Karsamstag

Politik in der grausamsten Form:
kalte erhitzte Vernichtung des Menschen,
blindwütig barbarische Beseitigung Gottes.
Bösartig, Lust an Erniedrigung und Zerstörung.
Gut gemeint, manchmal, zum Wohl der Menschen,
im Namen von Gottheiten und Antigottheiten,
im Namen menschlicher Arroganz und Macht.

Niemand muss für mich sterben

Im Halbdunkel der kleinen Kirche saß Jonas allein in der letzten Bank. Die Worte wollten ihm nicht aus dem Kopf gehen: Für mich muss keiner sterben. Es klang trotzig, fast stolz. So hatte er immer gedacht. Was er getan hatte, das würde er selbst tragen. Er war doch verantwortlich für sein Leben.

Draußen zog der Wind durch die noch kahlen Bäume, und irgendwo klapperte eine lose Tür. Jonas verschränkte die Arme. „Ich stehe für das ein, was ich angestellt habe“, murmelte er leise vor sich hin, als müsste er sich selbst überzeugen.

Doch dann fiel sein Blick nach vorn, auf das schlichte Kreuz. Er wusste nicht genau, warum er heute hierhergekommen war. Vielleicht, weil dieses Gefühl ihn nicht losließ – dass es Dinge gab, die er nicht in den Griff bekam. Gedanken, Reaktionen, Fehler, die sich wiederholten, obwohl er sie längst hinter sich lassen wollte.

Er erinnerte sich an ein Gespräch aus seiner Studienzeit. Ein Professor hatte gesagt: „Der Mensch ist nicht Herr in seinem eigenen Haus.“ Damals hatte Jonas darüber gelacht. Heute fühlte es sich anders an. Es war, als würde ein Teil von ihm Dinge tun, die ein anderer Teil gar nicht verstand.

„Ich verstehe mich nicht einmal selbst“, flüsterte er.

Die Stille antwortete nicht. Und doch war da etwas, das ihn weiterdenken ließ. Wenn er sich selbst nicht vollständig begreifen konnte – wie sollte er dann alles in Ordnung bringen, was schiefgelaufen war? Wie sollte er für alles einstehen, wenn er nicht einmal wusste, woher manches kam?

Sein Blick blieb am Kreuz hängen.

„Und wenn es doch jemand getan hat?“, dachte er plötzlich. Nicht als fertige Überzeugung, eher als vorsichtige Frage.

Was, wenn dieses „Für dich“ nicht bedeutete, dass er sich drücken durfte – sondern dass jemand für etwas einstand, das größer war als er selbst? Größer als sein Verstehen. Größer als seine Kraft.

Jonas lehnte sich zurück. Zum ersten Mal fühlte sich sein Trotz nicht mehr stark an, sondern eng. Begrenzend. Vielleicht war es gar kein Zeichen von Stärke, alles selbst tragen zu wollen.

Vielleicht war es eher eine Erkenntnis, zu sehen, dass man es nicht kann.

Und wenn das stimmte – dann musste es auch etwas anderes geben. Etwas, das größer war als dieses Scheitern. Größer als das, was ihn von sich selbst und anderen trennte.

Er schloss die Augen.

Wenn es eine Tiefe gab, die er nicht begreifen konnte – dann vielleicht auch eine Liebe, die genauso unermesslich war.

Der Wind draußen hatte aufgehört. Die Tür klapperte nicht mehr. Und in der Stille blieb ein Gedanke zurück, leise, aber klar: Ich muss nicht alles tragen, weil Gott mich liebt. Ich darf verstehen lernen, dass ich es nie allein konnte. Gott, wie unermesslich groß ist Deine Liebe.

(Diesen Text machte Chatgpt, nachdem ich eines meiner Gedichte eingegeben hatte mit der Bitte, daraus eine kurze Erzählung zu machen.)

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutzerklaerung/ Und: https://gedichte.wolfgangfenske.de/paul-claudel-1868-1955/

Rembrandt: Christus am Kreuz / van Eyck: Anbetung des Lammes

Manche Menschen sehen – und sehen gleichzeitig nicht.

Ging es wirklich um das Geld?

