
Roboter werden immer menschlicher. Sie menschlich zu machen, ist auch das Ziel der Entwickler, weil Menschen sie dann leichter akzeptieren. Wenn sie „menschlicher“ aussehen, werden sie auch eher als „Haushaltshilfe“ gekauft werden. Je besser diese Haushaltshilfe sein wird, desto stärker wächst die Beziehung zu „ihr“, weil der Mensch schon jetzt einfache Geräte mit menschlicher Stimme schon als „Partner“ ansehen kann. Er begrüßt morgens Alexa / Siri, sagt tschüss Alexa / Siri, sagt da bin ich wieder Alexa / Siri – und es antwortet immer eine menschliche Stimme. Technische Geräte werden zu Ersatzmenschen, „Wesen“, mit denen man kommuniziert und eine soziale Beziehung aufbaut. Menschen fühlen sich wohler, wenn sie in ihre Einsamkeit hinein eine menschliche Stimme hören. Sie kommen nicht in eine leere Wohnung, auch wenn die Wohnung leer ist, aber es ist eine freundlich begrüßende Stimme da. Ist das Selbstbetrug? Schädlich? Gut?
Die Frage, die sich stellt: Was macht das mit uns Menschen? Letztlich ist das auch eine ethische Fragestellung – darüber hinaus eine Fragestellung, die christlich durchdacht werden muss. Der christliche Glaube ist sozial orientiert. Der Glaube fordert den wenn auch anstrengenden Umgang mit anderen, man kann von anderen verletzt werden und verletzt andere. Was ist also, wenn diese soziale Orientierung wegfällt und an die Stelle des Menschen ein Roboter (oder auch ein Tier) tritt, der nicht widerspricht, keine eigenen Bedürfnisse hat? Eine menschenlose Liebe? Aber ist das nicht auch sozial wertvoll, wenn Menschen mit Technik, wie Alexa, Wohlbefinden bekommen?
Aber: Aber leben wir nicht schon visuell in anderen Welten, so durch wunderbare Naturfilme, Reisefilme im Fernsehen, durch Fotos von Städten, Menschen, Tieren? Leben wir bei deren Ansichten nicht auch manchmal in anderen Welten? Oder eben durch Bücher, Gemälde – schon damals in den Kirchen: Eintauchen in die Welt von Jesus Christus?
Es ist zutiefst menschlich, die Fähigkeit zur Imagination, zum Träumen, Staunen, Miterleben. Problematisch wird alles nur, wenn diese das Leben in einer realen Welt ersetzen, wenn wir uns mit diesen Welten zufrieden geben, uns nicht mehr um das soziale Miteinander kümmern. Das Problem ist also nicht das Medium. Das Problem ist: Wie stehe ich als Person dazu. Entfremdet mich diese imaginierte Welt vom Menschen oder hilft sie mir in meinem Leben, auch im Zusammenleben mit anderen Menschen?
Der Mensch hat diese wunderbare Gabe, in Wunschwelten zu fliehen. Das Gehirn schützt so den Menschen vor dem Zusammenbruch. Wir haben die Gabe auch aus taktischen Gründen: Wenn ich mir vorstellen kann, wo Gefahren lauern, meide ich diese Stelle, wenn ich mir vorstellen kann, dass es irgendwo Nahrungsmittel gibt oder Wasser, dann suche ich diese Stelle. Mein Gehirn will sich vorstellen, mit welchen Menschen ich überleben kann, welche Menschen mir schaden. Das Gehirn ist zum Teil ständig aktiv, es will etwas zu tun haben. Darum sind wir kreativ, malen, erzählen Geschichten, lernen Gedichte, all das hilft, unsere Welt zu deuten. Das Gehirn, das unterbeschäftigt ist, kann auch negative Folgen haben: sich übermäßige Sorgen machen, sich ausdenken, wie anderen zu schaden ist, wie der Mensch sich das aneignet, was ein anderer hat. Jeder kennt das.
Die Frage ist immer: Bin ich der Souverän meines Gehirns? In diesem Zusammenhang ist auch die Reich-Gottes-Lehre von Jesus spannend: Wir Menschen stellen uns eine wunderbare Welt Gottes vor – aber es ist nicht im Sinne Jesu, dass wir uns darin verlieren, sondern jetzt schon sozial so leben, dass es dieser wunderbaren Vorstellung vom Reich Gottes entspricht. Die Imagination dient nicht der Weltflucht, sie dient dem sozialen Miteinander aus der Kraft Gottes, aus der Vorstellung dessen, was Gott schenken wird.
Gott hat uns die wunderbare Gabe gegeben – aber er hat uns auch die Gabe gegeben, Herr unserer Sinne und des aktiven Gehirns zu sein. Verliere ich mich in den Sorgen – oder lege ich mich in Gottes Hand? Entsprechend ist es auch mit den technischen Errungenschaften: Beherrsche ich sie oder lasse ich sie über mich herrschen?
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