera/2014/10/tariq-ramadan-isil-not-islamic-2014101015462542487.html Ich finde dieses Interview mit Tariq Ramadan sehr interessant: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43103178.html – allerdings ist es von 2005.

Hier wird ein Interview zum Thema Koran-Hermeneutik geführt, in dem gesagt wird, man solle nicht den Wortlaut des Koran-Rechts beachten, sondern die Absichten: http://de.qantara.de/content/islamisches-recht-und-ethik-wir-fordern-eine-erneuerung-der-koran-interpretation Für die Rechtsfindung, so hören wird dort, darf man sich nicht allein auf die Schriften stützen, sondern muss die Lebenswirklichkeit einbeziehen. Und das ist alles spannend, weil dem wörtlich interpretierten Koran nicht zugetraut wird, in der Moderne anzukommen. Den Koran wörtlich interpretieren, hilft nicht weiter, man muss – auch in Fragen des Zusammenlebens der Geschlechter, den Grundzug erkennen: Barmherzigkeit und Liebe – und von da aus die Lebenswirklichkeit der Menschen in den Blick bekommen – also nicht mit dem Wortlaut aus dem Koran. Das gehe nicht.

Wenn man das alles liest, dann staunt man, weil die Koran-Kritik der Nichtmuslime in Europa als islamophob bezeichnet werden würde, würde sie das sagen. Kurz:

Der Koran und Ahadith helfen nicht – sie helfen nur, wenn man ihren eigentlichen Kern herausarbeitet. Der eigentliche Kern ist aus der jeweiligen Lebenszeit zu verstehen. Das heißt: Im Koran und Ahadith sind keine grundsätzlichen Lebensregeln relevant, sie helfen weder einen modernen Staat zu kreieren, noch das Recht zu reformieren, noch das Zusammenleben der Muslime mit Nichtmuslimen bzw. der Menschen untereinander zu regeln. Das geht erst, wenn man einen Kern herausgearbeitet hat, die wahre Absicht des Koran/der Ahadith.

Ein am Koran und an den Ahadith hängender frommer Muslim mag dann fragen: Und was ist der Maßstab, um dieses als Kern herauszuarbeiten und nicht als Kern: Allah will, dass man seine Herrschaft auf Erden wie es im Koran und in den Ahadith geschrieben ist, durchsetzt? Kann die moderne Lebenswirklichkeit Maßstab sein?

Dem Zusammenleben der Menschen würde diese Hermeneutik sicher sehr hilfreich sein. Von daher ist sie zu unterstützen, aber wohl wissend, dass sie wohl kaum eine Chance hat, sich in absehbarer Zeit durchzusetzen.

Christen haben in ihrer Theologie die Pneumatologie. Das heißt: Der Geist Gottes leitet die Gemeinde – und hilft auch in der Interpretation der Heiligen Schriften – von daher können sie, auch vom Neuen Testament her gesehen, nie Gesetz im muslimischen Sinn sein. Muslime haben dieses Hilfsmittel nicht. Sie haben den Koran – und der ist wörtlich zu interpretieren, wenn auch die wörtliche Interpretation faktisch immer zeitgebunden ist. Wir können nicht aus unserer Haut fahren.

Wenn den Koran-Reformern das gelingen würde, vielen zu verdeutlichen, dass Interpretation immer eine Zeiterscheinung ist, dass der Koran nie fertig interpretiert ist, dass es Fortschritte gibt in der Erkenntnis der Bedeutung der Worte Allahs, die durch Mohammed niedergeschrieben wurden, dann wäre man wirklich ein Stück weiter. Aber das werden die Ahadith verhindern, denn sie zurren ein enges Netz um den Koran. Und so muss in einem weiteren Schritt eine neue Hadith-Interpretation Fuß fassen. Zudem: Die neue Koran-Interpretation darf sich nicht zu weit von dem wörtlichen Verstehen entfernen, denn da kommen dann viele Muslime wohl kaum mehr mit.

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Man kann natürlich fragen: Was soll eine solche Diskussion, während gleichzeitig überall in islamischen Ländern auf Minderheiten furchtbarer Druck herrscht. Wir leben nicht nur in der Gegenwart, sondern wir gehen davon aus, dass wir in unserer Gegenwart die Weichen für die Zukunft stellen können. Und die Probleme der Gegenwart lassen sich nicht mit einem Handstreich lösen, sie müssen Schritt für Schritt gelöst werden, damit die kommenden Generationen bessere Bedingungen haben. In dieser Hinsicht kann man fragen: Aber gibt es dann noch christliche Gemeinden in islamischen Ländern? Abgesehen davon, dass man eben wirklich nicht auf einen Schlag die Bedingungen in der Gegenwart verändern kann, ist die Antwort: Ja, denn Gott, den Jesus Vater nennt, ist Herr der Gemeinde und er wird sie auch wieder in islamischen Ländern etablieren. Zudem: Man sollte es nicht meinen: In ihnen gibt es überall Christen auch wenn manche es hier nicht wahrnehmen können. Und gerade die Verfolgung durch äußerst fromme Muslime (nicht Islamisten) öffnet manchen Muslim die Augen für die Bedeutung des christlichen Glaubens. An uns liegt es, die Versuche mancher Muslime, einen neuen Weg in der Koran-Hermeneutik zu finden, zu unterstützen. Auch wenn man an einem Gelingen zweifelt.

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Flüchtlingspatenschaften

Man beachte, was ich am 2. Juli 2011 geschrieben habe: http://blog.wolfgangfenske.de/2011/07/02/ekd-schneider-einwandererpatenschaften/ : „Könnten die Kirchen nicht eine Art Einwandererpatenschaften vermitteln?“ Und am 1. Juli 2013: http://blog.wolfgangfenske.de/2013/07/01/plusdeutschekampf-gegen-feuerwehrasyl-gesetz/ habe ich das Thema Patenschaften vertieft.

Manche sind aus ideologischen Gründen dagegen. Aber es muss sein, damit es besser wird. Alles andere ist Verweigerung, Realität anzuerkennen.

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