Rembrandt hat häufiger Christus am Kreuz gemalt und gezeichnet. Die Bilder zeigen seine Auseinandersetzung mit seiner eigenen Schuld, Erlösung, Gnade, Befreiung.

*

Der Genter Altar: Die Anbetung des Lammes von Van Eyck.

Zu diesem Werk, das von den Nationalsozialisten geraubt worden war und in dem Stollen einer Mine entdeckt wurde, schreibt Jennifer Lesieur: Rose Valland und die Liebe zur Kunst, München 2024, 112:

„Im Halbdunkel des Bergwerks richtete Rorimer seine Lampe auf ein großes Tafelbild. Die Anbetung des Lamm Gottes erstrahlte, als hätte sie (sic) einen goldenen Heiligenschein. Die Soldaten hielten inne vor der ruhigen Erhabenheit des Werks der Brüder van Eyck aus dem Jahr 1432, das mehrmals gestohlen wurde, bis hin zu seiner letzten Entdeckung in Pau. Der Krieg hatte dem wertvollen Altarbild zugesetzt; eine der Tafeln war umgedreht worden, um als Vespertisch zu dienen, eine andere hatte einen Riss…“

Ja, das Kunstwerk ist als solches wunderbar. Aber es darf nicht übergangen werden, dass in diesem Kunstwerk der Glaube der Künstler zum Ausdruck kommt. Die Präzision, mit der gemalt wurde, zeigt, dass Gott als Schöpfer meditiert und gelobt wurde. Auch die Feinheit, mit der Adam und Eva gemalt wurden: ein Lob auf Gott, den Schöpfer. Gott ist in der Schöpfung, in seinem Ebenbild, anwesend. Im Mittelpunkt des Werkes steht Jesus Christus, das Lamm. Zu diesem Erlöser kommen alle möglichen Menschen. Er ist das Zentrum, nicht die Mächtigen sind es, das Lamm ist es, das Hinzuströmen zu Christus ist nicht abhängig vom gelebten Schicksal. Die Vision der Seligen, das himmlische Jerusalem – die eröffnet der Altar. Das Bild ist ein Fenster in die Herrlichkeit Gottes – allerdings eben als die Herrlichkeit des leidenden, aber stolzen, den Betrachter anblickenden Lammes. Zudem sehen wir hinein in die Heilsgeschichte – wir betrachten die Verkündigung des Engels an Maria, dass sie den Erlöser gebären wird. Während die Menschen im Bild selbst nichts davon mitbekommen, ihrem Alltag nachgehen. Hat er die Engel tatsächlich sozusagen polyphon singen hören? Erkennbar wird eine visuelle Polyphonie, die Vertikalschicht, die Gleichzeitigkeit des Gesangs der Töne.) In dem Beitrag wird dargelegt, dass die Welt damals im Umbruch war, politisch, wissenschaftlich – und das Kunstwerk van Eycks gibt das selbst wieder. Und eben in dieser Welt des Umbruchs, so ist weiterzuführen, bleibt eines konstant: Gottes Handeln in Jesus Christus.

Der Glaube war es, der die Künstler angespornt hat, so gut sie können („als ich can“ – Jan van Eyck) ein Wunderwerk zu schaffen.

Das Bild ist eine Brücke – manche betrachten nur die Brücke – wagen es aber nicht, hinüberzugehen. Aber schön ist es, dass sie zumindest das Gemälde als Gemälde würdigen, und es nicht verachten, auch wenn sie die eigentliche Aussage nicht wahrnehmen wollen / können.

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutzerklaerung/ Und: https://gedichte.wolfgangfenske.de/paul-claudel-1868-1955/

Kreuzigung

Gekreuzigt wurde der Mensch,
der sich gegen den Staat,
damit gegen die Gemeinschaft vergangen hat.
Gekreuzigte sind tot.
Gestorben in Einsamkeit.

Christus wurde stellvertretend gekreuzigt für uns Menschen,
die sich gegen Gott vergangen haben,
weil sie von ihrem Wesen her Sünder sind.
Die mit Christus Gekreuzigten leben.
Hineingenommen in Gemeinschaft des Auferstandenen.

Thomas Coram (1668-1751)

Quellen: https://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Coram und: https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Coram Zu der Reihe: Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/01/03/menschen-die-sich-nicht-unterkriegen-liessen/

In meiner Beschäftigung mit Menschen, die sich nicht unterkriegen ließen, stieß ich auf Thomas Coram. Sein Vater war wohl Kapitän, sodass Thomas mit 11 Jahren zur See ging, auf dem Schiff eine Schulausbildung bekam. Seine Mutter war schon 1671 gestorben. In den USA gründete er eine Werft. 1700 heiratete er Eunice Waite. 1703 wollte er eine Schule stiften, wenn die Bevölkerung eine anglikanische Kirche wünschen sollte. Es ging ihm darum, das Gebiet an die Anglikanische Kirche anzubinden, damit auch darum, die christlichen Werte zu verbreiten. Soweit ich mitbekommen habe, blieb es bei diesem Versuch. Er stiftete der Bibliothek Bücher, wovon ein Gebetsbuch heute noch vorhanden ist. Coram war Mitglied der Society for Promoting Christian Knowledge (SPCK), das heißt es geht darum, dass Menschen nicht nur Nahrung benötigen, sondern auch eine christliche Erziehung, Bildung. Ein Kind, das gelernt hat, die Bibel zu lesen, wird Bürger, nicht Krimineller. Die SPCK (1698 gegründet) versorgte Menschen in sämtlichen Kolonien mit Büchern und ist bis heute ein wichtiger Verlag. (Vgl. Bertelsmann – heute Bertelsmann/Random House – in Deutschland 1835 hatte auch einen pietistischen Hintergrund. Auch eine spannende Geschichte.)

Als er 36 Jahre alt war ging er zurück nach London, wirkte als Geschäftsmann, war Kapitän auf einem Handelsschiff. Vor Cuxhaven strandete sein Schiff, was dann geplündert wurde. Er war politisch engagiert, sowohl mit Blick auf Kolonien Deutschlands und den Niederlanden und Georgia/USA. Er war sozial engagieret, so darin, arbeitslose Handwerker in Kanada anzusiedeln. Der Gründer der SPCK, Thomas Bray, hat mit Coram soziale Verbesserungen in Teilen der USA geplant.

Seine Reisen führten ihn immer wieder nach London, und so war er entsetzt darüber, dass Säuglinge auf Straßen ausgesetzt waren und starben. Den Kindern wurde nicht geholfen, weil man dachte, dass Almosen im Grunde keine Wirkung haben würden. Er selbst sah sich außerstande, das Problem allein bewältigen zu können. 17 Jahre setzte er sich dafür ein, dass ein Krankenhaus für solche Säuglinge mit einem Waisenhaus gegründet wird. Ebenso war es für arme Mütter gedacht, die ihr Kind nicht versorgen konnten. Er hat viele Frauen höheren Standes dazu gebracht, sich dafür einzusetzen. Damit wurde die erste gemeinnützige Wohltätigkeitsstiftung der Welt gegründet, wie es im dt. Wikipedia heißt. Er sah es als christliche Pflicht an, den Unschuldigsten der Unschuldigen zu helfen, sie zu vernachlässigen sei Sünde, die von Gott gerichtet werden würde. Der Einsatz für die Kinder ist Auftrag Gottes zum Wohl des Landes. 1739 wurde es vom König genehmigt, es wurde Geld gesammelt und schließlich wurden auch Häuser gekauft, gemietet bzw. gebaut. 1745 war ein Teil des Krankenhauses gebaut worden. Auf die Kapelle wurde auch sehr viel Wert gelegt, da sie in ihr Gottes Nähe spüren können, spüren können, dass sie vor Gott wertvoll sind, auch wenn Menschen sie ausstoßen. Der Maler, Karikaturist und Schriftsteller William Hoghart setzte sich mit dafür ein, wie auch der Komponist Händel. Hoghart malte unter anderem ein Porträt von Coram, stiftete Gemälde, sodass das Krankenhaus die erste Galerie wurde, die öffentlich zugänglich war. Händel stiftete eine Aufführung des Messias und ein Manuskript des Halleluja-Chores. Eine Hymne, die er komponierte, heißt: Foundling Hospital Anthem. Wohlhabende Bürger kamen, um Konzerte zu hören und spendeten entsprechend. Benjamin West malte das Altarbild: Lasset die Kinder zu mir kommen. Coram selbst wurde, warum ist nicht bekannt, aus der Leitung des Krankenhauses ausgeschlossen. 1756 hat man das Haus für alle Kinder Großbritanniens geöffnet, was dazu führte, dass es von Kindern überschwemmt wurde und 1000e starben.

In späteren Jahren setzte er sich für die Bildung von Mädchen, insbesondere indigener Mädchen in den USA ein, da eine tugendhafte Erziehung zu guten Müttern führen würde und gute Mütter wieder tugendhafte Mädchen erziehen würden. Das wäre für die Allgemeinheit wichtig. Vor allem würden die Mütter eben auch die Jungen erziehen. Das gilt sowohl für die indigene Bevölkerung als auch für die Menschen in Großbritannien. In dem Krankenhaus wurden auch Mädchen ausgebildet. Er war zwar nicht mehr in Amerika, aber er wollte sich um die Finanzierung kümmern. Hieran wird auch erkennbar, warum er in der SPCK engagiert war, weil durch sie auch Bücher indigene Mädchen erreichten. Er betreute auch juristisch und finanziell zwei Männer aus einem indigenen Stamm, die sich beim König über Landraub beschweren wollten. (Auch eine interessante Geschichte. Der indigene Bote Mamohet Weyonomon starb an Pocken in London, durfte aber als Heide nicht im Stadtgebiet beerdigt werden, wurde dann bei der St. Mary´s Church begraben.)

Im Alter verarmte Coram, nachdem seine Frau gestorben war. Er meinte, er schäme sich nicht, arm zu sein, weil er sein Geld nie verschwendet habe. Er bekam dann eine jährliche Rente.

Coram wird als aufbrausender Mensch dargestellt, der ehrlich und von großer Herzensgüte gewesen sei. Die Wikipedia-Artikel sprechen von ihm als einem Philanthropen, übergehen dabei jedoch die Wurzel seiner Menschenfreundlichkeit. Ihm war der christliche Glaube sehr wichtig. Neben dem, was oben geschrieben wurde, war er ein heftiger Streiter gegen kirchliche Obrigkeit, die mehr Angst vor Unzucht in dem Kinderkrankenhaus/Waisenhaus haben würden als den Willen, sich für die Kinder einzusetzen. Sie hätte kein Mitleid, was unchristlich sei.

Ehrenkodex

Wer sich dagegen verhält – ist ehrlos:

  1. Man schlägt keine Frau, kein Kind, keinen Mann, kein Tier.
  2. Falle nicht mit einer Gruppe über Einzelne her.
  3. Denunziere niemanden – aber schütze keine Kriminellen.
  4. Schade niemandem – auch nicht heimlich.
  5. Ein Starker schlägt keine Wehrlosen.
  6. Verspotte keinen Menschen, der Schaden erleidet.
  7. Verspotte keinen Menschen der psychisch und körperlich „anders“ ist.
  8. Wer stark ist, schreit nicht.
  9. Ein Starker lässt sich durch Drogen nicht schwächen.
  10. Ein Selbstbewusster rennt nicht mit der Masse mit, er denkt selbst.

Wer sich so verhält – ist ehrenhaft:

  1. Respektiere die Mitmenschen.
  2. Hilf denen, deren Not Du siehst,
  3. schütze Dich und die, die in Bedrängnis geraten sind,
  4. sei freundlich in den normalen Begegnungen,
  5. verbessere Dich, wenn Du Fehler gemacht hast,
  6. halte Ordnung: bewahre die Umwelt,
  7. musst du kämpfen, kämpfe fair,
  8. sei wachsam gegen Unrecht und Machtspielen,
  9. benutze den Verstand und Deine Vernunft.
  10. Kurz: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

Erweise Dich als Kind Gottes.

*

Das sind ein paar erweiterbare Grundregeln.
Sie gelten im alltäglichen und im digitalen Leben.
Die sollte jedes Kind lernen.
Wenn es diese nicht lernt, nicht verinnerlicht,
stört und zerstört es eher das Zusammenleben.
Manche dachten: Erziehung ist überflüssig.
Die Folgen müssen wir leider erkennen.